04:08 18 Oktober 2017
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    Nadeschda Sawtschenko

    Ukrainische Pilotin: „Donbass-Chefs und deren Soldaten sind keine Terroristen“

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    Politik
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    Kein Frieden im Donbass (2017) (212)
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    Laut der Abgeordneten der Rada (ukrainisches Parlament), Nadeschda Sawtschenko, gleicht der Kampf gegen die Regierung von Präsident Petro Poroschenko in der Ostukraine den Maidan-Protesten gegen die Janukowitsch-Regierung. Dies sei ihrer Meinung nach aber kein Terrorismus.

    „So wie wir auf dem Maidan der Janukowitsch-Regierung entgegentraten, so kämpfen auch die Jungs der Volksrepubliken Lugansk und Donezk gegen die Regierung von Poroschenko. Und sie sind keine Terroristen“, sagte sie in einem Interview für den ukrainischen Sender Espresso TV.

    Für sie seien auch die Oberhäupter der selbsternannten Volksrepubliken, Sachartschenko und Plotnizki, keine Terroristen, betonte sie. „Man muss in den Militärgesetzen und den Regeln der Kriegführung nachschlagen und nachlesen, was Terrorismus ist. Nein, sie sind freilich keine Terroristen. Es gibt eine ganze Reihe gut definierter Auffassungen darüber, was für Terrorismus gehalten werden muss“, so Sawtschenko.

    In Wirklichkeit gebe es im Donbass jedoch Separatisten, teils Kollaborateure und stellenweise eine Besatzungszone mit „okkupierter Bevölkerung“. Kiew sollte endlich entscheiden, ob es sich im Donbass um eine „Anti-Terror-Operation“ oder um einen Krieg handelt.

    Die Verhandlungen mit den Oberhäuptern der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk, für die Sawtschenko am 7. Dezember in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eingetroffen war, hätten ihrer Meinung nach einen höheren Rang gehabt als die üblichen Treffen der Diplomaten beider Seiten.

    Wie später Igor Plotnizki bekanntgab, sei bei dem Gespräch ein Gefangenenaustausch nach dem Prinzip „alle gegen alle“ vereinbart worden.

    Sawtschenko hatte am 13. Dezember selbst bestätigt, dass sie sich in Minsk mit Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki getroffen hatte, um das Minsker Format „stärker und effektiver zu machen“. In Kiew wurde ihre Initiative jedoch negativ aufgenommen. Viele Politiker und Medien fordern, dass Sawtschenko, die zuvor als Heldin und „Hoffnung (Nadeschda) der Ukraine“ gepriesen wurde, vor Gericht gestellt werden sollte.

    Die ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko hatte 2014 als Mitglied des rechtsextremen Bataillons Aidar gegen die Volksmilizen im Donbass gekämpft. Sie wurde gefangen genommen und von einem russischen Gericht wegen Beihilfe zur Ermordung von zwei russischen Journalisten schuldig gesprochen. Am 25. Mai 2016 wurde die zu 22 Jahren Haft verurteilte Ukrainerin von Russlands Präsident Waldimir Putin begnadigt; sie kehrte noch am selben Tag nach Kiew zurück.

    Sie war noch während ihrer Haft in Russland in Abwesenheit als Abgeordnete der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko in die Oberste Rada, das ukrainische Parlament, gewählt und dann auch als Delegierte des Landes in die Parlamentarische Versammlung des Europarates entsandt worden. Ihre Äußerungen im Parlament und in den Medien haben bereits zu Spannungen mit den Machteliten geführt.

    Im Osten der Ukraine schwelt seit rund zwei Jahren ein militärischer Konflikt. Die ukrainische Regierung hatte im April 2014 Truppen in die östlichen Kohlefördergebiete Donezk und Lugansk geschickt, nachdem diese den nationalistischen Staatsstreich vom Februar in Kiew nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten.

    Bei den Gefechten zwischen dem Kiew-treuen Militär und örtlichen Bürgermilizen sind laut UN-Angaben mehr als 9.500 Menschen ums Leben gekommen. Seit September 2015 gilt in der Region eine Waffenruhe, die jedoch immer wieder verletzt wird.

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    Nadeschda Sawtschenko, Alexander Sachartschenko, Igor Plotnizki, Donbass, Lugansk, Donezk, Ukraine