14:07 10 Dezember 2019
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    Der designierte US-Präsident Donald Trump

    Sechs Mythen zu Trumps Sieg

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    Politik
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    Zum Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl haben sich inzwischen viele Mythen angehäuft. Darauf weisen Experten der russischen Beratungsfirma Minchenko Consulting in ihrem analytischen Bericht hin, der der Agentur RIA Novosti vorliegt.

    Mythos 1: Versagen der Meinungsforscher

    In den ersten Tagen nach Trumps Sieg wurden die Meinungsforscher massiv mit dem Vorwurf konfrontiert, keine richtigen Prognosen geliefert zu haben. Doch nach Ansicht von Minchenko Consulting ist dieser Vorwurf haltlos.

    „Landesweit haben die Umfragen deutlich präzisere Ergebnisse geliefert als bei der Präsidentenwahl 2012. Damals hatte Barack Obama am Wahltag im RCP-Durchschnitt der Umfragen 0,7 Prozent vor seinem Konkurrenten gelegen – und mit einem 3,9-Prozent-Vorsprung gewonnen. Im Jahr 2016 lag Clinton im endgültigen RCP-Durchschnitt um 3,3 Prozent vorn – und gewann die Popular Vote mit einem 2,08-Prozent-Vorsprung. Die Prognose war also durchaus präzise und lag innerhalb der allgemeinen statistischen Fehlerbreite“, so der Bericht.

    Mythos 2: Niedrige Wahlbeteiligung

    Manchen US-Medienberichten zufolge soll Trump dank der niedrigen Wahlbeteiligung die Präsidentschaftswahl gewonnen haben. Doch wie die Analysten jetzt feststellen, gingen im Vergleich zum Jahr 2012 (58,6 Prozent) oder 2000 (55,3 Prozent) diesmal sogar mehr Wähler zur Urne.   

    „Die Analyse von Professor Michael McDonald von der University of Florida zeigte, dass die Wahlbeteiligung bei der Präsidentschaftswahl 2016 mehr als 59 Prozent aller Wahlberechtigten betrug. Das ist mit den Wahlen der letzten Jahrzehnten durchaus vergleichbar“, heißt es in der Analyse.

    Mythos 3: Russische Hacker

    In den USA kursiert zudem die Behauptung, dass das Wahlergebnis von „russischen Hackern“ beeinflusst worden sei. Dies lässt sich jedoch mit Fakten problemlos widerlegen, wie die Analysten betonen.

    Sie schreiben: „Die Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin (ausgerechnet auf diesen US-Bundesstaat hatten die Kritiker in erster Linie hingewiesen) bestätigte praktisch vollständig das ursprüngliche Ergebnis und wies sogar einen größeren Vorsprung für Trump auf (…). Wie es speziell hieß, bestätigte die Neuauszählung, dass es keine Hacker-Eingriffe in das Funktionieren der Wahlmaschinen gegeben hatte.“

    Mythos 4: Trumps Geheimwaffe

    Den CNN-Bericht über Trumps „politische Geheimwaffe“ halten die Analysten für stark übertrieben. Dabei geht es um die in London ansässige Firma Cambridge Analytica (СА), die dem Republikaner bei der effizienten und gezielten Wahlwerbung massiv unterstützt haben soll.

    „Zwar besteht kaum Zweifel daran, dass CA eine wesentliche Rolle bei der Mikrotargeting-Kampagne von Trump spielte (wie einst auch bei der Brexit-Kampagne). Doch diese Firma arbeitete mit Trump nur in den Schlussphasen. Bis Mitte Sommer hatte Trump überhaupt nicht in Mikrotargeting investiert – und konnte trotzdem bei den Vorwahlen Ted Cruz deutlich überholen, obwohl dieser bereits mit CA gearbeitet hatte. Im Rahmen von Clintons Kampagne wurden hingegen seit ihrem Auftakt und bis zum Wahltag wesentliche Mittel in Targeting und Big Data gesteckt, um die einstige Kampgange von Obama in Bezug auf die technische Raffiniertheit zu übertreffen. Das half jedoch nicht“, so die Analyse weiter.

    Mythos 5: Fake-News

    Auch die Behauptung, dass Trump seinen Sieg sogenannten Fake-News und dem Eintritt ins post-faktische Zeitalter wesentlich zu verdanken habe, entspricht nach Ansicht der Analysten nicht der Wahrheit.

    „Es ist schwer, objektiv zu bewerten, welche Rolle die Fake-News bei den Kampagnen der Kandidaten spielten. Es ist aber nicht abzustreiten, dass die beiden Hauptkandidaten periodisch dazu griffen. Ebenso wenig abzustreiten ist auch die Tatsache, dass sich der Wahlkampf 2016 von den früheren Präsidentenwahlen in diesem Sinne nicht unterschied.“

    Mythos 6: Rückschlag für Clinton durch FBI

    Für unbegründet halten die Experten außerdem die These, wonach die Niederlage von Clinton auf den E-Mail-Skandal und die entsprechenden Ermittlungen des FBI zurückgehe. Der Ex-Außenministerin wurde vorgeworfen, wichtige E-Mails über ihren Privatserver verschickt zu haben. Während des Wahlkampfs sorgten insbesondere Äußerungen von FBI-Chef James Comey für Aufsehen.

    In der Analyse von Minchenko Consulting heißt es nun unter anderem: „Am 5. Juli erklärte Comey offiziell, dass das FBI keinen Tatbestand in Clintons Vorgehen gefunden habe (…) Dies nahm keinerlei besonderen Einfluss auf ihre Zustimmungswerte.“

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    US-Präsidentschaftswahl 2016, Donald Trump, Hillary Clinton, USA