10:45 01 Oktober 2020
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    Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen (108)
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    Die türkische Ökonomie-Professorin Sumru Altug von der Koç Universität in Istanbul hat in einem Interview mit Sputnik die Absicht von Ankara, Handel mit Russland in Nationalwährungen zu treiben, positiv bewertet.

    Dem türkischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zufolge hatte Ankara Russland angeboten, kommerzielle Zahlungen zwischen den beiden Ländern in den nationalen Währungen abzuwickeln.  Ähnliche  Angebote seien gegenüber China und dem Iran unterbreitet und dort auch als vernünftig bewertet worden.

    Der Wahlsieg  von Donald Trump und der von  ihm vorgeschlagene Kurs auf die Anhebung der Zinssätze habe die Währungen vieler Schwellenländer geschwächt und  einen Abfluss der Geldmittel hervorgerufen. Davon sei  unter anderem die türkische Wirtschaft betroffen, sagte Altug, und der Vorschlag, die Zahlungen zwischen den beiden Ländern in den nationalen Währungen abzuwickeln, könne kurzfristig die Abwertung der türkischen Lira stoppen.

    Auch Langfristig sei die Idee  vernünftig, weil die Ereignisse in den Schlüsselländern wie die USA oder die EU-Staaten einen „unmäßigen" Einfluss auf die Schwellenländer  hätten. Wenn solche  Schwellenländer den Handel in Dollar abwickeln würden, müssten sie eine große Dollar-Menge in ihre Reserven stecken, und dann werden externe Entwicklungen ihre eigenen Währungen negativ beeinflussen.  „Deshalb kann man das als einen Versicherungsmechanismus wahrnehmen, mit dem man sich vor unvorhergesehenen Ereignissen auf dem Devisenmarkt schützen kann", sagte sie.

    Je mehr man Handel in einer ausländischen Währung treibe, je mehr Reserven dieser Währung man habe,  desto stärker würden  die  Kursschwankungen die eigene Währung beeinflussen, erläuterte Altug.

    „Wenn man aber Handel in türkischer Lira treibt und seine einheimische  Wirtschaft einsetzt, um Einnahmen in Lira oder Rubel oder Yuan zu bekommen, dann ist es einem egal, (was an den Märkten vor sich geht — Anm. d. Red.). Wichtig ist, wieviel Waren man kaufen kann." In diesem Fall würde die Wirtschaft eines solchen Landes gegen Kurschwankungen  weniger empfindlich sein, sagte Altug.

    Außerdem sei ein „Währungspuffer", also eine enorme Währungsreserve,  auch eine Art Gefährdung für die Nationalwirtschaft. Gerade deshalb habe sich die Asienkrise 1997 selbst auf Länder mit guten Wirtschaftswerten äußerst negativ ausgewirkt. 

    „Der Kapitalabfluss betrug  offenbar 180 Milliarden Dollar. Und Südkorea, das damals, sagen wir, 150 bis 200 Milliarden Dollar in der Reserve hatte, beschloss, eine noch größere Dollarmenge in der Reserve zu halten — die in der Tat die Entwicklung der Wirtschaft in keiner Weise  fördern können. Deshalb glaube ich, dass dieses bilaterale Abkommen über die Abwicklung des Handels in den einheimischen Währungen solchen Ereignissen vorbeugen kann", so Altug abschließend.

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    Handel, Recep Tayyip Erdogan, Iran, China, Russland, Türkei