02:51 18 November 2019
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    EU in Krise: „Zeit zum Aufwachen für die Brüsseler Bürokratie“

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    Politik
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    Die EU-Mitgliedstaaten stehen zwar noch nicht Schlange, um die Europäische Union zu verlassen, es wäre jedoch falsch zu glauben, dass diese mit dem Schrecken davon gekommen ist. Der russische Analyst Sergej Strokan kommentiert den Brexit und dessen Konsequenzen für Europa.

    In einem Kommentar für die Tageszeitung „Kommersant“ schreibt Strokan, in der EU sei Großbritannien keineswegs ein Triebwerk der gesamteuropäischen Integration gewesen: „Bei diesen Triebwerken handelte es sich um Berlin und Paris, während London eher die Rolle einer Handbremse spielte. London stiftete Verwirrung, indem es nicht selten zu Demarchen griff und seine Unzufriedenheit (oder zumindest seine besondere Meinung) in Bezug auf EU-Entscheidungen zum Ausdruck brachte.“

    „Das Insel-Bewusstsein sowie der Komplex eines ‚Reiches, in dem die Sonne nie untergeht‘, haben Großbritannien daran gehindert, sich an die Rolle eines bloßen EU-Mitgliedsstaates, von denen es insgesamt 28 gibt, zu gewöhnen. Großbritannien hielt sich selbst immer für etwas unvergleichbar Größeres, für ein selbstsuffizientes Machtzentrum“, so der Kommentar. 

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    „Die Verbindung, die ohnehin nie fest gewesen war, brach letztendlich zusammen, indem sie die zusätzliche Last durch die EU-Probleme nicht verkraftete. Dazu zählten der beispiellose Migranten-Zustrom, die Müdigkeit wegen des Drucks durch die ungewählte Bürokratie in Brüssel und schließlich die zunehmende Entfremdung innerhalb der EU selbst“, schreibt Strokan.

    Es sei nichts Erstaunliches daran gewesen, dass gerade Großbritannien als Erstes die EU verlasse. Dies sei aber ein Schock gewesen, denn dieser Präzedenzfall habe die EU-Skeptiker in ganz Europa ermutigt, hieß es.

    Die reale politische Konstellation in Europa zeige allerdings, dass es vorerst keine Warteschlange aus EU-Aussteigern gebe. Selbst FPÖ-Mann Norbert Hofer habe keinen Ausstieg befürwortet, sondern nur aufgefordert, die Beziehungen mit Brüssel neu zu justieren.

    Dies bedeute allerdings nicht, dass die EU mit dem Schrecken davongekommen sei. Der Brexit sei „kein blinder Alarm“ gewesen: „Die EU erlebt derzeit eine ernsthafte Krise – womöglich die tiefste Krise in ihrer Geschichte, wenn man alle Faktoren berücksichtigt.“

    „Für die Brüsseler Bürokratie ist es Zeit aufzuwachen und darüber nachzudenken, warum es so läuft. Dies sollte geschehen, bevor andere Mitgliedstaaten zu dem Schluss gelangen, dass sie in dieser teuren belgischen Pralinenschachtel keine Pralinen mehr finden, sondern nur leere Kapseln“, mahnt der Analyst.

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    Tags:
    Migranten, Brexit, EU, Norbert Hofer, Belgien