21:08 27 Januar 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    107211
    Abonnieren

    Kurz vor dem Abgang von US-Präsident Barack Obama beschäftigen sich russische Experten mit den Ergebnissen seiner achtjährigen Regierungszeit – sowohl innen- als auch außenpolitisch.

    Wladimir Wassiljew, Experte des russischen USA- und Kanada-Instituts, sagte der Zeitschrift „Profil“: „Obamas Hauptaufgabe besteht derzeit darin, seine Hinterlassenschaft zu verteidigen. Die Demokraten können das nur tun, wenn sie die künftige Administration von Donald Trump behindern. Eigentlich hat dieser Vorgang bereits begonnen.“

    Obama wolle offensichtlich der Spitzenvertreter der Demokraten für die nächsten Jahre bleiben. Es komme ihm zupass, dass er von seinen Parteifreunden nicht als Versager betrachtet werde: „Obama war eigentlich ein Krisenmanager. Zwar war das von ihm erreichte Wirtschaftswachstum das flaueste in der Nachkriegsgeschichte der USA, doch dies geht möglicherweise bloß auf die Systemprobleme der US-Wirtschaft zurück. Es steht in den Sternen, ob die Administration von Trump mit ihnen zurechtkommen kann.“

    Der russische Politik-Experte Georgi Bowt schrieb dagegen in einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru: „Die Regierungszeit von Obama war ein erschütternder Rückschlag für die Demokratische Partei. Er war als ‚Modernisierer‘ und als Progressist gekommen. Von ihm wurde damals ein Durchbruch bei der Durchsetzung gerechterer Regeln in der Wirtschaft erwartet – vor allem für die Mittelschicht. Erwartet wurde auch eine Reduzierung der Kluft zwischen Arm und Reich. Doch die Mittelschicht wurde weiter erodiert, die Zerstrittenheit im Land nahm zu – ebenso wie der Abstand in Sachen Vermögen.“ 

    Außenpolitisch habe die Stabilität weltweit während der Regierungszeit von Obama keineswegs zugenommen. Nach all den Irak-Fehlschlägen von George W. Bush habe Obama versucht, sich mit der islamischen Welt zu versöhnen. Dies sei jedoch auf ein Liebäugeln mit dem Islamismus hinausgelaufen, so Bowt. 

    Foreign Policy: Die sieben größten außenpolitischen Fehler der USA

    „Bei seinem milden Ansatz zum radikalen Islamismus blieb Obama alle acht Jahre lang. Er vermied sorgfältig sogar die Wortwendung ‚radikaler Islam‘ – selbst in Bezug auf die IS-Gruppe. Darauf geht zu einem großen Teil die zweideutige Politik gegenüber der sogenannten moderaten syrischen Opposition zurück, bei der Amerika eigentlich als Helfer wahhabitischer Golf-Regimes auftrat“, heißt es im Kommentar.

    „Dafür wurde das Gaddafi-Regime in Libyen gestürzt – nun liegt das Land in Schutt und Asche. Mit dem Iran wurde ein ‚Atom-Deal‘ geschlossen. Viele sind allerdings der Meinung, dass dieser Deal die Weiterentwicklung des militärischen Atomprogramms des Landes nicht blockieren konnte und zu einem wesentlichen Teil nur die persönlichen Ambitionen und den Geltungsdrang von Obama verkörperte (…) Die um rund 25 Jahre verspätete Versöhnung mit Kuba am Ende von Obamas Amtszeit gehört auch in diese Reihe. Die ambitionierten globalen Integrationsprojekte wie TTIP und TPP gerieten indes ins Stocken und werden von konservativen Revanchisten aus Trumps Team begraben werden“, so Bowt weiter.

    Obamas Russland-Politik sei weder aus russlandfreundlicher noch aus russlandfeindlicher Sicht überzeugend gewesen: „Einerseits wurden ihm ‚Rückgratlosigkeit‘ und ‚Nachsichtigkeit‘ gegenüber Moskau von den Falken bescheinigt, andererseits gab es eine Reihe von völlig unangebrachten Konfrontations-Ausfällen gegen Moskau und gegen Putin persönlich.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Erzählen Sie mal von Obamas IS-Entwicklungsbeitrag“ – Bitte aus Moskau ans Pentagon
    „Obama, das bockige Kind“: Netzwelt reagiert auf neue Russland-Sanktionen
    Wie die US-Demokratie in Obama-Kult entartet – US-Magazin
    „Antirussische Agonie“: Medwedew bedauert Obama-Regierung
    Tags:
    TPP, TTIP, Georgi Bowt, Barack Obama, Kanada, USA