06:47 06 Dezember 2019
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    Anti-Assad-Kämpfer in Aleppo

    Trotz Chance auf freien Abzug: Anti-Assad-Kämpfer in Aleppo versuchen Schulterschluss

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    Russland erörtert mit den USA deren Initiative, die allen bewaffneten Assad-Gegnern ermöglichen soll, Aleppo ungehindert zu verlassen. Experten befürchten jedoch, dass der Plan auf Papier bleibt, denn die Militanten wollen weiter kämpfen. Deren vereinzelte Gruppen versuchen einem Zeitungsbericht zufolge sogar einen Schulterschluss.

    Jelena Suponina, Expertin des Russischen Instituts für Strategische Studien, sagte der Tageszeitung „Wedomosti“, der US-Plan könne zwar tatsächlich zu einer Lösung des Aleppo-Problems beitragen, damit die syrische Regierungsarmee die Kontrolle über die Stadt zurückerlange. Die bewaffneten Oppositionellen seien jedoch unversöhnlich gestimmt. Es gehe dabei nicht nur um die Al-Nusra-Front, sondern auch um andere Gruppen, die in den USA als weniger radikal gelten. Trotz ihrer gegenseitigen Differenzen hätten sie alle das Ziel, gegen Baschar Assad zu kämpfen.

    „Nach meinen Informationen haben weder die einen noch die anderen vor, Aleppo zu verlassen. Der Plan ist auf Papier gut, es wird aber äußerst schwer fallen, ihn umzusetzen. Eine Umsetzung ist wenig wahrscheinlich“, so Suponina.

    Dass der Plan jetzt erörtert wird, hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag bestätigt. Er sagte, die Gespräche in Genf seien auf Initiative der USA gestartet worden. Russische und US-Experten seien dabei, konkrete „Routen und Fristen“ für den Abzug der Kämpfer aus Aleppo zu vereinbaren. „Diese Arbeit zielt auf einen vollständigen Abzug aller Kämpfer aus dem östlichen Teil der Stadt ab. Russland hat sich längst dafür eingesetzt“, so Lawrow. 

    Kämpfer in Ost-Aleppo versuchen indes einen Schulterschluss: Wie die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Dienstag berichtet, haben mehrere vereinzelte Gruppen ihre Selbstauflösung verkündet, um eine einheitlich kommandierte „Armee Aleppos“ zu bilden und den Regierungstruppen effizienter zu widerstehen.

    Übrige Kämpfer in Aleppo gelten als Terroristen – Lawrow

    Der syrische Parlamentsabgeordnete Alan Bakr sagte jedoch dem Blatt: „Die syrische Staatsführung hat grundsätzlich beschlossen, Aleppo von den Terroristen völlig zu befreien. Deshalb werden die Streitkräfte die Operation fortsetzen, bis sie endgültig siegen. Keine ‚Armee Aleppos‘ wird in der Lage sein, ihren Vormarsch zu stoppen.“

    „In den letzten Tagen haben unsere Truppen wesentliche Erfolge erzielt und die Kontrolle über mehrere größere Stadtteile zurückerlangt. Ich will aber betonen: Die Militanten haben immer eine Wahl. Das Amnestie-Gesetz gilt in Syrien nach wie vor. Demnach können die Kämpfer die Waffen niederlegen und sich ergeben, ohne dann rechtlich verfolgt zu werden. Außerdem haben sie die Möglichkeit, Ost-Aleppo durch die speziell eingerichteten Korridore zu verlassen. Sonst wird man sie vernichten“, betonte Bakr. 

    Der russische Politik- und Militärexperte Oleg Glasunow prognostizierte, der von den Kämpfern angestrebte Zusammenschluss könne einen endgültigen Sieg der Regierungstruppen in Aleppo zwar verzögern, aber kaum verhindern: „Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass die ‚Armee Aleppos‘ bald zerfallen wird, denn ihr gehören rivalisierende Gruppen an, zwischen denen es kein Vertrauen gibt. In diesem Zusammenhang ist es schwer zu glauben, dass es ihnen wirklich gelingen wird, eine einheitliche Kommandozentrale einzurichten, deren Befehle alle erfüllen werden.“

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