12:32 27 Oktober 2020
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    Als eine „tolle Zeit“ bewertet der scheidende Botschafter der Schweiz in Russland, Pierre Helg, seinen fünf Jahre langen Einsatz in Moskau. „Ein Leben in Russland ist jeden Tag spannend“, so der Diplomat in seinem Sputnik-Interview. „ Es war ein Privileg, hier zu arbeiten.“

    „Meine Eindrücke sind äußerst positiv und zahllos“, sagte er. Die schweizerische Botschaft war eine der aktivsten diplomatischen Missionen bei der Popularisierung der Schweiz in Russland. 2014, als 200 Jahre der Herstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz gefeiert wurden, hat die Botschaft während der Olympischen Spiele in Sotchi eine rein schweizerische Hi-Tech-Schale eröffnet, die von Besuchern bestürmt wurde. „Erstaunlicherweise hat uns auch Präsident Putin besucht, ganz unerwartet. Er hat gesagt, er möchte zuerst die Küche sehen. Alle Mitarbeiter waren begeistert, das war sehr emotionell“, erinnert sich Pierre Helg.

    Natürlich bestehen die Beziehungen zwischen beiden Völkern viel länger als 200 Jahre. Aber als der Start der diplomatischen Beziehungen gilt die Ernennung von Ioannis Kapodistrias zum ersten Gesandten Russlands in der Schweiz im Februar 1814. Der russische Kaiser Alexander der Erste befahl ihm, die Interessen der Schweiz, ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu schützen. Dafür sei die Schweiz Russland bis heute äußerst dankbar, so der Diplomat. 

    Die Schweizerische Botschaft in Russland hatte mehrere kulturelle Veranstaltungen nicht nur in Moskau und St. Petersburg, sondern auch in den kleinen russischen Städten organisiert.  „Wenn wir etwas tun, wollen wir nicht zeigen, was die Schweiz macht. Wir wollen zeigen, was wir zusammen machen können.“

    In Russland sind etwa 600 Unternehmen aus der Schweiz präsent, einige haben eigene Produktionsstätten, andere sind als Kleinunternehmen tätig und haben kleine Vertretungen. „Alle Unternehmen sind davon überzeugt, dass Russland ein langfristiger strategischer Markt ist. Die Russen sind an innovativen Produkten aus der Schweiz interessiert, in erster Linie, im Bereich der Pharmaindustrie, des Maschinen- und Gerätebaus. In Russland gibt es viele Sammler der schweizerischen Uhren, die weltweit bekannt sind. Ein neues Segment haben wir in Russland entdeckt — das ist die s.g. innovative saubere Energie.“

    „Aber auch die Schweiz braucht die Investoren aus Russland“, fügte er hinzu. „Zurzeit gibt es in der Schweiz etwa 350 russische Vertretungen. Das russische Business ist für die Schweiz sehr wichtig“, betonte der Botschafter.

    Seit den 90-er Jahren hat die Schweiz eine aktive Politik mit Russland entwickelt. „Wir sind wirklich neutral, haben keine Sanktionen nach der Ukraine-Krise eingeführt. Die Konföderation gehört nicht der Nato und der EU an, das spielt eine große Rolle für unsere sehr freundlichen und ausgezeichneten Beziehungen heute.“  

    In Russland habe dem Botschafter fast alles gefallen. Was aber nicht gefällt, das sind wunderschöne Meisterwerke der Architektur  und gleich daneben die Betriebe. Moskau und St. Petersburg gehören zur Weltarchitektur, aber er liebe auch kleine russische Städte wie  Torschok, Jelez, Rostow Welikij, Pljos oder Wologda. „Ich machte mit dem Wagen hunderte Kilometer in Ihrem wunderschönen Land, und es war auch für einen Schweizer aus einem kleinen Land toll, die uferlosen Wälder und Steppen zu entdecken.“

    Es wäre ihm nicht schwer gewesen, mit den Leuten zu kontaktieren, weil Pierre Helg innerhalb von  zwei Jahren die russische Sprache erlernt hat. Er hoffe, einmal wieder nach Russland privat zurückzukehren.

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    Tags:
    Pierre Helg, Russland, Schweiz