23:42 16 August 2018
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    Epochenwechsel in Weltpolitik: „Das Jahr der großen Wende“

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    Politik
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    Das scheidende Jahr zieht international einen Schlussstrich unter eine Epoche. Der Versuch, die aus dem Kalten Krieg überlieferten Institutionen zu nutzen, um eine US-zentrische Welt zu gestalten, ist gescheitert. Die Verhältnisse sind nun anders, neue Formen erforderlich, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow betont.

    In einem Gastbeitrag für die russische Zeitschrift „Ogonjok“ schreibt Lukjanow, das scheidende Jahr könne als „Jahr der großen Wende“ in der globalen Politik bezeichnet werden.

    Was Donald Trump anstrebe, sei offenbar das Amerika aus der Epoche von Dwight Eisenhower: „Jenes Land soll stark genug gewesen sein, um seine Interessen, seine Freunde und seine Lebensweise zu verteidigen, aber auch klug genug, um den anderen nicht seine Regeln aufzuzwingen und alle um sich herum nicht zu belehren. Eine Gesellschaft, die für ihr eigenes Wohl arbeitet, aber noch nicht mit dem Bazillus der Political Correctness und der heuchlerischen Erhebung der Minderheiten angesteckt ist.“

    „In solch einem Amerika will Trump leben – ebenso wie ein wesentlicher Teil der US-Gesellschaft, wie Umfragen zeigen. Es bleibt allerdings die Frage offen, ob ein solches Amerika in Wirklichkeit existiert hatte und sich nun im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wiederaufbauen lässt. Die Antwort ist wahrscheinlich negativ. Doch es geht nicht um politische Programme und Strategien, sondern um Stimmungen der Wähler, und zwar nicht nur in den USA“, so Lukjanow.   

    Er erläutert: „Die als ‚Populisten‘ bezeichneten politischen Kräfte (diejenigen also, die der regierenden Klasse nicht gefallen, aber zu deren Erstaunen immer öfter Wahlerfolge erzielen) spüren Veränderungen in der Haltung der Gesellschaft und instrumentalisieren sie gegen das Establishment.“

    „Das Jahr 2016 zog einen Schlussstrich unter die Epoche, die nach dem Kalten Krieg eingekehrt war und der Welt eine neue Ordnung gebracht haben soll. Im Rückblick kann man allerdings sagen, dass statt einer neuen Ordnung der Versuch unternommen wurde, die westlichen Institutionen, die den Kalten Krieg und die bipolare Konfrontation bedient hatten, im Sinne einer ‚amerikanischen Welt‘ umzudrehen. Das hat nicht geklappt, denn die Verhältnisse weltweit sind inzwischen qualitativ anders und erfordern neue Formen.“ 

    Was konkret komme, sei noch unklar. Was jetzt geschehe, ähnele vorerst einer zunehmenden Welle der Souveränisierung und des Verzichts auf jenen globalen Universalismus, der seit Ende der 1980er Jahre geherrscht habe (obwohl die allgemeine gegenseitige Abhängigkeit bleibe): „Die Kräfte, die das Establishment bedrängen, sind zwar (bestenfalls) fähig, die Krankheit zu diagnostizieren, aber nicht in der Lage, Methoden zur Behandlung zu formulieren.“

    Sputnik-Umfrage: Politiker des Jahres 2016

    „In der Weltpolitik scheint ein Zeitalter zu kommen, in dem die Nachfrage nicht nach Chimären und Ambitionen zunehmen wird, sondern nach Hausarbeit, die allen ohne Ausnahme bevorsteht. Die vor 25 Jahren entstandenen Illusionen von einer neuen Welt haben sich aufgelöst. Die alte Welt ist nicht mehr zurückzubringen. Um eine künftige aufzubauen, muss man mit sich selbst anfangen“, schreibt Lukjanow abschließend.

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    Tags:
    Fjodor Lukjanow, Dwight Eisenhower, Donald Trump, Russland, USA
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