08:34 21 Februar 2017
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    Kurdische Milizen im Kampf gegen das Terrornetzwerk Daesh (Archiv)

    Mit Kurden keine Absprache zu Waffenruhe und keine Einladung nach Astana PYD-Chef

    © AFP 2016/ Delil Souleiman
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    Eine Lösung für Syrien? (2017) (140)
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    Der Co-Vorsitzende der in Nordsyrien einflussreichen kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) Salih Müslim hat in einem Exklusiv-Interview mit der Agentur Sputnik die Waffenruhe und die bevorstehenden Gespräche zur Syrien-Regelung in Astana kommentiert.

    Mit der PYD habe niemand die in Syrien jetzt in Kraft getretene Waffenruhe erörtert, sagte Müslim. Zudem existierten noch die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die an den Kampfhandlungen teilnehmen würden und nicht von dieser Waffenruhe erfasst seien. Auch mit ihnen sei nicht über die Waffenruhe gesprochen worden.

    „Das möglicherweise deshalb, weil sich die Seiten, die die Waffenruhe vereinbart haben, nicht im Kriegszustand mit der SDF befinden. Die Waffenruhe wurde zwischen zwei Seiten – zwischen Russland und der Türkei – ausgehandelt. Jene Kräfte, die miteinander gekämpft und eine Waffenruhe geschlossen haben, sind mit anderen Akteuren verbunden – mit der Türkei oder mit Russland. Die Demokratischen Kräfte Syriens aber haben weder zu Russland noch zur Türkei ein Verhältnis. Das wird wohl der Grund gewesen sein, dass ihnen nicht angeboten wurde, sich der Waffenruhe anzuschließen“, meinte der PYD-Co-Vorsitzende.

    Neue Waffenruhe wird kaum erfolgreich sein

    Müslim glaubt nicht daran, dass die im Rahmen der erzielten Waffenruhe gestellten Aufgaben erreicht werden, da sich ihr viele Gruppierungen nicht angeschlossen hätten. Solche wie Dschabhat Fateh al-Sham, die Harakat Nour al-Din al-Zenki und Ahrar al-Sham haben ihm zufolge die Waffenruhe-Vereinbarung nicht unterzeichnet und sich demnach ihr auch nicht angeschlossen. „Die Waffenruhe werden jene Kräfte befolgen“, sagt er, „die mit der Türkei verbunden sind. Jene Gruppierungen, die sich den Anweisungen der Türkei nicht fügen, werden auch die Waffenruhe nicht anerkennen. Im Ergebnis wird klar werden, wer gemeinsam mit der Türkei  handelt, und wer nicht.“

    Freie Syrische Armee unterstützt Waffenruhe

    Die Freie Syrische Armee (FSA) sei ebenfalls mit der Türkei verbunden, so Müslim. Die türkischen Behörden hätten den Abschluss der Waffenruhe als notwendigen Schritt betrachtet, und so hätte dem eben auch die FSA zugestimmt, halte sie sich doch an die Anweisungen und Forderungen aus der Türkei. Und Ankara habe dem zugestimmt, weil es sich in einer ausweglosen Lage befinde.

    Warum USA, Katar und Saudi-Arabien diesen Prozess nicht unterstützen

    Alle in Syrien seien heute für eine Waffenruhe, für ein Ende des Blutvergießens, damit das Leben in seine normale Bahn zurückkehre. Doch eine jede in Syrien kämpfende Kraft verfolge ihre eigenen Ziele, manchen aber widerstrebe das, weil ihnen nicht an einer Einstellung des Konflikts in Syrien liege. Eben „weil in Syrien ernsthafte Partien gespielt werden. Saudi-Arabien und Katar verfolgen jetzt aufmerksam die Waffenruhe, sie wollen deren erste Ergebnisse sehen“, schlussfolgert Müslim.

    Hat die Türkei Aleppo „verkauft“?

    Der PYD-Co-Vorsitzende verneinte das entschieden. Aleppo gehöre nicht der Türkei, als dass sie die Stadt verkaufen könnte. Die Türkei habe die FSA, ihre Bündnispartner verraten. Ihr sei klar geworden, dass sie noch größere Verluste erleiden könnte, und so habe sie der FSA in Aleppo ihre Unterstützung entzogen.

    PYD ist nicht zu Syrien-Gesprächen eingeladen

    Wie Müslim abschließend sagte, hat die kurdische Partei der Demokratischen Union bislang von niemandem eine Einladung zur Teilnahme an den Syrien-Gesprächen in der Hauptstadt Kasachstans Astana erhalten.

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    Kurden, Kurdenpartei PYD, Demokratische Kräfte Syriens (SDF), Türkei, Syrien
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    Alle Kommentare

    • avatar
      A7P3R
      Alles leere Worte um sich wichtig zu machen. Die SDF/PYD/PKK sind bzw. waren die Hauptdestabilisierungsakteure, welche benutzt und bewaffnet wurden von NATO, CIA, BND und Mossad. Der IS diente nur als Mittel zu diesem Zweck.
    • Isnogud
      Das dürfte daran liegen, daß die tapferen Kurden von Erdogan als Terroristen angesehen werden und diejenigen, die in Ost-Alleppo Gräueltaten begangen haben jedoch nicht. Bis Astana wird sich zeigen, wer sich von den "moderaten" durch Bruch des Waffenstillstands noch zu den Terroristen gesellt. Nur wer die Waffenruhe einhält, wird am Verhandlungstisch tatsächlich platznehmen und es spricht außer Erdogan nichts dagegen, daß es nicht auch Vertreter der PYD sein können.
    • avatar
      Thomas
      USA, Katar und Saudi-Arabien mit ihren anderen Verbündeten der NATO- Staaten, haben nicht die Interessen, solange sich Profit aus dem Konflikt schlagen läßt (Verknappung der Rohstoffaufkommens auf dem Markt mit rentablerer Preishöhe), oder die absolute Kontrolle an der geostrategischen Lage in Aussicht sein kann.

      Syrien und die Türkei sind dort geostrategisch an den wichtigsten Stellen, wo sich noch rentable Pipelines (Mittelmeerringleitung/Erschließung Persischer Golf) bauen ließen.

      Solche Kriege haben ökonomische Hintergründe.
    • blue lable
      Eine Absprache mit Erdogan auf Kosten der Kurden und Golfaraber wird sich noch als der größte strategische Fehler Russlands im Nahen Osten erweisen. Wobei man bedenken muss, dass der Iran auf der Hut sein wird sobald Erdogan's Türkei mit am Tisch sitzt und mitbestimmen möchte.

      Russland sollte die Furcht der Araber vor einer neuen Knechtschaft der Türken verstehen. Die faschistischen Züge der türkischen Regierung die den sunnitischen Islam nur für ihre Zwecke instrumentalisiert ist für jeden Araber in Betracht der Verwüstung kurdischer Dörfer von der türkischen Armee sichtbar.

      So charismatisch Putins Russland auch ist, so herrscht dem gegenüber ein großes Misstrauen im Iran, bei den Shiiten sowie den Kurden. Und so unrealistisch den russischen Think Tanks eine Allianz zwischen Iran und Saudi Arabien erscheint, so ist dies nur eine politische Entscheidung die über Nacht in Riad und Teheran getroffen werden muss. Siehe Link, erste Anzeichen dieser Annäherung sind sichtbar.

      orf.at/stories/2373142

      Russland sollte einer Türkei die seit 2011 an der Zerstörung und Ausbeutung Syriens beteiligt war und zudem alle Schlachten verloren hat und in der Ecke gedrängt wurde keinerlei Bühne bieten um sich zu inszenieren. Viel mehr sollte es als neutralen Verhandler der Araber auf Ägypten setzten. Sogar auf ägyptische Truppen als Schutzmacht der sunnitischen Araber um die "Rebellen" in Syrien zu entwaffnen.

      Auf die Türken zu setzen um Araber zu befrieden zeugt nur mehr von nicht vorhandener Kenntnis über die Verhältnisse im Nahen Osten.
    • avatar
      Claus
      Es wäre ja nicht das erste mal, dass die Kurden ihren Kopf hinhalten und ihnen am Ende wieder der vor Jahrzenten in Aussicht gestellte kurdische Staat verwehrt bleibt.

      de.wikipedia.org/wiki/Kurden#20._Jahrhundert
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