02:49 17 November 2019
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    Das Märchen vom demographischen Wandel? – DIE LINKE klärt auf

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    Politik
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    Der in den Medien oft als Orkan bezeichnete demographische Wandel, wird von den regierenden Politikern als die eigentliche Herausforderung der Rentenpolitik dargestellt. "Hanebüchener Unsinn", sagt der rentenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Matthias W. Birkwald, im Sputnik-Interview.

    Die Menschen werden immer älter, dadurch beziehen sie immer länger Rente. Die jüngeren, die die Rente mit ihren Beiträgen bezahlen, werden immer weniger. Den demographischen Wandel beklagen immer wieder Arbeitgeber und viele Politiker der etablierten Parteien. Mathias W. Birkwald von der Partei DIE LINKE hält das Demographie-Problem für ein Märchen der Arbeitgeber und erklärt:

    „Es hat auch in den 60er, 70er und 80er Jahren die Entwicklung gegeben, dass es immer weniger Beschäftigte der mittleren Generation auf einen Rentner bzw. eine Rentnerin gab. Trotzdem ist der Sozialstaat in diesen Jahren ausgebaut und nicht abgebaut worden. Also ist der demographische Orkan ein Märchen der Arbeitgeber/-innen, um sogenannte Lohnnebenkosten zu sparen oder, anders ausgedrückt, um ihre Profite zu erhöhen. Nichts anderes“.

    1891 war die gesetzliche Rentenversicherung durch Otto von Bismarck eingeführt worden. Damals finanzierten zehn Bürger und Bürgerinnen des deutschen Reiches einen Rentner/-in. Als Konrad Adenauer im Jahr 1957 die Bundestagwahl mit einer absoluten Mehrheit gewann, waren es bereits fünf Beschäftigte zwischen 20 und 65 Jahren, die für einen Rentner oder eine Rentnerin aufkommen mussten. Im Jahr 2013 waren es 2,9 und ab 2040 wird aller Voraussicht nach 1,8 Beitragszahlende auf einen Rentenbeziehenden kommen.

    So ist der demographische Wandel in Deutschland zwar ein Fakt, aber der größte Teil des demografischen Wandels liege bereits lange hinter uns, ist sich der Rentenexperte sicher.

    In Wirklichkeit komme es vielmehr auf die gerechte Verteilung an. Damit die Verteilung wieder gerecht wird, müssen die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen deutlich mehr Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, so der Rentenexperte:

    „Wenn heute jemand einen Durchschnittsverdienst von brutto 3022,00 Euro im Monat hat. Dann müsste so jemand nur 33 Euro mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und sein Arbeitgeber ebenfalls, um wieder ein lebensstandardsicherndes Rentenniveau von 53 Prozent zu haben. Das funktioniert auch im Jahr 2029. Dann wären es zwar 99 Euro, aber dann soll der Bundesregierung nach auch das Durchschnittseinkommen bereits 4323,00 Euro betragen. Und die vier Prozent Riesterbeiträge — ohne Steuerzuschuss 164 Euro in 2029 — könnte man sich sparen. Durchschnittlich verdienende Beschäftigte hätten also 65 Euro mehr netto.“

    Die wahre Ursache für sinkende Renten und drohende Altersarmut sei nach wie vor die Einführung eines Niedriglohnsektors durch die SPD-geführte Bundesregierung (in den Jahren 1998-2005), sagt der Abgeordnete. Deutschland hat heute den zweitgrößten Niedriglohnsektor Europas. Jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet im Niedriglohnsektor. Fast eine Million Menschen besitzen Leihverträge. Sie erhalten für die gleiche Arbeit 30 bis 40 Prozent weniger an Lohn und zahlen somit deutlich weniger in die Rentenkasse ein.

    Die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hatte Ende November ihre neuen Reformpläne zur Alterssicherung vorgestellt. Darin fordert Sie u.a., dass das Renten-Niveau von heute ca. 48 Prozent nicht unter 46 Prozent sinken dürfe. Die Pläne geraten zunehmend unter Druck. Auch der Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm hält den Berichten zufolge das Mindest-Rentenniveau von 46 Prozent für nicht ausreichend.

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    Tags:
    Orkan, Demographie, Rente, Armut, Rentner, Die LINKE-Partei, Andrea Nahles, Konrad Adenauer, Otto von Bismarck, Deutschland