11:59 17 Januar 2017
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    US-Soldaten in Syrien

    USA nutzen Anti-IS-Kampf zum Verschleiern ihrer wahren Ziele Experte

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    Politik
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    Eine Lösung für Syrien? (2017) (74)
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    Der Politologe und Mitarbeiter des Zentrums für strategische Studien des Nahen Ostens Oytun Orhan hat in einem Interview mit Sputnik Türkei die Aussage des türkischen Präsidenten Erdogan über die Unterstützung der Teroristen in Syrien durch die USA kommentiert.

    „Bei den Zusammenstößen  zwischen  den kurdischen Volksverteidigungseinheiten und dem IS unterstützen die USA  die kurdischen Kräfte sehr aktiv.  Diesen wird  mit Waffen geholfen, und US-Spezialeinheiten nehmen an den  Bodenoperationen direkt teil. Es handelt sich also um eine enge  großangelegte Zusammenarbeit", sagte der Experte.

    Dabei hätten die USA die syrische Opposition in ihrem Kampf gegen den IS entweder  überhaupt nicht unterstützt oder ihre Luftoperationen nur vorgetäuscht. 

    Vor diesem Hintergrund sei die Türkei zu der Schlussfolgerung gekommen, die USA würden  den Anti-IS-Kampf zum Erreichen ihres eigenes Ziels instrumentalisieren, und zwar wollen sie im Norden Syriens eine Region unter ihre Kontrolle bringen, indem sie die kurdischen Kräfte unterstützten und  ihre Stellungen verstärkten, sagte Orhan.

    Die Türkei  sei sehr ernsthaft über den Beistand besorgt, den die USA der syrischen kurdischen Partei der demokratischen Union (PYD) erwiesen, die Ankara  als eine Terrororganisation und syrische Ableitung der verbotenen PKK einstufe.  „Dieser Beistand wird  nicht geheim oder indirekt, sondern direkt und offen geleistet, was wiederum einen Nährboden für die Vertiefung der bestehenden Krise in den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA schafft", so der Experte.

    Die USA hätten  seit  langem schon keinen Einfluss auf die Suche  einer politischen Lösung des syrischen Problems gehabt und die Initiative nicht ergriffen. „Zurzeit ist das von den  kurdischen Volksverteidigungseinheiten kontrollierte Gebiet östlich  von Euphrat der einzige Ort, wo die Amerikaner noch einen Einfluss haben", betonte er. 

    Im Rahmen des neuen Prozesses in Syrien würden  die USA sich bemühen, diese von ihnen gebildete Einflusszone  zu verteidigen. Inzwischen  hätten die Türkei, Russland,  der Iran und die syrische Regierung eine gemeinsame Position bei der Frage  der territorialen  Integrität demonstriert. Eigentlich sei dies eine gemeinsame Position  gegen die Politik der USA  und des Westens, die die territoriale Integrität Syriens unterminiere. In  Zukunft  seien  also Spannungen  zwischen den Verhandlungsparteien in Moskau und Ankara einerseits und den Volksverteidigungseinheiten  und den USA andererseits möglich. „Das Zusammenwirken der USA und der Volksverteidigungseinheiten ist ein Faktor, der die territoriale Integrität Syriens gefährdet", sagte Orhan.

    Dem Syrien-Gipfel, der im Januar  in der kasachischen Hauptstadt Astana stattfinden soll, sieht der Experte eher  optimistisch entgegen: Am vielversprechendsten sei, dass sich die einflussreichsten  Akteure der syrischen Krise an den Verhandlungstisch setzen werden. Russland und der Iran würden einen direkten Einfluss auf die syrische Staatsführung ausüben. Andererseits habe die Türkei einen großen Einfluss auf die Opposition. Gleichzeitig grenze sie an die Provinz Idlib, wo die Opposition am einflussreichsten sei und das größte Gebiet unter ihrer Kontrolle habe. Die Ereignisse in Idlib beträfen die Türkei  also ganz unmittelbar, hob Orhan hervor.

    „Bei einer solchen Situation  kann man die Vereinbarungen zwischen den Außenakteuren über die Gewährleistung der Waffenruhe als vielversprechend bezeichnen.  Das bedeutet natürlich nicht, dass die syrische Krise sofort enden wird und die Zusammenstöße aufhören werden. Mindestens  könne die Rede aber von einer Verständigung der einflussreichen  Außenakteure, einem weiteren  Waffenstillstand und  einem weiteren Heranrücken der Lösung des syrischen Konflikts sein durch den Kampf gegen die Elemente, die von allen Seiten als eine gemeinsame Gefährdung gesehen werden".

    Sollten sich die syrische Staatsführung  und die Opposition  in Astana bei der Suche einer  politischen Lösung  des Konfliktes verständigen können, dann würde es wahrscheinlich möglich sein, dass alle bewaffneten Gruppierungen, darunter auch  die kurdischen Volksverteidigungseinheiten, ihre Waffen niederlegen und die syrische Regierung  der  Opposition einige Freiheiten im politischen Bereich gewähren würde. Sollten die Volksverteidigungseinheiten darauf  nicht eingehen, könne ein Konflikt zwischen der Regierung Syriens und den Kurden ausbrechen. 

    „Die syrische Staatsführung wird in die Gebiete zurückkehren wollen, die  jetzt von der Partei der Demokratischen Union kontrolliert werden. Russland, der Iran und die Türkei werden wahrscheinlich keine besonderen Einwände dagegen haben. Sollte also die syrische Regierung diese Gebiete zurückbekommen, können Spannungen nicht unmittelbar in den Beziehungen zwischen den USA und Russland beziehungsweise der Türkei, sondern in den Beziehungen zwischen den kurdischen Kräften und der syrischen Regierung entstehen", sagte Orhan abschließend. 

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    Tags:
    Unterstützung, IS-Terroristen, Terrormiliz Daesh, syrisch-kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG), Kurdenpartei PYD, Iran, Russland, Türkei, Syrien, USA
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    Alle Kommentare

    • A7P3R
      100% Zustimmung. Man darf die "Kurden" nicht als gesamtes Volk betrachten, gibt es doch gravierende Unterschiede, politisch wie ideologisch. Die PKK/KCK fungiert als Dachverband für Organisationen wie SDF/PYD/etc.
      und nur weil sie Wörter wie "Demokratie/demokratisch" im Namen verwendet, heißt das noch lange nichts, alles Augenwischerei.
      Was mir persönlich immer auffällt, es ist nie die Rede von den Briten, sie sind die treibende Kraft hinter allem, was im nahen Osten geschieht.
    • hvatzigen
      Hatten denn die USA der Westen in Nahost
      je ein klares abgerundetes Konzept?
      Ausser diffusem Herumwursteln war da nix.
      Die Gegenallianz hat wenigstens das Ziel,
      das Chaos irgendwie zu beenden, heisst
      den früheren Zustand wiederherzustellen.
      Ob das gelingt ist offen.
      Die Westallianz ist einfach sauer weil
      die so gut wie nix gescheites zustande gebracht hat.
      Ist eben so wer nix gescheites zustande bringt,
      blöckt wild und diffus durch die Gegend.
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