13:59 10 Dezember 2019
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    Russische Diplomaten gestalten neuen Trend bei Regelung afghanischer Krise – Experten

    © AFP 2019 / Aref Karimi
    Politik
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    Die Konsultationen der Außenministerien von Russland, Pakistan und China zur Regelung der Lage in Afghanistan, die am Dienstag in Moskau stattgefunden haben, zeugen Expertenmeinungen zufolge von einem neuen Trend bei der Lösung des afghanischen Problems, der von der russischen Seite gestaltet wird.

    In der letzten Zeit würden die außenpolitischen Initiativen Russlands in Richtung Osten immer stärker sichtbar, sagte der russische Zentralasien-Experte Aschdar Kurtow in einem Interview  mit Sputnik Dari.  Vor allem  handle es sich um die dreiseitigen Gespräche von scheinbar „problematischen"  Verbündeten beim Thema der Regelung der Syrien-Krise, Russland, die Türkei und der Iran. Ein weiteres Beispiel seien  die Konsultationen zur Lage  in Afghanistan im Format Russland-China-Pakistan, die am Dienstag stattgefunden haben. Diese Ost-Initiativen Russlands  könnten  die Kräftekonstellation in der Weltarena wesentlich ändern, so der Experte.

    Selbstverständlich sei nicht auszuschließen, dass die Initiativen als solche eine natürliche Fortsetzung der Änderungen seien, die in der US-Außenpolitik wegen der Wahl des neuen Präsidenten an den Tag gelegt würden. Schließlich habe Donald Trump die Politik der Regierung seines Vorgängers Obama sowohl im Mittleren Osten als auch in Afghanistan für untauglich erklärt.

    Russland habe es satt, dass es immer wieder von verschiedenen drei- und  vierseitigen Gesprächen zum Thema Afghanistan ausgeschaltet werde, sagte Kurtow. Eigentlich würde die Veränderung der Situation in den nördlichen Provinzen Afghanistans die Stabilität nicht nur in den Republiken des Zentralasiens, sondern auch in einer Reihe von russischen Regionen direkt gefährden.

    Deshalb habe Moskau habe die Gelegenheit wahrnehmen müssen, die geltenden Verhandlungsformate zu ändern und die diplomatischen Gespräche ins Rollen zu bringen, so der Experte weiter.  Denn im Großen und Ganzen haben die USA trotz aller ihrer Bemühungen, die afghanische Regierung und die Opposition auf den Weg der Verhandlungen zu bringen, keine sichtbaren Erfolge erzielt.  Dabei seien Pakistan, China und Russland zutiefst daran interessiert, die Lage in Afghanistan zu stabilisieren oder wenigstens über den toten Punkt in eine  positiven Richtung hinwegzubringen

    Zwar solle die Teilnahme von Pakistan an diesem Verhandlungsformat ausreichend Fragen und Vorwürfe von Seiten  Afghanistans hervorrufen, das Islamabad für den  wichtigsten Instabilitätsfaktor und Förderer der bewaffneten  Opposition, der afghanischen Taliban, halte.   

    Dennoch gebe es einen Umstand, der für die Teilnahme Pakistans spreche: Im nächsten Jahr solle Pakistan der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) beitreten, in der Russland und China wie bekannt die Hauptrollen spielen. So wäre es sinnvoll anzunehmen, dass Moskau darauf hoffe, angesichts  seiner Führungsrolle in der SOZ Druck auf Pakistan ausüben zu können.

    Der Pakistan-Experte Pjotr Topytschkanow stimmt zu:  das neue Drei-Seiten-Format bei der Regelung des afghanischen Problems sei eine eigenständige Initiative Russlands.  Die beiden anderen Teilnehmer, China und Pakistan seien zwar neben den USA und Afghanistan an den  vierseitigen Verhandlungen beteiligt, seien aber von diesen offensichtlich enttäuscht. Dies sei  während des vierseitigen Treffens in Islamabad im laufenden Jahr deutlich geworden, wo sich die Verhandlungspartner wegen der „merkwürdigen Position" von Kabul eigentlich  über nichts haben verständigen können.

    „Die Ursache dieser Enttäuschung  lag nicht nur darin, dass es schwierig war, sich mit Afghanistan zu verständigen. Sie ist auch auf die Teilnahme der USA zurückzuführen, die unter anderem auch die Position von Kabul beeinflusste.  Und vor diesem Hintergrund ist ein Format mit der Beteiligung Russlands vorteilhafter, aber das Schlüsselglied, Afghanistan, fällt dabei aus", sagte Topytschkanow. 

    Es gebe aber auch andere Momente, die mit dem Russland-China-Pakistan-Format verbunden seien, und zwar die Reaktionen  von Indien und dem Iran, die wie Islamabad auch der SOZ beitreten wollen und bei der Regelung des afghanischen Problems „um eine oder zwei Größenordnungen aktiver" als  dieses mitwirken, insbesondere mit wirtschaftlichen Mitteln, warnte der Experte.

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    Tags:
    Verhandlungen, Regelung, SOZ, Syrien, Türkei, Indien, Iran, USA, China, Pakistan, Afghanistan, Russland