02:32 18 November 2019
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    A trader at the stock exchange reacts in Frankfurt, Germany.

    Trump und die Wall Street: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
    Politik
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    Im Wahlkampf wetterte er noch gegen die Finanzelite. Nun macht Donald Trump den Wall-Street-Insider Steven Mnuchin zum Finanzminister und den Milliardär Wilbur Ross zum Handelsminister. Der Bestsellerautor und Wirtschaftsexperte Marc Friedrich schließt daraus im Sputnik-Interview: „Viel Change wird sich auch unter Trump nicht einstellen.“

    Trump sammele eine ganz illustre Truppe um sich herum, so Marc Friedrich von Friedrich & Weik. Da gebe es Milliardäre, Millionäre und Wall-Street-Insider.

    Es würde sich also wenig ändern. Der neue Finanzminister, Steven Mnuchin war 17 Jahre bei Goldman Sachs. Friedrich bezeichnet ihn als einen Insider mit fragwürdigem Hintergrund. Er habe auch von Leuten profitiert, die ihre Immobilien verloren hatten, was auch moralisch sehr fragwürdig sei. Schon bei Obama habe man sich Veränderung (Change) erhofft und der sei nicht eingetreten. Auch beim designierten US-Präsident wagt der Ökonom dies zu bezweifeln.

    Die Tatsache, dass der neue Finanzminister, wie so viele seiner Vorgänger auch, bei Goldman und Sachs war und Wall-Street-Insider ist, kommentiert Friedrich mit

    „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Trump ist ja mit vielen Wahlversprechen jetzt schon massiv zurückgerudert. Es war wohl doch bloß eine Hollywood-Show die da veranstaltet wurde, um die Wähler einzufangen.“

    Er ist sich aber sicher, dass die US-Bürger sich ein Change, den sie sich so sehr erhofft haben und der ihnen nun durch die Lappen gehe nicht nochmal ein drittes Mal auf die Nase binden lassen. Friedrich, der auch schon 2001 den Staatsbankrott der argentinischen Regierung aus nächster Nähe miterlebt hat, denkt,  dann wird es ein bisschen unruhig werden in den USA.

    Mit der neuen Personalie im Kabinett Trump übernehme Goldman Sachs weiterhin das Ruder und die Welt. Der Wirtschaftsexperte erläutert:

    „Wir haben überall in verschiedenen Schlüsselpositionen in den Machtzentralen der Welt Goldman Sachs Manager installiert, ob es ein Herr Draghi bei der EZB ist, oder ein Herr Carney bei der Bank of England. Goldman Sachs hat ein unglaubliches Netzwerk und profitiert natürlich auch von diesem Netzwerk. Auch wenn das oft heruntergespielt wird.“

    Vom beschworenen Trump Crash sei nicht viel geblieben. Die Banken seien, im Gegenteil, nach wie vor die Profiteure von dem, was Trump machen möchte. Wie im Casino, gewinne die Bank immer. Es werde weiterhin niedrige Zinsen in den USA geben und weiterhin natürlich eine enorme Verschuldung. Die Verschuldung werde massiv ansteigen, auch unter dem neuen Finanzminister und unter Trump.

    Friedrich sagt, dass das neue Kabinett genau das Gegenteil von dem was Trump vorher propagiert habe sei. Er betont:

    „Aber sind wir doch mal ehrlich. So ist es doch immer bei der Politik. Politiker machen versprechen um gewählt zu werden. Sie lügen einfach um die Stimmen hinter sich zu versammeln. Ich möchte als Bespiel nur mal Griechenland nehmen. Syriza hat enorme Wahlversprechen abgeliefert und alle Wahlversprechen wurden nach der Wahl einkassiert. Warum? Weil Geld die Welt und die Politik regiert. Aus diesem Grund wird sich niemals was von oben, von der Politik verändern lassen. Der wahre Wandel kommt nur von unten, der kommt von den Menschen.“

    Donald Trump werde noch für die eine oder andere Überraschung gut sein, sowohl positiv als auch negativ. Eine Veränderung zur bisherigen Linie der USA sieht Friedrich doch: die USA werden sich mehr auf die inneren als auf die weltweiten Probleme konzentrieren. Die USA als Weltpolizei werde sich wohl verabschieden.

    Interview: Bolle Selke

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    Tags:
    Goldman Sachs, Donald Trump, USA