21:07 21 Oktober 2018
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    Neues Jahr in Berlin

    Und tschüss 2016 - endlich. Doch was bringt das neue Jahr?

    © Sputnik / Igor Sarembo
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Das Jahr 2016 hat nicht viele Fans... und das ist noch untertrieben. Blicken wir zurück, sind es häufig negative Erlebnisse, die vielen Menschen hierzulande in Erinnerung geblieben sind. Doch warum ist das so? Schließlich war in 2016 ja nicht alles grundsätzlich schlecht. Dennoch bleibt am Ende ein mulmiges Gefühl und die Frage: Was kommt nun?

    Zuerst einmal muss man wohl festhalten: Das Jahr 2016 ging rasend schnell vorüber. Das zumindest ist vielerorts die aktuelle Wahrnehmung. Zum Glück, muss man da vielleicht sagen. Denn zeitweise hatte man das Gefühl, dieses Jahr war für all die Meldungen über Terror, Tod und Unglück einfach viel zu klein. Natürlich gab es auch Gutes in den vergangenen Monaten zu berichten, doch dazu später mehr.

    In unserer Erinnerung scheint sich 2016 überwiegend auf Schreckensmeldungen zu beschränken. Angefangen mit den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht zieht sich ein gewisser roter Faden bis zum Ende des Jahres. Ich möchte Sie an dieser Stelle mit einem detaillierten Jahresrückblick verschonen – dies wurde in Funk und Fernsehen bereits zu Genüge getan – dennoch sind einige Punkte gesondert hervorzuheben… denn sie haben sich besonders in die allgemeine Aufmerksamkeit gebrannt.

    Im Juli greift ein 17-jähriger Islamist mit einer Axt bewaffnet die Fahrgäste eines Regionalzugs in Würzburg an, fünf Touristen werden verletzt. Im gleichen Monat versucht ein junger Mann auf einem Musikfestival in Ansbach eine Bombe zu zünden, es ist das erste islamistische Selbstmord-Attentat in Deutschland, 15 Besucher werden verletzt. Schließlich im Dezember nun der Anschlag mit einem LKW auf den Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem zwölf Menschen sterben, es gibt mehr als 50 Verletzte.

    Hinzu kommen Ereignisse, die ebenso schrecklich waren und deshalb in unserem Gedächtnis hängen geblieben sind: Im Februar sterben bei einem schweren Zugunglück in Bad Aibling zwölf Menschen. Im Juli dann ein Amoklauf in München, zehn Menschen kommen dabei ums Leben, darunter der Attentäter selbst.

    Wohl gemerkt: All dies passierte nur in Deutschland.

    Die Attentate in Brüssel und Nizza, die zahlreichen Bombenanschläge in der Türkei, der Amoklauf in Orlando — auch sie sind nicht vergessen. Hinzu kommen ein stetig schwelender Konflikt in der Ukraine und der Krieg in Syrien, dessen Auswirkungen auch hierzulande zu spüren sind.

    Unsichere Zeiten, die sich auch in der Politik widerspiegeln. Die AfD schafft bei den vergangenen Landtagswahlen den Einzug in gleich mehrere Landtage. Die Briten stimmen mit einer knappen Mehrheit für den Brexit und verlassen die EU. In den USA gewinnt der Republikaner und vorherige Außenseiter Donald Trump die Präsidentschaftswahlen und in Österreich verliert der FPÖ-Politiker Hofer nur sehr knapp gegen den Grünen Präsidentschaftskandidaten Van der Bellen.

    Wenn Politik und Gesellschaft so starken Schwankungen ausgesetzt sind, neigt man häufig dazu, die Nachrichten einfach Nachrichten sein zu lassen, zu einem guten Buch zu greifen, vielleicht etwas Musik aufzulegen, oder einen amüsanten Film anzuschauen. Doch auch in der Welt der Stars und Sternchen wurden wir in diesem Jahr mit dunklen Meldungen überhäuft. Die Todesanzeigen haben sich geradezu überschlagen. Ob Götz George oder Manfred Krug, David Bowie und Prince, Hans-Dietrich Genscher und Roger Willemsen, Bud Spencer oder Peter Lustig – sie und viele mehr sind 2016 viel zu früh gegangen und haben eine gewisse Leere bis in unsere Wohnzimmer getragen. Auch dies hat sich in unserer Wahrnehmung fest verankert.

    Aber gab es nicht auch positive Momente?

    Natürlich. Diese lagen – zumindest was die Nachrichtenlage anging – meist im Bereich Sport. Die Fußball EM in Frankreich hat uns viele spannende und auch fröhliche Momente beschert – auch wenn es am Ende nicht zum Meistertitel gereicht hat. Bereits zuvor krönten die deutschen Handballer ihren Auftritt bei der Handball EM mit Gold. Angelique Kerber gewann im September die US Open im Tennis und erkämpfte sich somit den Platz Eins in der Weltrangliste. Und im November wurde Nico Rosberg zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister.

    Werden wir später einmal an das Jahr 2016 zurückdenken, werden uns diese Ereignisse aber wahrscheinlich nicht als erstes einfallen. Die Verunsicherung im Land scheint groß. Oder wollen uns die Medien dies nur glauben machen? Ein Blick auf die Statistiken von Polizei und Behörden spricht allerdings Bände. Während zwar immer weniger Flüchtlinge in Deutschland ankommen, steigen die Straftaten durch rechte Gewalt enorm an. Täglich greifen Rechtsextremisten Flüchtlingsheime, Politiker und Helfer an. Das Bundeskriminalamt warnt vor neuen Terrorgruppen mit rechtem Hintergrund. Erinnerungen an den NSU werden wach, deren Straftaten bis heute nicht komplett aufgeklärt sind.

    Wird das Jahr 2017 nun eine Wende bringen?

    Die Expertenmeinungen gehen an dieser Stelle auseinander. Glaubt man dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt oder dem CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach, so bleibt zumindest die innere Sicherheit in Deutschland weiter angespannt. Doch die Behörden haben dazugelernt, eine engere Zusammenarbeit und mehr Personal wurden angekündigt. Klar, machen wir uns nichts vor, eine komplette Sicherheit kann natürlich nie garantiert werden. Aber Deutschland ist weiterhin eines der sichersten Länder der Welt – das wird sich auch in 2017 nicht ändern.

    Spannend wird aber das politische Jahr 2017 werden. Gleich drei Landtagswahlen stehen an, darunter im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. Im September folgt die Bundestagswahl, deren Ausgang noch völlig offen ist. Die AfD versteht es aktuell meisterhaft, die aufkommenden Ängste vieler Menschen im Land zu befeuern. Die etablierten Parteien haben die richtige Antwort darauf noch nicht gefunden. CDU und CSU zerreiben sich an der Flüchtlingspolitik, die SPD hadert bei der Wahl ihres Kanzlerkandidaten, den Grünen scheint einzig eine Regierungsbeteiligung wichtig und die Linke kritisiert schon jetzt mögliche Koalitionspartner aufs Schärfste – nicht selten zu Recht.

    Alles in allem müssen wir aber wohl festhalten: 2017 kann nur besser werden, als das vorangegangene Jahr… es muss einfach. Anzeichen dafür gibt es durchaus, man muss sie nur erkennen. Wir haben die niedrigste Arbeitslosigkeit und die niedrigste Armutsquote seit mehr als zehn Jahren. Und was das Thema Terror angeht, lohnt ein Blick in die Hauptstadt. Nach dem jüngsten Attentat auf den dortigen Weihnachtsmarkt haben die Berliner gezeigt, wie die angemessene Reaktion darauf sein sollte: Natürlich gab es Trauer und Anteilnahme, doch Verunsicherung und Wut nur selten. Im Gegenteil, schon am nächsten Tag waren die öffentlichen Orte wieder gut besucht. Es war fast so, als erhebe Berlin den Mittelfinger gegen all das, was Angst und Unbehagen über uns bringen will.  

    In diesem Sinne: Lassen Sie sich nicht verunsichern. Hoffen wir gemeinsam, dass wir in genau einem Jahr auf 2017 zurückblicken und die guten Erinnerungen dann überwiegen werden. Jeder kann übrigens seinen Teil dazu beitragen. Und sollte sich doch einmal ein negativer Gedanke darunter mischen, dann bestenfalls nur der, dass das Jahr wieder einmal rasend schnell vorüber gegangen ist.

    Marcel Joppa

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    Aussichten, Jahresbilanz