02:30 12 Dezember 2019
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    Schulz out, Gabriel in: Gerüchte um Kanzlerkandidaten – „SPD muss Profil gewinnen“

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    Martin Schulz, gerade erst aus dem EU-Parlament zurückgekehrt, möchte wohl nicht als Kanzlerkandidat für die SPD ins Rennen gehen. Aber war er überhaupt eine Option oder wurde bloß in den Medien darüber spekuliert? Prof. Dr. Nils Diederich von der FU Berlin sieht keinen echten Gegenkandidaten für Gabriel.

    Zum Jahreswechsel hin hat die Debatte um den nächsten SPD-Kanzlerkandidaten noch einmal Auftrieb bekommen. Mit verlässlichen Aussagen darf man wohl erst im Januar rechnen, doch die Gerüchteküche brodelt munter vor sich hin. Als möglicher Kandidat wurde auch Martin Schulz gehandelt, der erst kürzlich seinen Posten im Europaparlament gegen die Bundespolitik eingetauscht hat. Dieser soll nun gegenüber Parteigenossen geäußert haben, für ihn komme eine Kandidatur für den Kanzlerposten nicht in Frage.

    “Es ist von der Presse hochgespielt worden, weil Schulz sich entschlossen hat, nicht mehr für das Europa-Parlament, sondern für den Bundestag zu kandidieren. Ich denke, dass er vorhat, da eine herausragende Rolle zu spielen. Ich denke aber auch, dass er sich ausrechnet, dass eine Kanzlerkandidatur jetzt auf Anhieb eine sehr ungemütliche Angelegenheit wird“, kommentiert Prof. Dr. Nils Diederich von der Freien Universität Berlin.

    Von einem Kanzlerkandidaten Martin Schulz wäre er ohnehin nicht überzeugt, so der Politologe im Sputnik-Gespräch mit Ilona Pfeffer. Schulz habe zwar eine herausragende Rolle in Europa gespielt, in der Bundespolitik sei er aber ein unbeschriebenes Blatt und müsse sich in der Praxis erstmal bewähren. 

    „Es gibt die Spekulation Olaf Scholz, Martin Schulz und es gibt mit ziemlicher Sicherheit Sigmar Gabriel als Kandidaten. Nun hat Schulz gesagt er will nicht. Ich vermute mal, dass auch Olaf Scholz lieber regierender Bürgermeister in Hamburg bleiben wird, als als aussichtsloser Kanzlerkandidat anzutreten“, meint der Experte.

    Für 2017 und insbesondere im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl sieht Diederich die Zukunft der Sozialdemokraten eher pessimistisch.

    „Im Moment ist die CDU alternativlos, weil die Sozialdemokraten als eigentlich stärkste Oppositionspartei noch nicht das Profil gewonnen haben, was notwendig wäre, um als eine echte Alternative dazustehen.“

    Die SPD müsse klar machen, dass die Zeit der Großen Koalition vorbei sei und sich für eine Politik der linken Mitte stark machen. Thematisch sei es ratsam, dass die Sozialdemokraten sich wieder mehr für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

    „Die Umverteilung des Volksvermögens von unten nach oben ist kräftig im Gange. Hier müsste die SPD ansetzen, um zu zeigen, dass sie in der Lage und willens ist, für eine bessere Verteilung des Reichtums in unserer Gesellschaft zu sorgen.“

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    SPD, Martin Schulz, Deutschland