10:36 27 März 2017
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    Sucharbeiten am Absturzort der Tu-154

    Tu-154-Tragödie: Eine Absturzursache nun endgültig ausgeschlossen

    © Foto: Russian Ministry of Emergency Situations
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    Tu-154-Tragödie über Schwarzem Meer (54)
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    Die sprengstoff-technische Prüfung der bislang aus dem Schwarzen Meer geborgenen Wrackteile der bei Sotschi verunglückten Tu-154 ist abgeschlossen, wie die russische Zeitung „Kommersant“ schreibt. Spuren eines Terroranschlags wurden nicht entdeckt, diese Version darum ausgeschlossen. Nun werden mögliche Fehler der Crew überprüft werden.

    Demnach hat die militärische Ermittlungskommission, obwohl diese Version nicht als die vorrangige gegolten habe, auch eine sprengstoff-technische Prüfung der Wrackteile, der Opfer, ihres Gepäcks sowie der mitgeführten humanitären Facht veranlasst. Im Gepäckraum befanden sich Medikamente für die in den Kampfhandlungen in Syrien Verletzten sowie Requisiten des Alexandrow-Ensembles.

    Spuren einer mutwilligen Explosion an Bord der Maschinen oder eines Raketeneinschlags hätten die Experten nicht entdeckt. Somit wurden die zuvor geäußerten Vermutungen, es könnte vielleicht auch ein Anschlag gewesen sein, aus der Liste der möglichen Absturzursachen gestrichen.

    Die Ermittlungsbeamten des Militärs hätten Sprengstofftechniker vom Forschungsinstitut des FSB beauftragt, zuerst das aus dem Meer geborgene Gepäck, geborgene Sessel und Teile der Innenverkleidung des Flugzeugs auf Sprengstoffspuren zu untersuchen. Es sei auch darum gegangen, den Charakter der Beschädigungen an den Flugzeugteilen einzuschätzen, an denen die Druckwelle einer im Salon gezündeten Bombe charakteristische Risse hinterlassen haben müsste.

    Zudem seien Löcher an manchen Wrackteilen untersucht worden, die beim Aufschlagens aufs Wasser, aber auch durch Bombensplitter oder durch eine neben dem Flugzeug detonierende Rakete hätten entstehen können.

    „Das mit einer Geschwindigkeit von 2.000 Meter pro Sekunde fliegende Schrapnell verursacht in der Aluminiumverkleidung wie ausgesägt erscheinende Öffnungen“, wie eine mit den Ermittlungsarbeiten vertraute Quelle erläuterte. „Der Flugzeugabsturz erfolgt indes bei bedeutend geringerer Geschwindigkeit, deshalb entstehen um die verursachten Öffnungen sicher gut zu erkennende Deformierungen des Metalls. Schließlich haben alle eingesetzten Experten – Sprengstofftechniker als auch Gerichtsmediziner – auch die Splitter selbst suchen müssen“, heißt es weiter.

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    Dennoch hätten die Experten keinen einzigen Faktor gefunden, der zumindest indirekt für einen Terroranschlag oder einen Beschuss vom Boden aus sprechen könnte. Darum konzentrierten sich die Experten nun auf eine andere Version, einen eventuell von der Crew der Militärmaschine zugelassenen Fehler.

    Russlands Minister für Verkehrswesen, Maxim Sokolow, hatte zuvor mitgeteilt, dass ein Terroranschlag bei der Ermittlung der Absturzursachen der Tu-154 nicht als Hauptversion betrachtet werde.

    Am frühen Sonntagmorgen war ein Flugzeug vom Typ Tu-154 des russischen Verteidigungsministeriums kurz nach dem Start vom Flughafen Adler bei Sotschi, wo die Maschine auf dem Flug von Moskau nach Syrien zum Nachtanken zwischengelandet war, aus bisher ungeklärter Ursache ins Schwarze Meer gestürzt. An Bord waren acht Besatzungsmitglieder und 84 Passagiere: Unter ihnen waren Sänger, Solisten, Musiker und Tänzer des weltberühmten Alexandrow-Ensembles, drei TV-Filmteams mit insgesamt neun Journalisten sowie die weltweit engagierte Ärztin und Leiterin der Wohltätigkeitsstiftung „Gerechte Hilfe“, Jelisaweta Glinka, auch bekannt als „Doktor Lisa“.

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    Tags:
    Tu-154, Maxim Sokolow, Sotschi, Russland
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    Alle Kommentare

    • avatar
      Joesi
      Egal was rauskommt:
      die Ursache der klemmenden Landeklappe muß aufgedeckt werden!
      Ein mechanischer Defekt hat viele, aber übersichtliche Ursachen.
      Drücke allen Ermittlern die Daumen!
      Danke!
    • ropri
      Das hatte man doch vor einem Jahr nach Absturz der russischen Passagiermaschine über Malaisia auch gesgt: ein Sprengstoffanschlag sei ausgeschlossen. Erst ein paar Wochen später war es dann doch Sprengstoffursache.
      Rußland weicht diplomatisch jeder Provokation aus. Die USA kommen so also nicht weiter. Folglich müssen die USA, um ihr Ziel zu erreichen, einen ihrer Verbündeten angreifen und einen "Hinweis" liefern, daß es Rußland war... Es muß ein Land sein, dessen Regierung sehr hitzköpfig reagiert und einen Haß gegen Putin hegt Da fällt mir spontan Polen ein. Ich bin neugierig...
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      NordmanAntwort anropri(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      ropri, Polen ist zu weit, es reicht wen Donbass ein mal unvorsichtig zurückschießt oder ein schritt nach westen macht.
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      e.mietz
      Die gefährlichsten Abschnitte für Flugzeuge ist immer die die Lande- und Startphase.

      Es genügt also eine kleine Sprengladung an der richtigen Stelle, um den größten möglichen Schaden anzurichten.

      Mal hierzu diesen Artikel lesen:
      dudeweblog.wordpress.com/2017/01/06/zum-tu-154-absturz-bei-sotschi
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      Thomas
      Was für Handlungen sind zu unternehmen, um solche Abstürze zu vermeiden?

      So lange die tatsächlichen Ursachen bis in das Deteil bekannt sind, können die nicht abgestellt werden.
      Die Blackbox ist kaputt?
      Also ein Teil, was neu zu entwickeln ist und ggf. doppelt mit unabhängigen gespeicherten Aufzeichnungsvarianten eingebaut werden sollte.

      Auch ein Pilotenfehler muß das nicht sein. Der hatte schon zur Wende angesetzt.
      Das ein Flugzeug besser wohl bei der Wasserung erstmal mit dem Heck an die Oberfläche herangeführt wird, könne schon auf überlegtes Handeln zur Ausbremsung des Fluggerätes an der Wasseroberfläche hindeuten.
      Offensichtliches Problem, war die Phase nach dem Start, wo selbst beim Überziehen in der Höhensteigkurve ein Abreißen des Auftriebes an der Tragflächenoberkannte sichtbar sein müßte. Diese Aufzeichnung könne die Radardokumentation an Land hergeben.
      Was wurde der Bodenstation mitgeteilt, bevor der Kontakt abbrach?

      Nur menschliches Versagen?
      Menschliches Versagen ist immer möglich, und genau das sollte von technischen Einrichtungen soweit wie nur möglich verhindert werden.
      Wo fehlte eine Warneinrichtung, die einen kritischen Punkt deutlich hörbar macht und ggf. per Funk mit Fehlercode an die Bodenstation überträgt?
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      ThomasAntwort anJoesi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Joesi, es gibt bei machen Tragflächen Klappen auf dem Flügel, welche das Abreißen der Ströhmung an der Oberfläche verhindern. Viele Vögel haben dort Federn, welche sich bei der Umströmung der hinteren Flügelkante im Langsamflug automatisch hochstellen.
      Beim Start, haben diese hinteren Klappen eigentlich nichts zu suchen.

      Lediglich beim Überziehen (Ladungsverutschung, plötzlicher Schubausfall, etc.) könne man ggf. an der Flügeloberkante den Rückstrom verhindern, wenn das gehändelt werden kann.
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      Tupolewa
      Ich denke immer noch, dass es ein Anschlag/Sabotage war, oder aber ein sehr krasser Fehler des Copiloten (Klappen statt Fahrwerk eingefahren).
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