02:04 26 April 2019
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    T-72-Panzer bei Nato-Übung

    Gepanzerte Maskerade: Nato setzt sowjetische Panzer bei Übung ein

    © Foto: U.S. Marine / Justin T. Updegraff
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    Britische Militärs haben eine Übung organisiert, in deren Verlauf ein Krieg gegen Russland simuliert wurde. Damit das Ganze möglichst überzeugend aussieht, führten die Briten alte sowjetische T-72-Panzer polnischer Produktion sowie völlig veraltete T-55 auf das Schlachtfeld, die sie bei Museen und privaten Sammlern geliehen haben.

    Diese sollten die „russischen Kräfte“ darstellen.

    Laut der Legende griffen die „Russen“ Estland an, und die Briten mussten ihrem baltischen Nato-Verbündeten zu Hilfe kommen. Die Rolle der aggressiven Russen übernahmen Zivilisten, die von einer Recruiting-Agentur gecastet worden waren. Sie zogen grau-blaue Tarnuniformen (ähnliche Uniformen tragen russische Polizeibeamte) und grüne Uniformen an und bekamen Kalaschnikow-Maschinenpistolen, schreibt die "Rossijskaja Gaseta".

    Nach Auffassung der britischen Generäle sollte das wohl das Manöver auf dem Übungsgelände Salisbury Plain glaubwürdig machen. Auf den Panzern fehlten nur noch russische Flaggen – das war das Einzige, was sie nicht wagten. Dafür wehten aber schwarz-rote Flaggen mit einem gelben Emblem in der Mitte auf dem Kriegsgerät. 

    Wegen „russischer Aggression“: Nato will „Hunderttausende Soldaten“ aufstellen

    Damit wollte Großbritannien, das im Frühjahr kommenden Jahres 400 Soldaten in die baltischen Länder schicken wird, offenbar seine Militärs üben lassen, wie man auf Kriegshandlungen in einem fremden Land reagiert.

    „Im Westen geht die Kampagne zur Darstellung Russlands als Feind weiter“, lautete ein Kommentar des russischen Verteidigungsministeriums. „Man will die Menschen überzeugen, dass von Moskau eine reale Gefahr ausgeht. Und wenn es an verbalen Argumenten mangelt, werden PR-Aktionen organisiert. Die Übung in Großbritannien mit der Verkleidung und Verwendung von bei uns entwickelter Technik passt durchaus in dieses Szenario.“

    Obwohl das Manöver auf der Insel sehr theatralisch aussah, war das eine offene Provokation. Denn selbst während des Kalten Krieges kamen weder die Sowjetunion noch die Nato-Länder auf die Idee, ein konkretes Land als potenziellen Gegner zu bezeichnen. Es handelte sich eben um „Gegner“ und keineswegs um die USA, die UdSSR, Großbritannien usw.

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde es für den Westen so gut wie sinnlos, Russland als militärischen Gegner anzusehen. Es wurde einfach nicht ernst genommen: In den USA gab es sogar Medaillen „Für den Sieg im Kalten Krieg“. Russland wurde auch nicht öffentlich als Feind bezeichnet, als Washington beschloss, seine Raketenabwehr in Europa aufzustellen. Man behauptete, sie wäre gegen islamische Terroristen, eventuell gegen nordkoreanische oder iranische Raketen gerichtet, aber nicht gegen Russland.

    Doch die Sonne bringt es nun einmal an den Tag: Seit 2014 wird russische Militärtechnik bei nahezu allen Rüstungsmessen zum Hauptziel erklärt, das es zu bekämpfen gilt.

    Auf der “ Euronaval 2014” präsentierten die USA ihr schiffgestütztes Anti-Raketen-System Aegis. Auf einem Plakat war eine Stadt mit Wolkenkratzern abgebildet, die von einem mit Aegis ausgerüsteten Schiff bewacht wurde. Diese Stadt wurde angeblich von einem russischen U-Boot oder von einem Kriegsschiff oder von einem Kampfjet oder sogar von einem als Frachtschiff getarnten Raketenträger angegriffen.

    Noch weiter gingen Waffenhersteller aus Nato-Ländern bei der LIMA-Waffenmesse im Frühjahr 2015 in Malaysia. Damals stellte die französische Firma Thales eine „smarte Patrone“ vor, und während der Präsentation traf diese einen russischen Hubschrauber Mi-24.

    Die norwegische Unternehmensgruppe Kongsberg wagte sogar noch einen Schritt weiter: Ihre Raketen beschossen bei derselben Messe keine veraltete Mi-24, sondern den neuesten russischen Helikopter Ka-50 „Black Shark“ und den T-50-Kampfjet.

    In diesem Jahr veröffentlichte der US-amerikanische Konzern Lockheed Martin eine offizielle Video-Präsentation seiner neuesten Anti-Schiffs-Rakete AGM-158C LRASM. Als wichtigste Ziele wurden dabei russische Kreuzer des Projekts 1164 bezeichnet. Auf dem Video vernichtete ein US-Kampfjet einen kompletten Schiffsverband, der den russischen Kreuzern sehr ähnelte.

    Jetzt wollen die Nato-Kommandeure die russische Militärtechnik offenbar nicht nur in „Computerspielen“, sondern auch bei realen Übungen vernichten.

    Angesichts dessen stellt sich jedoch die Frage: Warum kommen Nato-Vertreter nicht zum „Panzer-Biathlon“ nach Russland? Sie werden immer wieder eingeladen, wollen jedoch nicht kommen. Haben sie etwa Angst, sich mit russischen Soldaten direkt zu messen? Das ist nicht ausgeschlossen. Es ist ja leichter, „Estland“ zu befreien, das angeblich von Russland angegriffen wurde, obwohl Russland überhaupt kein Interesse an Estland hat.

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    Tags:
    Ka-50, Mi-24, T-50-Kampfjet, T-72-Panzer, NATO, USA, Russland