14:21 12 Dezember 2019
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    Hitlers „Mein Kampf“: „Nicht das Böse, sondern das enttarnte Böse“

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    Seit einem Jahr ist die kommentierte Ausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ im freien Handel. 85.000 Exemplare wurden seit dem gekauft. Auch in der Schule gehörte das lange verbotene Buch zum Unterrichtsstoff. Darüber hat Sputnik mit Heinz-Jürgen Meidinger, dem Präsidenten des Deutschen Philologen Verbandes, gesprochen.

    Herausgegeben hat das Buch das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München.  Meidinger hat sich das 2000 Seiten starke Werk selber angeschafft und ist begeistert: „Ich finde, da steckt eine ungeheure Fleißarbeit drin. Alle Hochachtung vor den Wissenschaftlern, die diese Mammutarbeit vollbracht haben“. So wurden zum Teil neue biographische Hintergründe und Parallelen von „Mein Kampf“ aufgearbeitet, rühmt der Philologe seine Kollegen.

    Aber er fügt hinzu: „Es ist natürlich keine Lektüre, die man sich am Abend „reinzieht“. Die kommentierte Ausgabe sei ein wissenschaftliches Werk. Auf jede Seite „Mein Kampf“ kämen mehrere Seiten Kommentar.

    Wer die 85.000 Menschen sind, die das Buch gekauft haben, kann der Leiter eines bayerischen Gymnasiums nur vermuten: „Ich würde mich freuen, wenn es so viele an wissenschaftlicher Geschichte interessierte Leute in Deutschland geben würde.“

    Aber Meidinger vermutet andere Gründe für den Kauf. „Es ist wohl eher der Reiz: ´Ach, jetzt ist es nicht mehr verboten´ und der große Wirbel, der im Vorfeld um das Buch gemacht wurde.“ Außerdem sei der verhältnismäßig günstige Preis von 49 Euro wohl auch ein Grund für die hohen Verkaufszahlen.

    Sputnik fragt, ob der Reiz des Bösen auch ein Grund für den Erfolg sein könnte. Da lacht Meidinger: „Es könnte sein. Aber im Endeffekt ist es nicht das Böse, sondern das enttarnte Böse.“

    Auch im Deutschunterricht ist „Mein Kampf“ seit einem Jahr Unterrichtsgegenstand. Aus Zeitnot aber nur in kurzen Auszügen: Da ging es vor allem darum, Hitlers Ideologie zu zeigen. „Dabei geht es insbesondere um den Antisemitismus, der in dem Buch auf Schritt und Tritt vorhanden ist“, erklärt der Deutschlehrer.

    Außerdem Hitlers Rassismus und die angestrebte Weltherrschaft, die zum Erscheinen des Buches noch niemand ernst genommen habe. Allerdings betont der Oberstudiendirektor, solche Auszüge aus dem Buch seien schon vor dem Erscheinen der kommentierten Ausgabe im Unterricht behandelt worden.

    Besondere Reaktionen seitens der Schüler habe es keine gegeben – dafür gibt es für Meidinger einen einfachen Grund: „Den Schülern war überhaupt nicht bewusst, dass bei einer Quelle die kommentierte Aufgabe von „Mein Kampf“ herangezogen wurde.“ Proteste oder Provokationen wie „Hitler- Grüße“ im Klassenzimmer habe es wegen der Lektüre nicht gegeben. Eher eine gewisse Müdigkeit beim Thema Nationalsozialismus. Das liege aber nicht am Buch, sondern an den Lehrplänen. Sowohl in Deutsch als auch in Geschichte werde die Nazizeit in den 9. und 10. Klasse sehr ausführlich behandelt, so dass dann der Seufzer käme: „Um Gottes Willen, nicht schon wieder Nationalsozialismus.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    Nationalsozialismus (Nazismus), Mein Kampf, Heinz-Jürgen Meidinger, Adolf Hitler, Deutschland