22:04 20 Januar 2020
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    Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen (108)
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    Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat bei seinem Moskau-Besuch für mehr wirtschaftliche Kooperation plädiert. Politisch sind die Differenzen zwischen den beiden Ländern allerdings nach wie vor groß – vor allem zu Syrien. Russische Experten loben die Annäherungsversuche, warnen aber vor Illusionen.

    Der russische Politik-Experte Alexander Kirpitschow sagte der Onlinezeitung gazeta.ru: „Strategie war das Stichwort beim Treffen der beiden Regierungschefs. Neben der Wirtschaft wurden auch die strategische Partnerschaft und vor allem die strategische Sicherheit besprochen. Die Worte von Yildirim sind deshalb von großer Bedeutung.“

    Zum Auftakt seines Treffens mit dem russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew hatte Yildirim am Dienstag gesagt, es sei den beiden Ländern endlich gelungen, eine „schwierige Phase“ in ihren Beziehungen zu überwinden. Im November 2015 hatte der Abschuss einer russischen Su-24 durch die türkische Luftwaffe im syrisch-türkischen Grenzgebiet eine Dauerkrise zwischen Moskau und Ankara verursacht. Schließlich entschuldigte sich der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan öffentlich für jenen Abschuss. 

    Andrej Klimow, Vizechef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus), kommentierte für gazeta.ru: „Es wäre naiv zu glauben, dass die Türkei nach den bekannten Ereignissen plötzlich zu einem absoluten Freund Russlands geworden sei und nun bereit wäre, uns in allen Angelegenheiten zu unterstützen. So etwas wird es nicht geben. Die Türkei wird das anstreben, was sie für sich selbst wichtig findet. Hat Erdogan beschlossen, Assad auszuschalten, so wird er sich auf Biegen und Brechen diesem Ziel nähern.“

    Klimow mahnte: „Man darf keine Illusionen zulassen, wenn man mit solch einem großen regionalen Akteur wie der Türkei zu tun hat. Diese hat ihre eigene Geschichte von tausend Jahren sowie ihre eigene Auffassung von Gut und Böse. Was auch immer man sagt, ist das kein europäisches Land mit entsprechenden Traditionen. Das ist ein Land im Orient. Die Denklogik und die Ansätze der Türkei unterscheiden sich deshalb stark davon, woran wir uns etwa in den Beziehungen mit der EU gewöhnt haben.“

    Trotzdem sollte Russland nach Ansicht von Klimow vor einer wirtschaftlichen Partnerschaft mit der Türkei nicht zurückschrecken. Laut Yildirim haben die beiden Länder in geschichtlicher Hinsicht umfangreiche Handelsbeziehungen und sind nun in der Lage, diese Kooperation weiter auszubauen.

    Anna Glasowa, Asien-Expertin des Russischen Instituts für Strategische Studien, kommentierte: „Im Wirtschaftsbereich ist die Bereitschaft der türkischen Führung vorhanden, jenen Umfang der wirtschaftlichen Beziehungen aus der Vorkrisenzeit wiederherzustellen. Allerdings ähneln die Pläne, die von den beiden Ländern jetzt bekannt gegeben werden, eher einem politischen Manifest. Im Moment beobachten wir leider einen drastischen Rückgang der wirtschaftlichen Beziehungen.“

    Die Differenzen in Sachen Syrien seien nach wie vor der zentrale Stein des Anstoßes zwischen Moskau und Ankara. Es sei aber nicht auszuschließen, dass sich die Türkei später willig zeigen werde, diesen Streit mit Russland beizulegen. Denn der aktuelle Syrien-Kurs der Türkei habe ihr kaum Vorteile gebracht, so Glasowa.

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    Su-24, Baschar al-Assad, Recep Tayyip Erdogan, Binali Yildirim, Andrej Klimow, Alexander Kirpitschow, Dmitri Medwedew, Syrien, Russland, Türkei