11:01 26 Februar 2017
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    Flagge von Großbritannien in Moskau

    „Zynische Realisten“: Hintergründe für neue Töne gegenüber Moskau aus London

    © AFP 2016/ Pavel Zelensky
    Politik
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    Der britische Außenminister Boris Johnson, der als Befürworter der Sanktionen bekannt ist, warnt plötzlich vor einer Dämonisierung Russlands – die russische Onlinezeitung vz.ru beschäftigt sich mit den Hintergründen.

    Die Onlinezeitung zitiert Johnson, der soeben die USA besucht hat, mit den Worten: „Wir machten die neue US-Administration und den Kongress darauf aufmerksam, dass (…) es wahnsinnig wäre, Russland zu dämonisieren oder in die Enge zu treiben.“ 

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    Vz.ru kommentiert, es sehe ziemlich sonderbar aus, dass ausgerechnet Johnson den Teammitgliedern von Donald Trump solche Ratschläge gibt: „Es ist eben Trump, der sich für eine Normalisierung mit Moskau und gegen eine Dämonisierung von Putin ausspricht. Johnson, der seit einem halben Jahren als Außenminister fungiert, ist dagegen durch seine ziemlich scharfe antirussischen Äußerungen bekannt (…) Er warf Russland Verbrechen in Syrien vor, plädierte für Demonstrationen vor der russischen Botschaft und sagte, dass Großbritannien in Sachen Sanktionen ein Spitzenreiter sein müsste.“

    Es gebe aber eine simple Erklärung für die neuen Töne, die Johnson anschlägt: „Am 20. Januar soll Trump sein Amt antreten – und selbst die hartnäckigsten Anhänger der Eindämmungspolitik gegen Russland (…) bereiten sich auf eine neue Realität vor. Es ist klar, dass Trump die US-Politik gegenüber Russland wirklich ändern will. Die Juniorpartner in der atlantischen Allianz werden über ihre Linie entscheiden müssen. Was sollen sie nun tun?“

    „Falls Trump beginnt, die USA aus dem Konfrontations-Modus mit Russland aussteigen zu lassen, wird London beim besten Willen nicht in der Lage sein, als Organisator der Anti-Russland-Sanktionen für Washington einzuspringen“, so der Kommentar. 

    Das geopolitische Gewicht des Königreichs reiche dafür nicht aus, eine weitere Hürde sei die aktuelle Situation mit dem Brexit – Britannien werde ja im geeinten Europa nichts mehr beeinflussen können: „Für eine ernstzunehmende Macht wie Großbritannien wäre es deshalb dumm, weiter auf der Forderung nach einer ‚Eindämmung gegen Russland auch ohne die USA‘ zu beharren.“

    Die Regierung in London wolle sich also der neuen Realität anpassen. Aber auch in Stockholm sei man aufgewacht, schreibt vz.ru und zitiert den schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven mit den Worten: „Schweden sollte sich auch aktiver darum bemühen, die notwendigen Kontakte mit Russland aufzunehmen. Ohne unsere kritische Meinung zu einigen wichtigen Fragen aufzugeben, wollen wir trotzdem Spannungen in den Beziehungen mit unserem östlichen Nachbarn abbauen.“ 

    Die russische Onlinezeitung kommentiert weiter: „Sowohl in Stockholm als auch in London sind zynische Realisten am Steuer, die den Kurs ändern, sobald es klar wird, dass die alte Linie keine Aussichten mehr hat. Zwar bedeutet dies nicht, dass Schweden und Großbritannien nun damit beginnen werden, den entgangenen Gewinn in ihren Beziehungen mit Russland auf Hochtouren aufzuholen (…) Doch jene Kräfte in diesen Ländern, die an gemeinsamen Wirtschafts- und Handelsprojekten mit Russland interessiert waren, werden die Möglichkeit bekommen, sie endlich umzusetzen.“

    „Weder die Engländer noch die Schweden wollen zugunsten ihrer deutschen oder französischen Konkurrenten auf mögliche Gewinne verzichten, während das geopolitische Barometer auf ein Ende des Sturmwetters in den Beziehungen zwischen Russland und der EU steht“, heißt es im Kommentar.

    Zum Thema:

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    Tags:
    Brexit, EU, Boris Johnson, USA, Großbritannien, Russland
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    Alle Kommentare

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      Joesi
      Boris der Wendehals...der weiß schon von seinem Opa wie das geht!
      de.wikipedia.org/wiki/Boris_Johnson
    • TeslaAntwort anJoesi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Joesi,
      Danke für den Link!
      Die Herkunft von Boris Johnson hat mich sehr überrascht. Besonders der zweite Abschnitt ist verblüffend.
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      Copy & Paste aus Wikipedia – Abschnitt "Herkunft":

      "Boris Johnson wurde 1964 als erstes von vier Kindern von Stanley Johnson und seiner ersten Frau Charlotte Johnson-Wahl in New York City geboren. Sein Vater studierte zu dem Zeitpunkt Volkswirtschaftslehre an der Columbia University.[5] Aufgrund des Geburtsorts besitzt Johnson neben der britischen Staatsbürgerschaft auch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten (Stand Januar 2015).[6] Sein Vater war von 1979 bis 1984 Abgeordneter der Conservative Party im Europäischen Parlament.

      Boris Johnsons türkischer Urgroßvater Ali Kemal war der letzte Innenminister des Osmanischen Reiches und veranlasste in dieser Funktion die Verhaftung Kemal Atatürks; er wurde später auf Befehl Nureddin Paschas gelyncht. Johnsons Großvater Osman Ali floh daraufhin nach London und nahm dort den Namen „Wilfred Johnson“ an.[7] Über seine Urururgroßeltern Adelheid Pauline Karoline von Rottenburg (1805–1872), nichteheliche Tochter von Prinz Paul von Württemberg, und Karl Maximilian Freiherr von Pfeffel (1811–1890) ist er durch das Königshaus Württemberg weitläufig mit Queen Elizabeth und Prinz Charles verwandt.[8][9]"
    • sanpodon
      Ich bin wirklich neugierig, zu welchen sportlichen Verrenkungen sich die bisher ja besonders unelastische Wertemami in Deutschland aufschwingen wird,

      bevor man sie einfach ohne Ticket am Bahnhof der Welt verhungern oder erfrieren lässt und ihr zerstörtes Volk und das von ihr zerstörte Resteuropa gleich mit.
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      stud
      Die Neoliberale werden unter sich bleiben, hoffentlich fängt kein Massaker an.
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      Eurasier
      Klar bekommt jetzt Europa Muffensausen in Hinsicht das es sich durch die USA gegeüber Russland verfahren hat.
      EU hatte sich gegen Russland von der US Obama Administration ableiten lassen.
      Trump wird jetzt die Politik übernähmen die Europa hätte haben können wenn diese etwas zu Sagen haben könnten.

      Das was Europa mit Vernunft haben könnte, schnappt sich die USA jetzt.

      Obama hat uns gegen die Russen Aufgewigelt um uns die Geschäfte mit Russland wegzunähmen.
    • avatar
      Arnim4085
      Ja dieser auch Mann vorrauseilend gehorsam und Karakterstärke kann man von diese Art von Politikern wohl nicht erwarten. Auch ein Beweis dafür, dass wir uns die enormen Kosten für unsere Politiker sparen können, da alle (mit einen braunen Hals) sowieso nur das machen was die USA fordern.
    • Denk mit!
      Der Mann hat zu viel Hollywood Filme gesehen. Ich glaube das die Gesinnung und die Handlung dieser Leute durch die göttlichen Vorbilder der Hollywood Ideologen geschaffen wurden. Der Erziehungseffekt hat die ganze "frei Welt" in ihrer Denkweise beeinflußt.
    • Piero Doldi
      Daran sieht man, dass Großbritannien der Schwanz ist. mit dem die USA wackeln, denn der angekündigte andere Umgang Donald Trumps mit Russland lässt den britischen Außenminister schon mal seine eigenen vor Wochen gemachten Aussagen widerrufen.

      Frau Merkel werden die Mundwinkel angesichts des politischen Zurückruderns ihres Verbündeten noch tiefer sinken und sie über eigene Annäherungs-Strategien nachdenken lassen. Ich hoffe, Putin macht unseren EU-Politik-Dilettanten das Antanzen auf dem politischen Parkett nicht zu leicht, die sollen ruhig ausrutschen, bei der Neuausrichtung ihrer mutwillig demolierten Diplomatie.
    • Piero DoldiAntwort ansanpodon(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      sanpodon, Frau Merkel als politische Vorturnerin auf dem diplomatischen Schwebebalken im Kreml? Ich hoffe, Putin verfährt mit ihr ähnlich, wie Trump mit Boris Johnson und hat leider keine Zeit, denn Frau Merkel hat Russland und auch Deutschland aus politischer Kurzsichtigkeit schwer geschadet.
    • sanpodonAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi, vielleicht präsentiert uns Sputnik ja dann ein Video dieser akrobatischen Nummer, die allerdings aus meiner Sicht nur in Vollverschleierung erträglich wäre.
    • Denk mit!Antwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi, die Dame sollte keine 2.Chance bekommen! Sie ist geistig und körperlich am Ende. Ein Wechsel zum Frieden und Völkerverständigung muß auch im unserem Lande gelingen!
    • Piero DoldiAntwort ansanpodon(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      sanpodon, dann können wir aber leider ihre entgleisten Gesichtszüge nicht sehen, wenn sie auf dem glatten, diplomatischen Parkett ausrutscht und auf den Boden plautzt.
    • Piero DoldiAntwort anDenk mit!(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Denk mit!, auch ich kann diese dröge Dauereinrichtung an der Spitze des deutschen Staates nur schwer ertragen und würde gerne mal wieder einer Rede meines Staatsoberhauptes zuhören, bei der ich nicht einschlafe und ausgesprochenen Widerwillen empfinde.
    • sanpodonAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi,

      Ja, das ist ein Argument. Ich habe da aber doppeltes Vertrauen: Einerseits in die deutsche Zirkusgewerkschaft, die den Schleier mit (partieller) Transparenz verlangen wird, und andererseits in die russischen Kameraleute, die für den Fokus auf das Wesentliche ja bekannt sind. Und retten könnte den Event der Umstand, dass für Politiker (noch) keine Dopingregeln gelten ...
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      hans-martin-knapp
      Klar, sie drehen ihr Fähnchen nach dem Wind. Merkel ist da die Meisterin überhaupt. Seit Jahren macht sie das, eben der allgemeinen Strömung folgend. Da kann man als Fettauge immer oben aufschwingen. Man hält den Mund, tut als gäbe es keine Probleme und schwupps, nimmt man die neue Richtung. Alle sind sie geil auf die Macht und deren Erhalt, dafrißt mangerne auch mal Kröten, v.a. Merkel.
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