07:25 19 Oktober 2017
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    Wie westliche Journalisten US-Geheimdienstbericht über „russische Hacker“ kritisieren

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    Viele westliche Journalisten, die die Ereignisse in Russland beleuchten, haben den Bericht der US-Nachrichtendienste über die „russischen Hacker“ mit Befremden aufgenommen, ihn wegen fehlender Beweise sowie wegen seiner seltsamen Schlüsse und seines „laienhaften“ Niveaus kritisiert.

    CIA, FBI und NSA hatten am Freitag in ihrem veröffentlichten Bericht Russland ein übriges Mal der „Einmischung in die amerikanischen Wahlen“ beschuldigt, aber unter Verweis auf den geheimen Charakter der Geheimdiensttätigkeit erneut keinerlei Beweise dafür erbracht. Dabei ist dem Bericht zu entnehmen, dass die Schlüsse über „Russlands Geheimoperationen zur Einwirkung auf die Wahlen“ anhand solcher Quellen wie russische Fernsehreportagen und Notizen im Netz gezogen wurden. Die Hälfte dieses Berichts war faktisch dem TV-Sender RT und der Agentur Sputnik gewidmet, wobei die Angaben zu RT hauptsächlich aus der Zeit von vor fünf Jahren stammten.

    Wie schon bei früheren Beschuldigungen Russlands wurden keine Beweise vorgelegt, und das ungeachtet der von Russland vorgebrachten zahllosen Widerlegungen und der Bitte, Beweise zur Verfügung zu stellen. Außer den russischen Vertretern bezeichnete selbst Donald Trump derartige Erklärungen als unbegründet und lächerlich.

    Vielen Journalisten ist aufgefallen, dass diese Veröffentlichung keine Beweise enthält.

    „Scheint mir das nur so, oder sieht dieser Bericht wie etwas aus, was mehrere Journalisten in ein paar Tagen zusammengestellt haben, nicht aber ernsthafte Geheimdienste innerhalb von Monaten“, fragt via Twitter der Moskauer Korrespondent Shaun Walker von der Zeitung „The Guardian“.

    „Der Geheimdienstbericht zu Russland ist nichts anderes als einfach eine Sammlung von Vermutungen. Ich verstehe den Schutz der Quellen und Methoden, doch der Bericht ist schwach“, schrieb via Twitter der Chefredakteur des amerikanischen politischen Wochenmagazins „Weekly Standard“ und Autor von „Fox News“, Stephen Hayes.

    Der Journalist Kevin Rothrock nannte den Bericht „laienhaft“ und „peinlich“ und kommentierte mehrere seltsame Auszüge aus dem Dokument. „Neue teuflische Verschwörungen von @RT_com: Sie haben Occupy Wall Street, die bekannte Kampagne zur Vernichtung Amerikas, beleuchtet“, ironisiert Rothrock.

    ​Er hat auch die Tatsache belächelt, dass die US-Geheimdienste die Erklärungen des Parteichefs der russischen Liberaldemokraten, Wladimir Schirinowski, dass man sich in Russland über Trumps Wahl freuen werde, als unumstößlichen Beweis wahrgenommen hätten.

    „Ich traue meinen Augen kaum. Ist das wirklich ein Teil des Berichts der amerikanischen Aufklärung?“, schrieb Rothrock via Twitter.

    Der Redakteur der „Moscow Times“, Matthew Kupfer, nannte den Bericht „bestenfalls zweifelhaft“. Der amerikanische Schriftsteller und Journalist Glenn Greenwald wunderte sich ebenfalls darüber, dass der Bericht keinerlei Beweise anführt.

    „Dieser neue Bericht ist so, dass 1) buchstäblich die Hälfte von RT handelt, dass er 2) ein und dieselben Vermutungen mehrmals enthält und 3) keinerlei Bestätigungen der Erklärungen mit einschließt“, schrieb Greenwald via Twitter.

    „Der lange erwartete Bericht des (nationalen Nachrichtendienstes) DNI gibt keinerlei neue Informationen und stellt hauptsächlich eine langweilende Erzählung über RT dar. Was für ein Unsinn“, so der Journalist Michael Tracey. 

    „Unabhängig davon, wer was über die russischen Attacken denkt, mutet die Tatsache, dass die Hälfte des Berichts eine Abhandlung zur RT-Werbekampagne von vor fünf Jahren ist, seltsam an“, schrieb via Twitter der Journalist Adam H. Johnson.

    ​„Der DNI-Bericht besagt, manche RT-Show habe Hillary (Clinton) die Wahlen gekostet. Aber ist das nicht damit verbunden, dass Hillary eine schreckliche Kandidatin war?“, schreibt via Twitter der Journalist Paul Joseph Watson. Der nachrichtendienstliche Bericht beinhalte selbst solche RT-Sendungen, die schon lange vor den Präsidentschaftswahlen 2016 abgesetzt worden seien, merkt Watson an.

    ​Der Korrespondent der „Financial Times“ in Moskau Max Seddon ironisiert ebenfalls darüber, dass in dem Bericht allgemein bekannte Dinge stehen, z. B. dass die russischen Massenmedien aus dem Staatsetat finanziert würden.

    „Der publik gemachte Bericht der US-Geheimdienste zu den russischen Hacker-Angriffen ist voller Sensationen wie etwa jener, dass ‚RT vom Kreml kontrolliert wird‘“, schreibt Seddon.

    ​Manchen Journalisten sind die eingefügten Bemerkungen der Geheimdienste aufgefallen, dass ihre „hohe Überzeugung“ von etwas, z. B. von der „russischen Einmischung“, nicht bedeute, dass diese Informationen unbedingt glaubwürdig seien.

    Manche Experten und Beobachter äußerten ihre Enttäuschung über den Bericht, ohne dabei der offiziellen Linie der US-Behörden zu widersprechen.

    „Mich enttäuscht das Fehlen des ‚Wow-Faktors‘ in dem Bericht“, schreibt via Twitter Andrew S. Weiss, Experte der Carnegie-Stiftung, womit er das Fehlen von Überraschungen meint.

    ​Und der Ex-Botschafter der USA in Russland Michael McFaul merkte an, dass „viele Fragen offen geblieben sind“.

    Die ehemalige Moskau-Korrespondentin westlicher Medien und Redakteurin der Internet-Ausgabe „BuzzFeed“, Miriam Elder, zweifelte nicht am Inhalt des Berichts, schrieb aber: „Es tut weh zu sehen, dass die Meldungen aus Russland außer Kontrolle geraten.“

    ​Die langjährige Kritikerin Russlands und Mitarbeiterin des Journals „Atlantic“, Julia Ioffe, hat ihre Eindrücke so zusammengefasst:

    „Eines ist aus dem Lesen des DNI-Berichts zu den Hacker-Angriffen klar: Folgendes geschieht, wenn an Ihren Universitäten keine Russland-Experten mehr ausgebildet werden.“

    ​Der jüngste Bericht ist die publik gemachte Version des umfangreichen Berichts, den die Vertreter der US-Nachrichtendienste auf Forderung des Präsidenten Barack Obama vorgelegt haben. Schon im Oktober hatten führende amerikanische Geheimdienstler erklärt, „russische Hacker“ würden hinter den Cyberangriffen auf die Wahlsysteme des Landes stehen. Die CIA hatte Russland mittels der Medien beschuldigt, die Server der US-Demokraten gehackt zu haben, um Donald Trump zu helfen, der die Präsidentschaftswahl am 8. November gewonnen hatte. Washington hat indes keinerlei Beweise für Russlands Beteiligung an diesen Hacker-Attacken vorgelegt. Die russischen Behörden haben derartige Beschuldigungen entschieden zurückgewiesen.

     

     

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    Tags:
    Cyber-Attacke, Cyberattacken, USA
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