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    Post-Brexit-Europa „schafft das“ – Wirtschaftsexperte Gros

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    Politik
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    Für den Brexit war zwar vor allem die Politik ausschlaggebend, aber auch die Wirtschaft hat laut Daniel Gros, Direktor der Denkfabrik Centre for European Policy Studies, auch ihren Teil dazu beigetragen.

    „Erstens nimmt Großbritannien nicht so viel an der europäischen Wirtschaft teil wie andere EU-Länder“, erläutert Gros im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Das war vor 20 Jahren anders. Da sich Großbritannien auf Dienstleistungen spezialisiert, hat es weiniger Warenaustausch mit dem Kontinent. Das hat sich im Verlauf der Zeit entwickelt, sodass man es nicht jeden Tag sieht. Deswegen war der gemeinsame Markt für die Briten kein Thema.“

    Als zweiten Grund nennt der deutsche Ökonom die Tatsache, dass die Eurozone zurzeit sehr schlecht dastehe, beispielsweise in Anbetracht der hohen Arbeitslosigkeit. „Das lenkt davon ab, dass sich das Realeinkommen in der Eurozone besser gehalten hat, als in Großbritannien. Dort aber entsteht das Bild, dass der Kontinent ein Desaster ist, und,wir Briten alles richtig tun‘“, erläutert Gros.

    Kommt die Brüssel ohne London aus?

    „Wir können das schaffen“, meint der Wirtschaftswissenschaftler. „Ob wir es schaffen werden, steht noch in den Sternen, aber wir können es schaffen. Man muss sich zusammensetzen und die konkreten Probleme Europas lösen. Nicht zu viel über die Souveränität und solche Sachen reden, sondern sagen:,Wir haben Probleme mit der Migration und dem Asyl, mit der inneren und äußeren Sicherheit. Können wir da gemeinsam etwas tun?‘ Natürlich kann jedes Land sagen:,Ich bin souverän und mache alles ganz allein‘. Aber wir wissen, allein schafft man es nicht.“

    Blick nach Russland…

    Wie Gros am Rande des Gaidar-Forums „Russland und die Welt: Prioritäten setzen“ in Moskau weiter erzählte, war es interessant zu hören, welche Prioritäten Russland heute setze, und ob es dabei Gebiete gebe, auf den die EU mit Russland zusammenarbeiten könnte. „Wenn wir an Globalisierung denken, werden die USA unter Trump protektionistisch handeln, Europa und China aber nicht. Und es fragt sich, wie sich Russland und die Eurasische Union dazu stellen. Sie haben hohe Handelsziele. Da könnte Russland vielleicht was machen.“

    … und über den „großen Teich“

    In der gegenwärtigen Ungewissheit über Trumps künftigen Kurs warte Europa ab und handele nur auf einem Gebiet – der Verteidigung, so Gros. „Aber nicht zusammen mit den USA.“ Nach seiner Ansicht seien die USA immer weniger bereit, sich für die Verteidigung Europas zu engagieren. „Dann sagen die Europäer:,Wir müssen mehr für uns selbst tun, etwas mehr dafür ausgeben.‘ Europa ist doch reich. Es kann sich das leisten. Es geht aber nicht um die Verdoppelung des Ausgaben, sondern vielmehr darum, nationale Einstellungen zu koordinieren, um für weniger Geld mehr Verteidigungskraft zu erreichen.“

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    Tags:
    Brexit, Gaidar-Forum, EU, Daniel Gros, Nikolaj Jolkin, Großbritannien, Russland