11:30 29 November 2020
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    In ihren Beziehungen mit Europa wollen die USA nach wie vor eine führende Rolle spielen. So deutet Wladimir Olentschenko, Europa-Experte des russischen Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, die jüngsten Äußerungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump zum Thema Nato.

    In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Olentschenko im Hinblick auf Trumps jüngstes Interview mit der „Bild“-Zeitung und der britischen „Times“: „Der Sinn von Trumps Äußerungen besteht darin, dass sich die USA nach wie vor als führende Kraft im amerikanisch-europäischen Tandem positionieren, während den Europäern weiter die Rolle des Rottenfliegers zukommt.“  

    „Der Übersichtlichkeit wegen wurde das Thema Nato gewählt. Der neue US-Präsident gab zu verstehen, dass ihm die Allianz in ihrer heutigen Gestalt nicht recht ist. Den Europäern wurde offenbar angedeutet, dass sie sich zumindest auf US-Forderungen zur vollständigen Einhaltung der Nato-Finanznormen gefasst machen sollten“, so Olentschenko.

    Das Nato-Motiv sei in der außenpolitischen Rhetorik von Trump nicht neu. Dieser habe noch während des Wahlkampfes die Europäer davor gewarnt, die Nato als Instrument zu betrachten, um die USA in Konfliktsituationen zu involvieren: „Insbesondere betonte er damals im Hinblick auf die baltischen Länder, dass sich die Amerikaner für sie einsetzen würden, falls es schwerwiegende Gründe dafür gebe, aber nicht automatisch.“ 

    Nun scheint Trump nach Ansicht von Olentschenko indirekt deklariert zu haben, dass die Vereinigten Staaten selbständig darüber entscheiden möchten, wie sich Europa militärpolitisch organisieren sollte.

    „Trumps Äußerungen, dass die Ansätze zur Nato präzisiert werden müssten, haben für Verwirrung unter europäischen Politikern gesorgt. Bis vor Kurzem hatten die führenden Länder Europas sich selbst (hauptsächlich im Rahmen der Nato) als den USA ebenbürtig betrachtet – und dementsprechend als unantastbar für Kritik. Es stellte sich jedoch heraus, dass Trump anders denkt und keinen großen Unterschied zwischen den führenden Ländern Europas und den baltischen Staaten sieht“, so der Kommentar.

    „Die Äußerungen von Trump und die Reaktion europäischer Politiker sind offensichtlich eine Art Warmlaufen vor der realen Politik, die sich nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten herauskristallisieren und einen angewandten Charakter bekommen wird. Dies gilt auch für die Wahlen in Deutschland und in Frankreich im Jahr 2017. Vorerst sind die Amerikaner und die Europäer dabei, einander zu sondieren“, so der Experte weiter. 

    Zum Schluss schreibt er: „Es stehen noch viele Kontakte und lange Gespräche zwischen den Amerikanern und den Europäern bevor, bei denen die derzeitigen Ungereimtheiten in den bilateralen Beziehungen beseitigt werden sollen. Doch es ist schon jetzt klar, dass die europäischen Politiker nicht mehr mit einer schonenden Haltung und mit besonderen Ansätzen rechnen sollten – trotz ihrer Bündnisbeziehungen mit den USA.“

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    Tags:
    EU, NATO, Donald Trump, USA