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    Ungleichheit wächst: Hälfte der Deutschen hat keinerlei Rücklagen

    © AFP 2017/ Armin Weigel / dpa
    Politik
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    Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat in seinem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ erneut die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland verurteilt. Wer kein Einkommen habe, könne auch nicht sparen, warnt Fratzscher. Da helfe auch ein höheres Rentenniveau wenig.

    Laut dem DIW-Chef sei das Problem nicht, dass die reichsten zehn Prozent in Deutschland so viel Vermögen hätten, wie in kaum einem anderen Land, sondern dass 40 Prozent der Bürger praktisch gar kein Erspartes besäßen. Das belegen laut Fratzscher auch aktuelle Erhebungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

    Die enorme Ungleichheit der privaten Vermögen trage schon heute zu sozialen Konflikten bei, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen würden.

    Die Vermögensungleichheit habe sich seit 2010 noch erhöht. Die Vermögen der Ärmsten seien weiter geschrumpft.  Deshalb sei es falsch, sich darauf zu verlassen, dass der Sozialstaat im Alter für diese Menschen sorgen könnte.

    „Der Sozialstaat ist kein Ersatz für fehlende Ersparnisse und wird dies auch nie sein können. Jede noch so großzügige Rentenanwartschaft wird einer 35-jährigen alleinerziehenden Mutter nicht helfen können, Bildungsausgaben für ihre Kinder zu stemmen oder ein kaputtes Auto zu ersetzen“, schreibt Fratzscher in seiner Kolumne.

    Es sei zudem fatal, wenn immer mehr Deutsche im Alter finanziell fast ausschließlich vom Staat abhängig seien. „Die fehlenden Ersparnisse fast der Hälfte der Deutschen können durch den deutschen Sozialstaat nicht auch nur annähernd kompensiert werden.“

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    Tags:
    Alter, Sozialstaat, Rentner, Ersparnisse, Ungleichheit, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, Deutschland
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