00:50 23 Juni 2018
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    Bild von Shinzo Abe und Wladimir Putin in Japan

    Japans „duale Politik“: Wie Abe zwischen USA und Russland lavieren wird

    © REUTERS / Toru Hanai
    Politik
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    Japan betreibt in seinen Beziehungen zu Russland eine „duale“ Politik, wie eine diplomatische Quelle gegenüber der Agentur Kyodo News mitteilte. Während Tokio Wirtschaftskooperationen mit Moskau anstrebe, wolle es gleichzeitig die antirussischen Sanktionen aufrechterhalte, um der Position der G7 nicht zu widersprechen.

    Mit einer solchen Dualität würden sich aber aus Sicht von Experten weder EU und USA noch Russland zufrieden geben. Alle Seiten werden Japan dazu drängen, sich auf einen konkreten politischen und wirtschaftlichen Kurs festzulegen.

    Russlands Präsident Wladimir Putin und Japams Premier Shinzo Abe (Archivbild)
    © Sputnik / Michael Klimentyev
    Die Sanktionen, mit denen Japan neben anderen westlichen Ländern Russland im März 2014 belegte, waren zwar nicht so sehr spürbar, trübten jedoch die bilateralen Beziehungen zwischen den Ländern. Damals hatte Tokio auch die Gespräche über Visaerleichterungen für Russen eingestellt.

    Trotzdem hat das Russland und Japan offensichtlich nicht daran gehindert, an der Vertiefung ihrer wirtschaftlichen Kooperation zu arbeiten. Das Ergebnis dieser Bemühungen war die Unterzeichnung von 65 verschiedenen Abkommen im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar beim jüngsten Treffen von Putin und Abe. Und das japanische Außenministerium hat inzwischen auch doch Visaerleichterung für russische Bürger angekündigt.

    „Natürlich wird Abe zwischen diesen beiden sich gegenseitig ausschließenden Richtungen lavieren müssen“, sagt Wladimir Griwnjuk vom russischen Zentrum für Japan-Studien. Einerseits sei Abe entschlossen, das Verhältnis zu Russland weiterzuentwickeln, andererseits sei Japan mit den USA verbündet und Mitglied der G7.

    „Ich glaube, dass Abe die japanischen Sanktionen notfalls zu einer reinen Formalität machen wird, aber auf eine Weise, die den USA und Europa gefällt“, so der Experte weiter. Abes Hauptziel sei ein Friedensabkommen mit Russland und die Rückgabe der Kurilen-Inseln. Und genau dieses Hauptziel liege Japans Wunsch nach besonderen Beziehungen zu Russland zugrunde.

    Abe wird diese „besonderen Umstände“, die mit der Hoffnung auf ein Friedensabkommen mit Moskau verbunden sind, möglicherweise auch auf dem G7-Gifel Ende Mai in Italien begründen. Dort soll wahrscheinlich die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland erörtert werden. Andererseits wird das vielleicht auch nicht mehr notwendig, da bis dahin eine Reihe bedeutender Ereignisse stattfinden könnte.

    Erstens tritt Donald Trump am 20. Januar offiziell das Amt des US-Präsidenten an. Manchen Medienberichten zufolge könnte Trump auf Rat des ehemaligen US-Außenministers und Alt-Diplomaten Henry Kissinger hin die Sanktionen gegen Russland aufheben. Zweitens will der italienische Präsident Sergio Mattarella im Frühjahr 2017 Russland besuchen, was kaum als reine Formalität gesehen werden dürfte. Auch Abe will Medienberichten zufolge Anfang 2017 nach Russland reisen, um Gespräche zum Friedenvertrag fortzusetzen.

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    Tags:
    Beziehungen, Zusammenarbeit, Sanktionen, G7, Sergio Mattarella, Shinzo Abe, Europa, Japan, USA, Russland
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