18:55 30 September 2020
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    In den Beziehungen zwischen Peking und Tokio könnte ein neuer Störfaktor entstehen: Am 12. Januar wird die japanische Verteidigungsministerin Tomomi Inada den US-Stützpunkt auf der Insel Guam besuchen, um die Möglichkeiten der dort aufgestellten Raketenabwehrkomplexe THAAD kennenzulernen.

    Laut einer Mitteilung der Militärbehörde hat Tokio keine Pläne zum Aufstellen von THAAD-Komplexen auf japanischem Territorium. Allerdings räumte Inada ein, die Anwendung solcher Technik könnte eines der Mittel zur Förderung der Möglichkeiten Japans im Raketenabwehrbereich werden.

    THAAD-Komplexe sind bereits in Südkorea stationiert und könnten auch im benachbarten Inselstaat aufgestellt werden. Denn Washington könnte Tokio unter Druck setzen – genauso wie es das auch gegenüber Seoul tat. Eine solche Entwicklung der Situation schloss Valeri Kistanow vom russischen Institut für Fernost-Studien nicht aus.

    „Die USA sind an der Unterbringung ihrer neuesten THAAD-Systeme als äußerst wichtiges Element der globalen Raketenabwehr interessiert, die vor allem gegen Russland gerichtet ist“, so der Experte. „Strategisch verfolgt THAAD das Ziel, Russlands Atomstreitkräfte einzudämmen. Nicht zuletzt ist es aber auch auf die Unterdrückung des zunehmend wachsenden Atompotenzials Chinas ausgerichtet. Zumal China in Japan als größte Militärgefahr für seine nationale Sicherheit betrachtet wird.“ 

    Tokio hat aktuell ein ausreichendes Potenzial für die Abwehr einer potenziellen Raketengefahr seitens Nordkoreas. Dabei handelt es sich um bodengestützte Raketenabwehrkomplexe Patriot PAC-3 sowie um mehrere Kriegsschiffe mit Aegis-Anlagen an Bord. Das THAAD-System ist für das Abfangen von ballistischen Raketen im höchsten Punkt der Schlussphase ihres Fluges außerhalb der Atmosphäre bestimmt. Seine Reichweite ist größer als die der Mittel, über die Japan aktuell verfügt. Allerdings findet der russische Militärexperte Wladimir Jewssejew, dass das Pentagon die Vorteile des THAAD-Systems übertrieben lobe, wie auch es bei der Beschreibung des nordkoreanischen Raketenpotenzials übertreibe.

    „Ich würde mich nicht mit der Aufstellung dieses Systems, dessen Effizienz nicht so groß ist, wie die Amerikaner behaupten, beeilen. Falls Japan THAAD-Systeme auf seinem Territorium unterbringt, die für das Abfangen von chinesischen ballistischen Raketen mittlerer Reichweite geeignet sind, würde China neue Raketen dieser Art zusätzlich aufstellen“, so der Experte. „Das würde die Kontroversen zwischen Japan und China weiter verschärfen und die Situation im Sicherheitsbereich in Nordostasien anspannen. Dabei glaube ich nicht, dass Japans Sicherheit dadurch gefestigt werden könnte.“

    Zhou Youngsheng vom Zentrum für internationale Beziehungen bei der Diplomatischen Akademie Chinas sagte gegenüber Sputnik:

    „Die Entfaltung von THAAD-Systemen in Japan würde zweifellos das amerikanische globale Raketenabwehrsystem wesentlich stärken. Zudem würde ein solcher Schritt Japans Südkorea wesentlich beeinflussen. China lässt sich aus der Sicht seiner strategischen Sicherheit die THAAD-Aufstellung in Südkorea nicht gefallen. Japan könnte mit seinem weiteren Verhalten indirekt Südkorea unter Druck setzen und zur Konfrontation mit China in der THAAD-Frage provozieren. Ein solcher Trick Japans wäre sehr gefährlich.“

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    Tags:
    Luftabwehrsystem THAAD, Japan, China