23:55 26 September 2017
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    Kurdische Milizen im Kampf gegen das Terrornetzwerk Daesh (Archiv)

    Mit Kurden keine Absprache zu Waffenruhe und keine Einladung nach Astana – PYD-Chef

    © AFP 2017/ Delil Souleiman
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    Eine Lösung für Syrien? (2017) (230)
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    Der Co-Vorsitzende der in Nordsyrien einflussreichen kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) Salih Müslim hat in einem Exklusiv-Interview mit der Agentur Sputnik die Waffenruhe und die bevorstehenden Gespräche zur Syrien-Regelung in Astana kommentiert.

    Mit der PYD habe niemand die in Syrien jetzt in Kraft getretene Waffenruhe erörtert, sagte Müslim. Zudem existierten noch die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die an den Kampfhandlungen teilnehmen würden und nicht von dieser Waffenruhe erfasst seien. Auch mit ihnen sei nicht über die Waffenruhe gesprochen worden.

    „Das möglicherweise deshalb, weil sich die Seiten, die die Waffenruhe vereinbart haben, nicht im Kriegszustand mit der SDF befinden. Die Waffenruhe wurde zwischen zwei Seiten – zwischen Russland und der Türkei – ausgehandelt. Jene Kräfte, die miteinander gekämpft und eine Waffenruhe geschlossen haben, sind mit anderen Akteuren verbunden – mit der Türkei oder mit Russland. Die Demokratischen Kräfte Syriens aber haben weder zu Russland noch zur Türkei ein Verhältnis. Das wird wohl der Grund gewesen sein, dass ihnen nicht angeboten wurde, sich der Waffenruhe anzuschließen“, meinte der PYD-Co-Vorsitzende.

    Neue Waffenruhe wird kaum erfolgreich sein

    Müslim glaubt nicht daran, dass die im Rahmen der erzielten Waffenruhe gestellten Aufgaben erreicht werden, da sich ihr viele Gruppierungen nicht angeschlossen hätten. Solche wie Dschabhat Fateh al-Sham, die Harakat Nour al-Din al-Zenki und Ahrar al-Sham haben ihm zufolge die Waffenruhe-Vereinbarung nicht unterzeichnet und sich demnach ihr auch nicht angeschlossen. „Die Waffenruhe werden jene Kräfte befolgen“, sagt er, „die mit der Türkei verbunden sind. Jene Gruppierungen, die sich den Anweisungen der Türkei nicht fügen, werden auch die Waffenruhe nicht anerkennen. Im Ergebnis wird klar werden, wer gemeinsam mit der Türkei  handelt, und wer nicht.“

    Freie Syrische Armee unterstützt Waffenruhe

    Die Freie Syrische Armee (FSA) sei ebenfalls mit der Türkei verbunden, so Müslim. Die türkischen Behörden hätten den Abschluss der Waffenruhe als notwendigen Schritt betrachtet, und so hätte dem eben auch die FSA zugestimmt, halte sie sich doch an die Anweisungen und Forderungen aus der Türkei. Und Ankara habe dem zugestimmt, weil es sich in einer ausweglosen Lage befinde.

    Warum USA, Katar und Saudi-Arabien diesen Prozess nicht unterstützen

    Alle in Syrien seien heute für eine Waffenruhe, für ein Ende des Blutvergießens, damit das Leben in seine normale Bahn zurückkehre. Doch eine jede in Syrien kämpfende Kraft verfolge ihre eigenen Ziele, manchen aber widerstrebe das, weil ihnen nicht an einer Einstellung des Konflikts in Syrien liege. Eben „weil in Syrien ernsthafte Partien gespielt werden. Saudi-Arabien und Katar verfolgen jetzt aufmerksam die Waffenruhe, sie wollen deren erste Ergebnisse sehen“, schlussfolgert Müslim.

    Hat die Türkei Aleppo „verkauft“?

    Der PYD-Co-Vorsitzende verneinte das entschieden. Aleppo gehöre nicht der Türkei, als dass sie die Stadt verkaufen könnte. Die Türkei habe die FSA, ihre Bündnispartner verraten. Ihr sei klar geworden, dass sie noch größere Verluste erleiden könnte, und so habe sie der FSA in Aleppo ihre Unterstützung entzogen.

    PYD ist nicht zu Syrien-Gesprächen eingeladen

    Wie Müslim abschließend sagte, hat die kurdische Partei der Demokratischen Union bislang von niemandem eine Einladung zur Teilnahme an den Syrien-Gesprächen in der Hauptstadt Kasachstans Astana erhalten.

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    Tags:
    Kurden, Kurdenpartei PYD, Demokratische Kräfte Syriens (SDF), Türkei, Syrien
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