01:47 15 Dezember 2017
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    NATO Secretary General Jens Stoltenberg

    Bündnisfall im Cyberkrieg? - Nato-Chef kommentiert zunehmende Hacker-Angriffe

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    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich im Interview mit der „Welt“ besorgt über die gestiegene Zahl von Cyberattacken auf die Militärallianz geäußert: Diese könnten womöglich gar einen Bündnisfall nach Artikel fünf auslösen, so Stoltenberg.

    „Nach unseren neuesten Erhebungen gab es im vergangenen Jahr pro Monat durchschnittlich 500 bedrohliche Cyberangriffe auf Einrichtungen der Nato, die ein intensives Eingreifen von Seiten unserer Experten erforderlich machten“, wird der Nato-Chef zitiert. Dies seien 60 Fälle mehr als noch 2015.

    Die meisten dieser Angriffe seien jedoch nicht von Privatpersonen ausgegangen, sondern würden von staatlichen Institutionen finanziert – darauf deute der große Ressourcenaufwand hin.

    „Ich bin äußerst besorgt über diese Entwicklung. Die Cyberabwehr wird beim nächsten Nato-Gipfel eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet weiter verstärken", so Stoltenberg weiter.

    Die Angriffe könnten gar die Verteidigungsbereitschaft der Nato und die Arbeit ihrer bewaffneten Truppen beeinträchtigen. „Alle militärischen Aktivitäten basieren ja heute auf Datenübertragung. Wenn das nicht funktioniert, kann großer Schaden entstehen", warnt er.

    Cyberangriffe könnten darum auch einen Bündnisfall auslösen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Stoltenberg die Bereitschaft der Nato betont, auch bei Cyberangriffen den Artikel fünf über einen Bündnisfall geltend machen zu können. Dafür müsse es jedoch um einen Cyberangriff von einer bestimmten Größenordnung gehen, die Cyberverteidigung sei nur im Rahmen einer großangelegten Nato-Operation möglich.

    Artikel 5 des Nato-Vertrags legt fest, dass ein Angriff auf ein Nato-Mitglied als ein Angriff auf alle Mitglieder gewertet werden kann. Daraus folgt jedoch kein Automatismus zum militärischen Eingreifen. Jede Vertragspartei trifft dem Artikel zufolge "die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten".

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    Tags:
    Cyberattacken, Hacker, NATO, Jens Stoltenberg