08:14 28 März 2017
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    Die Ramstein Air Base der USA in Deutschland

    US-Atombomben in Europa: „Deutsche Führung wagt nicht, diese Frage aufzuwerfen“

    © Flickr/ DoD/Tim Chacon
    Politik
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    Der Verbleib der taktischen US-Atomwaffen in Europa, darunter auch in Deutschland, stößt bei Experten immer wieder auf Kritik. Auch nach Ansicht des russischen Außenministeriums gehören diese Bomben in die „Rumpelkammer der Geschichte“.

    „Seit mehreren Jahrzehnten sind 200 US-amerikanische Flugzeugbomben des Typs B61 in Europa stationiert, um die allgemeine Politik der nuklearen Abschreckung zu demonstrieren“, sagte der Präsident des International Luxembourg Forum on Preventing Nuclear Catastrophe, Wjatscheslaw Kantor, der russischen Agentur Ria Novosti.

    Solche Bomben lagert die US-Armee laut Kantor in Deutschland, Belgien, Italien, der Türkei und den Niederlanden. Wie der Experte erläuterte, gibt es keine internationalen Verträge zur Begrenzung der nichtstrategischen Atomwaffen.

    „Russlands Position bestand immer darin, dass jegliche Gespräche über die Begrenzung der nichtstrategischen Atomwaffen erst beginnen könnten, wenn die USA diese Waffen aus Europa abtransportieren werden. Die beste Lösung wäre aus meiner Sicht, wenn die B61-Bomben, die die Amerikaner modernisieren wollen, aus der Türkei in die USA verlagert werden, anstatt in Europa zu bleiben. Es wäre gut, wenn dies künftig zum Auftakt eines abgestuften Abzugs aller solcher Waffen aus Europa würde“, so Kantor.

    Der belgische Sender RTBF zitierte aus einem Bericht des Stimson Center, der Verbleib dieser Waffen in Europa und insbesondere in der Türkei berge das Risiko in sich, dass sie ins Visier von Terroristen rücken könnten.

    Im Sommer hatten Medienberichte für Aufsehen gesorgt, wonach die USA angesichts ihrer verschlechterten Beziehungen mit der Türkei damit begonnen haben sollen, ihre Atomwaffen vom türkischen Stützpunkt Incirlik nach Rumänien abzutransportieren.

    Indes machten auch die Berichte Schlagzeilen, dass die in Deutschland stationierten US-Atombomben modernisiert werden sollen. Laut Spiegel Online soll die Waffe vom Typ B61-12 ab 2020 in die Serienfertigung gehen und danach auch auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel stationiert werden. Die Luftwaffe bereitet sich nach Informationen des „Spiegel“ bereits auf die Modernisierung der amerikanischen Sprengköpfe vor – intern gibt es erste Pläne für eine technische Anpassung der deutschen Tornado-Jets.

    Sergej Netschajew, Leiter des 3. Europäischen Departements des russischen Außenministeriums, kommentierte für Ria Novosti, die US-Atomwaffen in Deutschland seien ein Überbleibsel des Kalten Krieges: „Sie dienen längst nicht mehr der Erfüllung praktischer Aufgaben und gehören in die Rumpelkammer der Geschichte.“

    Das Problem rücke periodisch ins Visier der deutschen Öffentlichkeit und werde diskutiert. Das jüngste Beispiel sei eben Washingtons Entscheidung gewesen, das Arsenal in Büchel zu modernisieren, so Netschajew.

    „Gegen die Stationierung von US-Atomwaffen in Deutschland setzten sich die Linke, die liberale FDP sowie die neue Partei AfD besonders konsequent ein (…) Diese Position teilen auch viele Vertreter der Regierungsparteien, doch die derzeitige deutsche Führung wagt nicht, diese Frage gegenüber Washington initiativ aufzuwerfen“, sagte Netschajew.

    Generell wirft der Kreml den Vereinigten Staaten vor, ein neues Wettrüsten zu provozieren. „Die Voraussetzungen für ein neues Wettrüsten wurden geschaffen, nachdem die USA aus dem ABM-Vertrag ausgestiegen waren. Das ist offensichtlich“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin bei seiner jüngsten Jahres-Pressekonferenz.

    In einer Beratung mit ranghohen russischen Militärs betonte Putin außerdem: „Man kann mit Sicherheit sagen: Wir sind heute stärker als jeder potenzielle Aggressor.“

    Zum Thema:

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    Tags:
    Atombombe B61-12, Türkei, Russland, Deutschland, USA
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    Alle Kommentare

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      Kiekste
      In Deutschland unter Merkel wird nicht mehr diskutiert. Es gibt hier keine Debatten mehr über irgendein Thema
    • sanpodon
      Wer sagt uns eigentlich, dass diese Bomben nicht über Zündmechanismen verfügen, die direkt von den USA bedient werden können, die vom Depot aus Deutschland und Europa vernichten? Oder ist das etwa eine Frage des Anstands, der Ehre, der Verantwortung? Wer weiß, ob "Bomber Harris" überhaupt noch einmal benötigt wird ...
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      Thomas
      Weil in einer Demokratie die Bevölkerung der Souverän ist, plediere ich dafür, dass die Bevölkerung mit Friedensbewegungen das Teufelszeug vom Acker vertreibt.

      Ohne den Einsatz einer Friedesbewegung wird das bei einer einseitig tauben Bundesregierung nichts.
    • Reichsbürger
      Ich denke der ist doch Experte, was ist den mit den ABC Artellerie Spengköpfen, oder den ABC Minen, und von Uranmunition will ich gar nicht erst sprechen.
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      otto3
      aufzuwerfen oder abzuwerfen ?
    • zivilist
      Die Amis schwätzen immer von Demokratie, aber auch um den Willen der Völker Westeuropas scheren sie sich einen Dreck.
    • Aristoteles
      Richtig SPUTNIK,
      die US-Atomraketen in Deutschland müssen zum Wahlkampfthema 2017 werden.
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      ewdwAntwort anThomas(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Thomas, mein Gott was für Rechtschreibschwächen sich hier offenbaren
      Ein stark PISA Geschädigter schreibt von der Demokratie BRD.
      Und wovon kommt "pledieren"?
      Schon mal was von Plädoyer gehört?
      Nein? - Kein Wunder .... :-)
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      ThomasAntwort anewdw(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      ewdw, ihre Rechtschwächen sind ebend hier im Forum bezeichnend?
      Jeder Kostümiert sich sogut es geht.
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      m.trae
      Zur Wende ging ein Aufschrei durch Deutschland als bekannt wurde das die Sowjetunion Atomwaffen in der DDR stationiert hat. Ich war darüber auch entsetzt. Im Konfliktfall wären wir das Ziel des Gegenschlages geworden. Das jetzt aber immer noch amerikanische Atomwaffen in Deutschland lagern die in einem Krieg eingesetzt werden können ist für mich nicht nachvollziehbar und das auch noch wo niemand weiß in welche Richtung die amerikanische Politik tendiert. Da es das Schlimmste ist mit seinem Nachbarn zerstritten zu leben und vielleicht auch noch Angst haben muss scheint auch kein Thema zu sein. Im Zivilleben wird immer geraten sich friedlich zu einigen als aufzurüsten und mit Steine zu werfen. Solange das alles nicht gleichberechtigt thematisiert wird ist jede Regierung total unglaubwürdig und da hilft auch nicht die Eingrenzung der Flüchtlingszahlen und die Verlängerung des Arbeitslosengeldes.Es geht einfach um mehr. Frau Merkel hat dieses Thema nicht angepackt und Herrn Schulz traue ich das auch nicht zu.
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