20:52 24 Juli 2017
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    Polnischer Jagdflugzeug vom Typ F-16

    Warum ist Polen so stark mit Militär-Industrie-Komplex der USA verbunden?

    © AFP 2017/ DAMIEN SIMONART
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    Der Experte für europäische Sicherheit am russischen Europa-Institut, Dmitri Danilow, hat am Mittwoch in einem Interview mit Sputnik die Fragen beantwortet, warum sich Polen so stark an den Militär-Industrie-Komplex der USA anhängt und ob US-Marschflugkörper für polnische Kampfjets die Sicherheit Russlands bedrohen werden.

    In Bezug auf die zahlenmäßige Stärke sei die polnische Armee eine der größten in Europa. Wenige Jahre zuvor habe Polen ein Umrüstungsprogramm konzipiert, das unter anderem die Modernisierung der Luftwaffe beinhalte. Bei der Umsetzung dieses Programms sollen auch die jetzt in Dienst befindlichen Marschflugkörper zur Bestückung von F-16-Kampfjets durch neue ersetzt werden.

    Selbstverständlich begründet dies Warschau mit quasi ernsthaften politischen Argumenten, wonach die Aggression seitens Russlands für Polen sowie die baltischen Länder immer mehr wachse. Der Mythos, dass die Russen bald in die Nachbarländer kommen würden, wird bedauerlicherweise mit neuen phantasievollen Erfindungen gespickt.

    Obwohl man sagt, dass Lügen kurze Beine haben, ist es leichter, „unbemerkt“ neue Abkommen über die Lieferung von Raketen und anderen Waffen zu schließen. Derzeit beeilt sich Polen besonders, seine partnerschaftlichen Beziehungen zu den USA zu verankern, und beweist Washington immer wieder seine Treue, dass es sein zuverlässigster Partner in Europa und in der Nato ist.

    Warschau zeigt, dass es sich an die Interessen des US-amerikanischen Militär-Industrie-Komplexes und des Unternehmertums hält, sowie bekundet seine Bereitschaft,  mit den USA zusammenzuarbeiten, wie es bei Obama gewesen war. Die geopolitische Situation ändert sich aber, viel wird nun vom künftigen Kurs des neu gewählten Präsidenten Donald Trump abhängig sein.   

    Sollte sich Trumps Außenpolitik vom bisherigen Kurs Obamas unterscheiden, könnte die polnische Führung nach dem 20. Januar 2017 sehr enttäuscht werden. 

     Beim jüngsten Nato-Gipfel in Warschau wurde laut dem Experten gerade Russland als Hauptgefahr für die Länder der Allianz bezeichnet. Russland ist natürlich damit nicht einverstanden.

    „Obwohl uns kein Gehör geschenkt wird, wird von uns erwartet, dass wir auf eine proportionale Antwort auf die Stärkung der östlichen Nato-Flanke verzichten. Moskau hat mehrmals seine Bereitschaft gezeigt, einen Dialog mit der Allianz zu führen, aber nur auf gleichberechtigter Basis. Nur so und nicht anders. Was neue  Marschflugkörper für die Bewaffnung der polnischen Streitkräfte anbelangt, werden wir auf jeden Fall die Sicherheit unseres Landes schützen“, sagte  Danilow. 

    Zuvor hatte das US-Außenministerium die Auslieferung mehrerer Dutzend Luft-Boden-Marschflugkörper vom Typ JASSM-ER zur Bestückung von F-16-Kampfjets an Polen gebilligt. Laut der Nachrichtenagentur PAP handelt es sich um die Lieferung von insgesamt 70 Kampf- und acht inerten Marschflugkörpern sowie Simulationsanlagen. Nach inoffiziellen Angaben will Polen jedoch nur noch 40 Raketen wirklich einkaufen.

    Wie General Adam Duda, Chefinspekteur für Bewaffnung beim polnischen Verteidigungsministerium, in einem Interview mit Sputnik Polska sagte, soll die Unterzeichnung eines diesbezüglichen Abkommens bis Jahresende stattfinden.

    Die Präsidentschaftswahl in den USA fand am 8. November statt. Der Republikaner Donald Trump dominierte dabei über seine Rivalin, die Demokratin Hillary Clinton, indem er bedeutend mehr Wahlmännerstimmen für sich gewinnen konnte. Die neue US-Regierung mit Trump an der Spitze wird nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten am 20. Januar 2017 ihre Tätigkeit aufnehmen.

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    Beziehungen, Sicherheit, JASSM-ER, Kampfjet F-16, NATO, Hillary Clinton, Adam Duda, Donald Trump, Dmitri Danilow, USA, Russland, Polen
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