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21:30 20 August 2019
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    Echte Männer mit Rückgrat (Symbolbild)

    So retteten "Unternehmer mit Rückgrat" das deutsch-russische Zusammenwirken

    © Sputnik / Alexander Kryazhev
    Politik
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    Nach dem Brexit muss Europa laut dem Zukunftshistoriker Prof. Dr. Manfred Pohl von der Universität Frankfurt/Main über eine neue kontinentaleuropäische Union auf Basis des Dreiecks Frankreich-Deutschland-Russland nachdenken. Dieser Ansatz stand auch bei einer Diskussionsrunde in der Residenz des Deutschen Botschafters in Moskau zur Diskussuion.

    Langfristig gesehen gehöre Russland zu Europa, sagte er während einer Veranstaltung in der Residenz des deutschen Botschafters in Moskau. „Die Beziehung zwischen diesen Ländern war in der Geschichte immer sehr eng. Da können wir erkennen, wie eine kontinentaleuropäische Union in der Zukunft aussieht.“

    Bei den 70er Jahren seligen Angedenkens ginge die Wirtschaft der Politik voran und habe der Letzteren den Weg gebahnt, erinnert der Historiker. Er verbindet das Geschäft des Jahrhunderts — „Gas gegen Röhren“ zwischen der Sowjetunion und der BRD mit der „Ostpolitik“ von Willy Brandt. «Die deutsch-russischen Beziehungen waren zunächst Beziehungen zwischen der Wirtschaft in Deutschland und der Wirtschaft in Russland. Und erst dann ist die Politik gefolgt. Die Politik hat die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, dass die wirtschaftlichen Initiativen durchgeführt werden konnten. Ein Wirtschaftsabkommen bringt viele Freundschaften zwischen russischen und deutschen Unternehmern hervor.“

    Erdgas- und Kunstpipelines

    Prof. Pohl erinnert daran, dass nicht nur eine Erdgaspipeline errichtet wurde, sondern auch nebenan die Pipeline der Kunst zwischen Deutschland und der Sowjetunion. So seien die Deutsche Bank, Mannesmann und Ruhrgas Träger vieler Kulturprojekte gewesen. Auf diese Weise sei die kulturelle Substanz zwischen Deutschland und Russland entstanden. „Sanktionen, Mauern, Klimamauern, Flüchtlingsmauern bringen letzten Endes nichts, weil sie nur Leid über die Menschen bringen“, ist sich der Historiker sicher.

    Gestandene Persönlichkeiten prägten Wirtschaft

    Die großen Unternehmerpersönlichkeiten vermochten damals, ihre eigenen Ideen abgesehen von der Politik durchzusetzen. Die langjährige Springer-Generaldirektorin in Russland, Regina von Flemming, bedauert, dass sie jetzt solche Leute mit Rückgrat selten trifft, die in schwierigen Zeiten aufstehen: «Wir haben es heutzutage leider nicht mehr mit dem alten Typus der gestandenen Persönlichkeit zu tun, sondern mit amorphen CEO`s, die sich Aktienkursen beugen, die meistens kurzfristig, nur für die Vertragsdauer denken.“

    Nun hofft sie auf eine ganz neue Generation von Entrepreneuren, „die durch Facebook und Google in eine neue Liga katapultiert sind und sich mehr mit den großen Themen wie Cluster, Wasser, Ökologie, Ernährung und Ageing beschäftigen.“

    In den 50er und 60er Jahren sei die Abstimmung zwischen Wirtschaft und Politik eine weitaus andere und eher eine persönliche Abstimmung gewesen, erinnert sich Rainer Hartmann, der die deutschen Energiekonzerne in Russland seit langem vertritt. „Da gab es Bekanntschaften und Respekt sowie gegenseitige Anerkennung. Als die Ruhrgas die Erstbelieferung von Westberlin 1982 im Höhepunkt des Kalten Krieges nach der Afghanistankrise trotz der enormen Intervention der amerikanischen Regierung durchgesetzt hat, hat auch die Bundesregierung diesen Vertrag gebilligt, sodass die Ruhrgas diesen Vertrag mit ihrem sowjetischen Partner umsetzen konnte.“

    Für Hartmann waren es interessante Kombinationen und Zusammenspiele zwischen Politik und Unternehmen, „die man heute aus verschiedenen Gründen so nicht mehr hat.“

    Als 1989 die Krise in Russland ausbrach, haben viele Firmen nach seinen Worten „ihre Zelte abgebrochen, am wenigsten die deutschen, die geblieben sind. Die Ruhrgas hat sich in dieser Zeit entschieden, sich an einem russischen Unternehmen zu beteiligen. Das stand auch stark in der Kritik. Trotzdem wurde das Geld von der Bank of America an die russische Außenhandelsbank schnell überwiesen. Da konnte Russland seine Lehrer, Ärzte und Angestellten bezahlen.“ Das sei etwas, was in der heutigen Zeit noch lebe, resümiert der Top-Manger.

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    Tags:
    Sanktionen, BRD, Manfred Pohl, Willy Brandt, Deutschland, Russland