02:17 26 Juni 2017
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    Van der Bellen "nicht grün genug" - Grüne gehen jetzt zu Hofer

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    Politik
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    Inge Rauscher setzt sich seit Jahrzehnten für Umweltthemen ein, bei Demonstrationen gegen Kernkraft oder für den Erhalt von Naturschutzgebieten kämpfte sie neben Gallionsfiguren der Grünen, wie Freda Meissner-Blau. Dennoch könne man als Naturschützer nicht für Van der Bellen stimmen, sagt Rauscher.

    Die 67jährige Aktivistin aus Zeiselmauer ist Obfrau der Initiative “Heimat und Umwelt”. Auf der Internetseite ihrer Initiative macht sich Inge Rauscher derzeit für den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer stark und hat sogar ein Flugblatt drucken lassen.

    Inge Rauscher
    © Sputnik/ Ilona Pfeffer
    Inge Rauscher

    “Wir stehen für ein Leben und eine Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur, wo auch auf Tiere und Pflanzen Rücksicht genommen wird. Es sollen aber auch soziale Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Diese Riesenunterschiede zwischen Arm und Reich, die das neoliberale Wirtschaftssystem mit sich bringt, sind eine Katastrophe für die Menschheit und letzten Endes auch für die Natur”, erklärt Rauscher.

    Aber warum fühlt sich Inge Rauscher weder von den Grünen, noch von dem als unabhängig antretenden Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen vertreten?

    “Weil die Parlaments-Grünen schon lange nicht mehr grün sind. Das, was grünes Denken ursprünglich war — Heimatschutz, Lebensschutz, Tradition, Erhaltung der Werte — das vertreten die Parlaments-Grünen schon lange nicht mehr. Van der Bellen auch nicht. Er war ja lange bei der SPÖ und gibt sich jetzt als unabhängiger Kandidat, wird aber voll von den Grünen und von der Großindustrie finanziert. Sein Hauptsponsor ist der größte Baugroßindustrielle unseres Landes Hans-Peter Haselsteiner.”

    Auch was Volksbeteiligung angeht, kann sich die Aktivistin nicht für Van der Bellens Haltung begeistern. Van der Bellen sei ein Gegner der direkten Demokratie und würde statt Volksabstimmungen durchzuführen lieber die Entscheidungen an Experten delegieren, die im Sinne der Konzerne handelten, so Rauscher im Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer. Der Kandidat der Freiheitlichen hingegen sei ein großer Verfechter von Volksabstimmungen.

    “Volksbefragungen, Volksabstimmungen, Volksbegehren zu allen wichtigen Themen, natürlich auch zu Umweltschutz. Eines der wichtigsten Ziele von Norbert Hofer ist es, die direkte Demokratie nach dem Muster der Schweiz einzuführen.”

    Die streitbare Umweltaktivistin wirft Alexander Van der Bellen außerdem vor, sich nicht entsprechend grünen Werten bei dem Thema Atomkraft positioniert zu haben. Als Beweis für seine Indifferenz führt sie die Volksabstimmung 1978 an, durch die der Bau des Atomkraftwerkes in Zwentendorf verhindert wurde.

    “In den letzten Jahrzehnten war es für Österreich die wichtigste umweltpolitische Entscheidung überhaupt. Damals bei der Abstimmung ging es nicht nur um das Atomkraftwerk Zwentendorf, es waren ja insgesamt neun Atomkraftwerke geplant. Wenn ein grüner Parteichef — damals war er noch bei der SPÖ — sagt, es sei an ihm spurlos vorbeigegangen und er könne sich gar nicht mehr erinnern, wie er eigentlich abgestimmt hat, besagt das, dass er Umweltpolitik überhaupt nicht verstanden hat.”

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    Tags:
    Umwelt, SPÖ, Alexander van der Bellen, Norbert Hofer, Inge Rauscher, Österreich