04:08 18 Oktober 2017
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    Nato-Militärübung in Norwegen

    Türkische Nato-Offiziere und Diplomaten ersuchen Norwegen um Asyl

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    Politik
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    Eine Gruppe türkischer Nato-Offiziere und Diplomaten hat die norwegischen Behörden um politisches Asyl ersucht, wie die norwegische Zeitung Verdens Gang berichtet.

    Nach Zeitungsangaben waren die Betreffenden bis vergangenen Herbst in Norwegen im Dienst. Dann seien sie jedoch von den türkischen Behörden aufgefordert worden, heimzukehren, um im Zusammenhang mit dem Putschversuch im vergangenen Juli verhört zu werden.

    Niemand soll sich aber getraut haben, zurückzukehren, aus Angst für das eigene Leben. Derzeit leben die Militärs und Diplomaten dem Blatt zufolge unter geheimen Adressen in verschiedenen Teilen Norwegens. Sie sollen gegenüber dem Blatt bestätigt haben, dass sie einen Asylantrag beim norwegischen Migrationsdienst gestellt haben. Jegliche Verwicklung in den Putsch streiten die Militärs und Diplomaten ab.

    „Jetzt zurückzukehren, ist unmöglich. Ich wurde von der Arbeit in Norwegen gefeuert, mein Pass wurde annulliert. Wenn ich zurückfahre, werde ich verhaftet, ich könnte Gewalt ausgesetzt werden, man könnte mich zu einer falschen Aussage zwingen“, so einer der Asylsuchenden. In den türkischen Gefängnissen würden Menschen aus ungeklärten Gründen sterben.

    Das türkische Justizministerium wollte nach Angaben der Zeitung den Vorfall weder bestätigen noch dementieren.

    Zuvor war berichtet worden, dass Griechenland sieben der acht türkischen Militärs, die nach dem gescheiterten Putschversuch nach Griechenland geflohen waren, das Asyl verweigert hatte.

    In der Nacht auf den 16. Juli 2016 gab es in der Türkei einen Putschversuch, der von einem kleinen Teil des Militärs ausgegangen sein soll. Zeitweise hatten die Putschisten mehrere zentrale Militär- und Polizeistellen sowie den Istanbuler Atatürk-Flughafen unter ihre Kontrolle gebracht. Bis zum Morgen gewannen aber die regierungstreuen Kräfte die Oberhand. Etwa 290 Menschen kamen in der einen Nacht ums Leben, mehr als 1.500 wurden verletzt.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht für den Putschversuch den oppositionellen Prediger Fatullah Gülen und dessen Anhänger verantwortlich. Bislang sind in der Türkei im Zusammenhang mit den Putsch-Ermittlungen Medienangaben zufolge über 120.000 Menschen, die meisten davon Beamte, verhaftet oder von ihren Posten entfernt worden.

     

     

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    Tags:
    Asyl, Diplomaten, Militär, Türkei, Norwegen