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    Der Kampf der Ideen um Amerikas Platz in der künftigen Welt nimmt zu – und das Thema Russland spielt dabei eine ganz besondere Rolle, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow feststellt.

    In einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru schreibt Lukjanow, Trumps Absicht, auf die „globale Führung“ zu verzichten, erschrecke seine Opponenten in den USA. Die Beziehungen mit Russland seien dabei im Mittelpunkt des Ideen-Kampfes um Amerikas Platz in der künftigen Welt (Globalismus oder Nationalismus) gelandet.

    Russland sei ein Symbol dafür, dass die nach dem Kalten Krieg etablierte und für die Amerikaner gewohnte Weltordnung nun in Gefahr sei: „Putin wurde (teilweise zu Recht, aber meistens ungeheuer übertrieben) zu einer Verkörperung antiliberaler Bestrebungen, wovon etwa Hillary Clinton mehrmals gesprochen hat. Trumps Versprechen, sich mit Russland zu verständigen, wird deshalb als Herausforderung für die Grundpfeiler der US-Politik wahrgenommen. Sein Amtsantritt wird den Ideen-Kampf um Amerikas Rolle in der künftigen Welt offenbar nur weiter schüren.“

    „Eine ‚Greatness‘, wie Donald Trump sie versteht, sieht keine Transformation der Welt und anderer Länder vor, obwohl sie eine Dominanz voraussetzt. Eine ‚globale Führung‘ bedeutet dagegen eine Umgestaltung der Realität nach dem US-Muster“, erläutert Lukjanow.

    Der Grundsatz einer „globalen Führung“ habe nach dem Kalten Krieg seine Blütezeit erlebt und sei inzwischen zu einem Axiom geworden. Dessen Revision erweise sich nun als sehr schmerzhaft. Trumps Versuch, sich auf frühere Grundsätze der US-Politik umzuorientieren, stoße auf einen heftigen Widerstand, hieß es.

    Trump sei kein prorussischer Politiker – seinen Ansichten liege offenbar ein amerikanischer Großmacht-Nationalismus zugrunde, aber auch eine Überzeugung davon, dass die USA als stärkste Macht der Welt ihre Interessen hart umsetzen müsse. Russland mit seinem Anspruch auf eine größere Rolle in der Weltpolitik werde mit diesem Amerika in vielen Bereichen kollidieren, prognostiziert Lukjanow.

    „Diese Kollision kann allerdings andere Formen annehmen als bisher. Trump unterscheidet sich von all seinen Vorgängern nach dem Kalten Krieg (Clinton, Bush und in einem etwas geringeren Maße Obama) dadurch, dass er nicht vorhat, Russland zu ändern. Es ist ihm egal, wie Russland ist: Hauptsache, Moskau legt sich nicht in jenen Fragen quer, die für die USA wichtig sind“, so Lukjanow weiter.

    Trumps fehlender Wunsch, den Gesprächspartner während des Gesprächs zu ändern, werde wahrscheinlich eine stabilisierende Rolle in den Beziehungen spielen: „Ein deutliches Festhalten an den nationalen Interessen ist dem Kreml viel verständlicher als die liberal-globalistische Rhetorik.“

    Falls es Trump jedoch nicht gelinge, sich mit Putin zu verständigen, werde ein Konflikt unumgänglich sein. Auch in Amerika selbst beginne unterdessen ein erbitterter politischer Kampf. Generell komme es jetzt darauf an, ob sich Trump als leistungsfähiger Staatschef etablieren könne: „Viele Kommentatoren, darunter auch in den USA, weisen derzeit darauf hin, dass das Land zu einem der bedeutendsten Faktoren der Ungewissheit in der Weltpolitik wird. Diese Rolle ist für die USA ganz untypisch, doch es hat sich so ergeben.“

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    Kalter Krieg, Fjodor Lukjanow, Donald Trump, USA, Russland