21:44 15 Oktober 2018
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    Objektives Russlandbild ist Propaganda: So funktioniert Meinungsfreiheit in Schweden

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    Politik
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    Journalisten, die in Schweden ausgewogen und objektiv über Russland berichten, werden laut Åsa Linderborg, Chefin des Kulturressorts von „Aftonbladet“, einer der größten Tageszeitungen des Landes, in Grund und Boden kritisiert.

    Das schwedische Institut für Außenpolitik scheint dabei eine herausragende Rolle zu spielen. Die Mitarbeiter des Instituts haben in einem jüngst veröffentlichten Bericht Fakten über Zeitungsartikel und ihre Autoren „verzerrt, entstellt oder schlicht ausgedacht“, sagt Linderborg. 

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    Die Macher des Berichts seien davon überzeugt, dass einige Kollegen von der Presse „Handlanger Putins“ seien. Fakten, die diese Ansicht widerlegen, würden einfach ignoriert, so die Journalistin. Mit seinem Bericht verfolge das schwedische Institut für Außenpolitik das Ziel, jene Kollegen zu diffamieren, die mit der offiziellen politischen Marschrichtung in Schweden nicht einverstanden seien.

    Die Artikel ihrer Zeitung unterschieden sich von den Veröffentlichungen anderer Redaktionen in der Tat, so Linderborg: „Klar, wir haben Putin mit aller Kraft kritisiert. Aber außerdem versuchten wir, Russland in seiner Ganzheit darzustellen – um es zugänglicher und verständlicher zu machen“, so die Redakteurin. Beispielsweise habe das Aftonbladet darauf verzichtet, Putin mit Stalin zu vergleichen, ohne dabei seinen „autoritären Regierungsstil“ zu ignorieren. Das Blatt habe auch die Frage aufgeworfen, ob Schweden wirklich der Nato beitreten sollte. Kritik hagelte es laut Linderberg aber auch für Berichte über die Rehabilitation eines ukrainischen Judenmörders aus dem Zweiten Weltkrieg.

    „Das Ergebnis geistiger Anstrengung der Berichtsautoren und ihrer Helfershelfer besteht in der Idee, dass alles, was von der dominierenden Meinung abweicht, unweigerlich von Putin aufgezwungen sei“, bringt es die Journalistin auf den Punkt.

    Das eigentlich Verstörende sei dabei nicht, dass das Institut für Außenpolitik ausgerechnet „Aftonbladet“ kritisiert. Der Punkt sei vielmehr, dass das Institut zum „Generalangriff auf die Freiheit der schwedischen Presse“ übergegangen sei.

    Und die heimischen Medien? „Statt dies als einen Angriff auf den Berufsstand zu werten, verbreiten sie den Bericht“, bemängelt Linderberg. „Die Versuchung, auf die Redaktionskultur von Aftonbladet einzuschlagen, ist ja auch stärker, als der Wille, für die Meinungsfreiheit einzustehen.“

    Derweil sei es anderen Redaktionen erlaubt, Bilder angeblich russischer U-Boote nahe Stockholm zu fälschen, so Linderberg. „Aufrufe zur Militarisierung werden als neutraler Journalismus gewertet. Und das Weltbild der USA gilt als das einzig vernünftige“, betont sie.

    Inzwischen sei es in Schweden gar nicht mehr möglich, Probleme mit einem frischen Blick darauf zu analysieren: Die Atmosphäre um die meisten wichtigen Fragen herum sei einfach zu angeheizt.

    Die Berichterstattung schwedischer Medien über Putin und Russland sei ein einziger Selbstbetrug: „Die Analysen schwedischer Medien sind wie ein altes verstörtes Klavier, gespielt von gehörlosen Musikern, die sich selbst applaudieren, weil sie glauben, dass ihr Publikum genau das hören will“, so Linderberg.

    Das schwedische Institut für Außenpolitik hat Anfang dieses Monats einen Bericht über „Moskaus Informationseinflüsse“ veröffentlicht. Die Berichtsautoren bezichtigen Russland, im Rahmen einer koordinierten Desinformationskampagne Fake News und gefälschte Dokumente zu verbreiten. Demnach setze Russland gegen Stockholm Fake News ein, die erst in den schwedischen Medien auftauchen und dann von „Sputnik“ und anderen russischen Quellen verbreitet würden.

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    Tags:
    Åsa Linderborg, Wladimir Putin, Schweden, Russland