13:24 12 Dezember 2017
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    Friedensnobelpreisträger Obama - und seine Kriege

    © AFP 2017/ Dominick Reuter
    Politik
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    Unter Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama haben die USA an vier groß angelegten Militärkampagnen teilgenommen. Zwei davon (in Afghanistan und im Irak) hatten allerdings noch vor seinem Amtsantritt begonnen. Die US-Militärpräsenz im Ausland schrumpfte unter Obama deutlich. Die russische Zeitung RBK zieht Bilanz.

    Afghanistan

    US-Soldaten in Afghanistan (Archivbild)
    US-Soldaten in Afghanistan (Archivbild)

    Im Dezember 2009 kündigte Obama eine Erhöhung der US-Militärpräsenz am Hindukusch an, um den Kampf gegen die Taliban zu unterstützen. Jahre später sagte Obama rückblickend: „Meine schwierigste Entscheidung habe ich am Anfang meiner Arbeit im Amt des Präsidenten getroffen, als ich befohlen habe, 30.000 Mann zusätzlich nach Afghanistan zu entsenden, wobei ich derjenige war, der der breiten US-Militärpräsenz im Ausland ein Ende setzen wollte.“  

    Während Obamas ersten Amtszeit nahm die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan ständig zu und erreichte im Jahr 2011 insgesamt 185.100 Mann. Das war der Höhepunkt. Seitdem schrumpfte die Präsenz. Ende 2016 hielten sich nur noch 14.200 US-Soldaten nach Angaben des Pentagons dort auf. Wie es hieß, ist die aktive Phase der Kampfhandlungen längst vorbei – nun konzentrieren sich die verbleibenden US-Militärs auf die Zusammenarbeit mit ihren Partnern und auf Anti-Terror-Einsätze. Die Ausgaben für die Afghanistan-Mission zwischen 2008 und 2014 beliefen sich nach Angaben des Congressional Research Service (CRS) auf 686 Milliarden US-Dollar.

    Irak

    US-Soldat in Irak (Archivbild)
    © AFP 2017/ Patrick Baz
    US-Soldat in Irak (Archivbild)

    Kurz nach seiner Vereidigung Anfang 2009 sagte Obama, dass die US-Militärmission im Irak zum 31. August 2010 zu Ende gehen soll, damit die irakische Armee die Kontrolle vor Ort übernehme. Im Dezember 2009 sagte der US-Präsident: „Ich war gegen den Irak-Krieg – ausgerechnet wegen meiner Überzeugung davon, dass es nötig ist, in Sachen Militärgewalt zurückhaltend vorzugehen und langfristige Konsequenzen unserer Handlungen unbedingt zu berücksichtigen.“

    Im Herbst 2010 sprach der damalige Verteidigungsminister Robert Gates vom Ende der aktiven Kampfphase und von einer neuen Rolle der im Irak präsenten US-Truppen – diese sollen nun als Berater und Trainer für die irakischen Militärkräfte agieren. Die Zahl der US-Militärs im Irak soll während der Regierungszeit von Obama von 324.400 auf rund 6.000 Mann zurückgegangen sein. Die Irak-Mission seit 2003 bis 2011 kostete die USA laut CRS rund 815 Milliarden Dollar.

    Libyen

    Tripoli nach einem Bombenanschlag
    Tripoli nach einem Bombenanschlag

    Am 19. März 2011 startete die internationale Koalition, der auch die USA angehörten, ihren Militäreinsatz in Libyen. Der Eingriff wurde vom UN-Sicherheitsrat genehmigt. Die USA setzten insbesondere Langstrecken- und Jagdbomber sowie Erdkampf- und U-Boot-Jagdflugzeuge ein, aber auch Militärtransport- und Tankflugzeuge. Zum Einsatz kamen auch US-Kriegsschiffe. Die US-Heerestruppen waren nicht mit dabei.  

    Ende März 2011 sagte Obama: „Es gelang uns, die Offensive von Gaddafi-Truppen in Richtung Bengasi zu stoppen und nötige Bedingungen zu schaffen, um eine Reihe von Orten vor Angriffen der libyschen Regierungstruppen zu sichern. Für ein neues Leben braucht Libyen drei Dinge, und zwar eine Umsetzung der UN-Resolution, eine Versorgung der kürzlich befreiten Städte mit Hilfsgütern sowie gemeinsame Bemühungen bei der Zukunftsplanung für das Land.“ Der CRS bezifferte die Kosten für die ersten zehn Tage des Libyen-Einsatzes auf 550 Millionen Dollar.

    Anti-IS-Einsatz

    Als Teil einer internationalen Koalition, der meistens Nato- und Golf-Länder angehören, fliegen die USA seit August 2014 Einsätze gegen die Terrormiliz Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) in Syrien und im Irak. Nach Angaben vom 27. Juli 2016 absolvierten US-Kampfjets seitdem knapp 11.000 Luftangriffe (mehr als 9.000 davon im Irak). Seit Beginn des Einsatzes bis Oktober 2016 soll das US-Verteidigungsministerium rund zehn Milliarden Dollar dafür ausgegeben haben.

    Obama sagte aber auch im September 2014: „Die USA erhöhen ihren Druck auf Syrien und werden alles Mögliche tun, um Baschar al-Assad international zu isolieren. Wir haben vor, das syrische Volk zu unterstützen.“

    Militärpräsenz insgesamt

    Unter Barack Obama ist die US-Militärpräsenz im Ausland offenbar drastisch geschrumpft. Im Jahr 2008 waren insgesamt mehr als 1,2 Millionen US-Soldaten und Zivilisten im Dienst des Pentagons in fremden Ländern präsent. Im Jahr 2016 betrug ihre Zahl 277.200 Mann, so RBK.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Barack Obama, Libyen, Irak, USA, Afghanistan
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