09:47 23 September 2020
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    Laut CIA-Ermittler John Nixon, der den irakischen Anführer Saddam Hussein vor seiner Hinrichtung verhört hatte, hat sich der Politiker in den letzten Lebensjahren mit dem Schreiben von Romanen statt dem Regieren befasste und kaum eine Vorstellung von dem gehabt, was in den Nachbarländern geschah. Das schreibt die Zeitung „New York Daily News“.

    Saddam Hussein wurde im April 2003 nach einer Intervention von Koalitionstruppen mit den USA und Großbritannien an der Spitze gestürzt. Das Oberste Gericht des Iraks erhob gegen ihn Klage wegen der Ermordung von 148 Einwohnern des Dorfes Dudscheil im Jahr 1982. Der ehemalige irakische Anführer wurde zur Todesstrafe verurteilt, die Ende Dezember 2006 vollzogen wurde.

    Nixon schildert seine Eindrücke in seinem Buch „Das Verhör von Saddam Hussein“, das am 27. Dezember erscheint. Es war Nixon, der Hussein aufgrund der Narben und Tattoos erkannte, als US-Militärs ihn aus seinem Versteck holten.

    Ihm zufolge zeigten bereits die ersten Vernehmungen, dass Saddam Hussein das Geschehen nicht ganz begriff. „Saddam war mit dem Schreiben von Romanen beschäftigt. Er leitete die Regierung nicht mehr (…). Es schien, dass Saddam nicht verstand, was im Irak geschieht, genauso wie seine britischen und amerikanischen Feinde. Er verfolgte nicht die Tätigkeit seiner Regierung und hatte keine Pläne zur Vorbereitung auf die Verteidigung Iraks“, zitiert die Zeitung Auszüge aus Nixons Buch.

    Nixon zufolge plante Hussein keine Angriffe auf die benachbarten bzw. auf westliche Länder, obwohl die Vorwürfe der USA gerade darauf abzielten. Zudem wies Hussein den Vorwurf zurück, dass er ein Komplott gegen US-Präsident George Bush plante. Laut Saddam Hussein verfügte der Irak über keine Massenvernichtungswaffen und stellte keine Gefahr für andere Länder dar. „Sie werden scheitern. Sie werden feststellen, dass es nicht so einfach ist, den Irak zu lenken“, prognostizierte Hussein bei einem Verhör.

    Nixon zufolge sprach Hussein gerne über seine Frauen und gab dem Ermittler sogar Auskunft über seine Familie. Dazu gehörte auch Sohn Udai, den er als „spezielles Problem“ bezeichnete. Laut Hussein hatte Udai in Bagdad mehrere Luxus-Autos, die von Soldaten bewacht wurden. Der irakische Anführer meinte, dass dies den Zorn der Iraker auslösen könnte, die unter den Sanktionen leiden. Er befahl deshalb, die Autos zu verbrennen. Udai wurde im Juli 2003 in Mossul von US-Soldaten getötet. 

    Der CIA-Ermittler beschreibt in seinem Buch auch die Hinrichtung Husseins. „Ich war überrascht, dass Saddam im Hinrichtungsraum eine gewisse Würde ausstrahlte. Nicht dafür kamen unsere Jungs und Frauen ums Leben. Einen solchen Irak hatte Bush nicht versprochen“, so Nixon.

    Eine Sonderkommission in Großbritannien hatte am 6. Juli die Ergebnisse der Untersuchung der Regierungsmaßnahmen bei der Vorbereitung auf die Invasion der USA und Großbritanniens in den Irak im Jahr 2003 veröffentlicht. Die Kommission kam zum Schluss, dass die britische Regierung unter der Führung des Labour-Premiers Tony Blair einen Fehler beging, als sie den Einmarsch in den Irak begann. Der Beschluss über den Kriegsbeginn wurde auf Grundlage von fehlerhaften Aufklärungsdaten und Einschätzungen getroffen, ohne die Unterstützung der meisten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates. Er zog schwerwiegende Folgen nach sich, die auch heute noch zu spüren sind.

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    Tags:
    CIA, John Nixon, Saddam Hussein, USA, Irak