02:19 26 Juni 2017
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    „National Interest“: Warum Amerika fatalerweise „die Welt regieren“ will

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    Es gibt allen Grund zu glauben, dass die außenpolitischen Initiativen der neuen US-Administration auf großen Widerstand seitens des amerikanischen Establishments stoßen werden, meinen die Journalisten der Zeitschrift „National Interest“, Aaron David Miller und Richard Sokolsky.

    US-Flagge
    © REUTERS/ Stephen Lam
    Die amerikanischen Eliten sind weiterhin davon überzeugt, dass die USA das einzige Machtzentrum auf der Welt sein sollten. Deshalb müssen sich der designierte US-Präsident Donald Trump und sein künftiger Außenminister auf einen Kampf gegen ihre eigenen Diplomaten und Berater gefasst machen.

    Nach Auffassung der beiden Journalisten hat die Rolle des „Weltpolizisten“ Amerika erschöpft. Die Vertreter der neuen Administration verstehen das sehr gut, aber „die Stimme des Volkes“ würde nicht genügen, um das Kräftegleichgewicht zugunsten der Innenpolitik zu verändern. Die Autoren vermuten, dass das Establishment, darunter erfahrene Diplomaten, gegen neue Prioritäten sein wird.

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    Dieses ist überzeugt, dass es inakzeptabel wäre, nur „Däumchen zu drehen“, man sollte handeln. Das könnte jedoch zu katastrophalen Folgen führen.

    „Amerikas Bemühungen darum, überall Probleme zu lösen, egal wo sie entstehen, sind natürlich inspirierend, aber manchmal verändert sich die Situation nach der Einmischung der USA negativ. Und in letzter Zeit haben die enormen Aktivitäten Washingtons immer häufiger katastrophale Folgen. Vor allem gilt das für den Nahen Osten“, so Miller und Sokolsky.

    Der Grund für diese überflüssigen Aktivitäten ist die Überzeugung vieler US-Politiker, dass ihr Land stark genug sei, „überall Monster zu finden und auch zu besiegen“. Aber die Erfahrungen aus den Kriegseinsätzen in Afghanistan und im Irak zeugen davon, dass das Potenzial der USA eher gering ist.

    Darüber hinaus glauben die Amerikaner fast schon naiv, dass ihre Wahrnehmung der Welt „die richtigste“ ist. „Wir versuchen, wenigstens etwas zu tun, denn wir glauben, diese Welt zu verstehen, obwohl das im Grunde nicht stimmt“, heißt es in dem Beitrag. Amerika sollte jedoch nicht der ägyptischen Führung „Vorlesungen zum Thema Menschenrechte halten“ oder Israel bitten, Palästina anzuerkennen. Auch die Vorwürfe gegen Russland sind nach Auffassung der Autoren ein Beweis für eine naive Wahrnehmung der Welt, die für Washington typisch ist.

    Der Mythos von der „Auserwähltheit“ der eigenen Nation – neben der Überzeugung vom „Führungsanspruch“ – zwingt die Amerikaner, ihre Präsenz selbst in den entlegensten Regionen der Welt auszubauen und ihre Dienste dort anzubieten, wo niemand sie um Hilfe bittet. Aber der allmähliche Ausstieg Washingtons aus der Syrien-Regelung, seine nachlassende Einflusskraft im Nahen Osten und in Asien beweisen, dass die „Nachfrage“ nach US-Führung geringer wird.

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    Miller und Sokolsky warnen die neue US-Administration vor dem „Hochmut der Machthaber“. „Es ist sehr leicht, Stärke mit wahren Tugenden zu verwechseln und die übliche Verantwortung als außerordentliche Mission des Volkes darzustellen“, so die Autoren.

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    Tags:
    Richard Sokolsky, Aaron David Miller, Donald Trump, USA