16:25 15 Dezember 2019
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    Weihnachtsverbot an deutsch-türkischer Schule? Berlin echauffiert, Ankara dementiert

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    Politik
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    Zu dem Verbot in einem deutsch-türkisches Gymnasium in Istanbul, dort das Thema Weihnachten künftig nicht mehr zu behandeln, fordert die Bundesregierung deutschen Medienberichten zufolge nun Konsequenzen. Aber auch die Schulleitung und Ankara melden sich zu Wort– und dementieren.

    „Wir verstehen die überraschende Entscheidung der Leitung des Istanbul Lisesi nicht“, hieß es am Sonntag aus dem Auswärtigen Amt. „Es ist sehr schade, dass die gute Tradition des vorweihnachtlichen interkulturellen Austausches an einer Schule mit langer deutsch-türkischer Tradition in diesem Jahr ausgesetzt wurde.“

    Die Schulleitung verteidigte sich prompt auf ihrer Homepage und bestritt das Verbot: Die derzeit 35 deutschen Lehrer an der Istanbul Lisesi hätten im Unterricht allerdings „vor allem in den letzten Wochen Texte über Weihnachten und das Christentum auf eine Weise behandelt, die nicht im Lehrplan vorgesehen ist“. Sie hätten Aussagen gemacht, die „von außen betrachtet, den Weg für Manipulationen freimachen“, weswegen die Lehrer dazu aufgefordert worden seien, sich sensibler zu verhalten und „Gerüchte nicht zu befördern“.

    Gegenüber „Spiegel Online“ bestätigten einige Lehrer, die aufgrund eines Presse-Verbots nicht namentlich genannt werden wollten, es gebe Anweisungen, auf Weihnachtslieder sowie Adventskalender im Klassenzimmer zu verzichten. Zudem sei die Teilnahme des Lisesi-Schulchors am traditionellen Weihnachtskonzert im deutschen Generalkonsulat in Istanbul am vergangenen Dienstag überraschend abgesagt worden, wofür das deutsche Kollegium die türkische Schulleitung verantwortlich machte.

    Der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im türkischen Parlament, Mustafa Yeneroglu, dementiert dies: Es gebe „weder ein Verbot der Behandlung von Weihnachten im Unterricht noch eine Unterbindung der Teilnahme des Schulchors am traditionellen Weihnachtskonzert im deutschen Generalkonsulat“.

    Aus der Bundesregierung hagelte es trotzdem umgehend Kritik. Der Religionsbeauftragte der Unions-Fraktion im Bundestag, Franz Josef Jung (CDU), bezeichnete den Fall als „vollkommen inakzeptabel“ und forderte, dass die deutschen Lehrer, die ja schließlich aus deutschen Steuermitteln bezahlt würden, „auch die Inhalte des Unterrichts bestimmen“. Das deutsche Kollegium am Gymnasium soll nach Medienberichten zwar eine eigene Abteilungsleitung besitzen, diese unterstehe jedoch der türkischen Schulleitung. 

    Laut CSU-Generalsekretär Andres Scheuer beweist dieser Konflikt erneut, „dass die Erdogan-Türkei alle Brücken nach Europa abreißt“. Weihnachten gehöre „ohne Wenn und Aber“ zu Deutschland sowie zu deutschen Schulen im Ausland. Ein Verbot sei ein Verstoß gegen die Religionsfreiheit, so Scheuer gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

    Das Istanbul Lisesi besuchen vorwiegend türkische Schülern, ist aber gleichzeitig eine anerkannte deutsche Auslandsschule. Sie ist gebührenfrei, aber nur die besten Schüler eines Jahrganges dürfen sie besuchen. Neben dem türkischen Abschluss kann man dort auch das Abitur machen und damit später in Deutschland studieren.

    Zuvor war berichtet worden, dass die türkischen Behörden es deutschen Lehrern der renommierten deutschen Auslandsschule in Istanbul verboten hätten, Weihnachten als Thema zu behandeln. 35 von insgesamt 80 deutschen Lehrern sind im Rahmen eines Kulturabkommens von der Bundesrepublik in die Auslandschule entsandt worden. Das Gehalt der Pädagogen wird aus Steuermitteln bezahlt, jährlich etwa in Höhe einer Million Euro.

    Wie deutsche Medien später berichteten, konnte der Streit um das Thema Weihnachten beigelegt werden. Die deutschen Lehrer können das christliche Fest nun doch im Unterricht behandeln.

    „Nach einer gemeinsamen Sitzung zwischen der türkischen Schulleitung und der Leitung der Deutschen Abteilung kann ich Ihnen mitteilen, dass kein Verbot, ‚Weihnachten‘ im Unterricht zu besprechen, vorliegt“, geht aus einer E-Mail der deutschen Abteilungsleitung an die deutschen Lehrer des Istanbul Lisesi hervor.

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    Tags:
    Verbot, Weihnachten, Schule, Christentum, Mustafa Yeneroglu, Franz Josef Jung, Andreas Scheuer, Ankara, Istanbul, Türkei, Berlin, Deutschland