20:52 24 Juli 2017
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    Henry Kissinger

    Wie Kissinger Moskau und Washington zu gemeinsamer Sprache verhelfen kann - Politico

    © AFP 2017/ Brendan Smialowski
    Politik
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    Der Ex-US-Außenminister Henry Kissinger kann nach der Amtseinführung von Donald Trump die Vermittlerrolle beim Ankurbeln der Beziehungen zwischen Russland und den USA übernehmen, wie die amerikanische online-Zeitung „Politico“ schreibt. Für den 93-jährigen Außenpolitiker sprächen die enorme Erfahrung und gute persönliche Beziehungen zu Putin.

    Nach Kissingers jüngsten Äußerungen und seinen persönlichen Gesprächen mit Trump zu urteilen, positioniere sich der Ex-Außenminister als passender Vermittler bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington, heißt es in dem Artikel.

    Zudem habe Kissinger seine warmherzigen Beziehungen zu Putin erhalten und sich ebenso wie der künftige Außenminister Rex Tillerson selbst in der Periode kühler bilateraler Beziehungen oft mit ihm getroffen.

    Ex-US-Außenminister: Russland ist Schlüsselelement des globalen Gleichgewichts

    Manche Experten verwundere, was es Gemeinsames zwischen dem „sensiblen intellektuellen“ Kissinger und dem scharfen und direkten Trump geben könne. In Wirklichkeit aber könnte der neue US-Präsident für den Architekten der amerikanisch-sowjetischen Entspannung in den 1970er Jahren gerade jene Möglichkeit werden, seine lang gehegten Pläne zur Annäherung der beiden ehemaligen Kontrahenten des Kalten Krieges umzusetzen, schreibt „Politico“. 

    Kissinger habe sich über eine lange Zeit für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington eingesetzt, meinte er doch, das könne die globale Stabilität fördern. Bei vielen stoße eine derartige Herangehensweise auf Ablehnung, da man der Auffassung sei, die USA müssten auf die Durchsetzung ihrer Werte verzichten, so die Autoren des Artikels. Kissinger, der für seine realistische Einstellung zu Fragen der Weltpolitik bekannt sei, habe jedoch andere Prioritäten. „Er ist Realist. Das Wichtigste sind für ihn die Beibehaltung des Kräftegleichgewichts in der Welt, nicht aber Gespräche über Menschenrechte oder Demokratie“, zitiert „Politico“ den Chef der niederländischen analytischen Cicereo Foundation, Marcel H. Van Herpen.

    Kissinger habe außer zur Schaffung einer multipolaren Weltordnung, in der Russland eine wichtige Rolle spielen werde, ebenso zu einer engeren  Kooperation beider Länder in Syrien aufgerufen, wo die gemeinsamen Bemühungen beider Weltmächte „ein Vorbild für die Konfliktregelung im ganzen Nahen Osten werden könnten“. „Die Ukraine muss so in die europäische und in die Weltgemeinschaft integriert werden, damit dieses Land als Brücke zwischen Russland und dem Westen dient, nicht aber als Vorposten einer Seite“, führt die Zeitung Kissingers Worte an. 

    Neben allem Übrigen könne sich der Veteran des US-Außenministeriums auch seiner guten Beziehungen zu beiden Politikern rühmen. In einem Interview mit dem TV-Sender CBS habe er über seine Eindrücke von Putin gesprochen und ihn einen „Helden aus Dostojewskis Romanen“ genannt. Daraufhin hatte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hervorgehoben, Kissinger sei gut mit der russischen Geschichte und Philosophie vertraut.

    „Er kennt sich tatsächlich gut in den russischen Angelegenheiten aus. Das bedeutet nicht, dass er in allem mit Russland einverstanden ist, Derartiges erwartet auch keiner von ihm, aber zumindest verfügt er über keine oberflächlichen Kenntnisse, sondern über viel tiefere Informationen“, sagte Peskow.

    Was Trump betreffe, so sagte Kissinger in demselben Interview, jener habe die „ausgezeichnete Möglichkeit“, als „sehr würdiger Präsident“ in die Geschichte der Vereinigten Staaten einzugehen.  Dabei habe er die Ernennung von Rex Tillerson zum künftigen US-Außenminister gutgeheißen. Ja mehr noch, wie die Zeitung „Politico“ unter Verweis auf dem Trump-Team nahestehende Quellen behauptet, schätzt Trump die Meinung des ehemaligen Ministers zu außenpolitischen Problemen.

    Henry Kissinger bekleidete in den 1970er Jahren das Amt des Außenministers. Er gehört zu den Mitautoren der Entspannungspolitik in den Beziehungen zur Sowjetunion. Seit einigen Jahrzehnten ist Kissinger einer der einflussreichsten Experten in Fragen der US-Außenpolitik.

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    Tags:
    Donald Trump, Wladimir Putin, Henry Kissinger, USA, Russland
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