20:42 22 August 2017
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    Neuer Russland-Trumpf der USA: „Doppelt so erniedrigend für die EU“

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    Politik
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    Die USA sind fähig, nicht nur von der Einführung, sondern auch von der möglichen Aufhebung der Sanktionen gegen Russland zu profitieren – und zwar auf Europas Kosten. Um sie daran zu hindern, sollte die EU dem neuen US-Präsidenten zuvorkommen, schreibt am Dienstag die russische Onlinezeitung vz.ru in einem Kommentar.

    „Der Anfang von Trumps Präsidentschaft hat die regierenden europäischen Eliten an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht. Die Staats- und Regierungschefs europäischer Länder machen sich offenbar auf das Schlimmste gefasst, was sich ein Angeführter und Abhängiger nur vorstellen kann: auf Selbständigkeit und Verantwortung also“, betont die Onlinezeitung im Kommentar.  

    Vz.ru zitiert aus dem jüngsten Interview des früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi mit der italienischen Zeitung „La Stampa“: „Die EU scheint überhaupt nicht auf jene Erklärungen von Trump reagiert zu haben, die eine Revolution in den Beziehungen mit der EU bedeuten.“

    Laut Prodi sollte die Europäische Union dringend reagieren – und insbesondere die Sanktionen gegen Russland umgehend aufheben, um Amerika daran zu hindern, eine „privilegierte Lage in den Beziehungen mit Russland einzunehmen“.

    Auch der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon äußerte: „Ich will nicht, dass Trump mit Russland auf unsere Kosten redet“, zitiert ihn vz.ru.

    Die russische Onlinezeitung erläutert in ihrem Kommentar, warum Prodi und Fillon so besorgt sind: „Trump könnte dem Kreml selbstständig einen Verzicht der EU auf die Sanktionen ‚verkaufen‘. Dann wäre die Situation für die EU doppelt so erniedrigend. Einst hatten die USA um ihrer geopolitischen Interessen willen die Europäer zu antirussischen Sanktionen gezwungen und dadurch die Interessen der EU-Länder sehr beeinträchtigt. Nun kommt ein Macht- und Kurswechsel in Washington. Die USA würden der EU erlauben, die Sanktionen aufzuheben, doch zunächst wollen sie dies als ihren eigenen Trumpf für eine Annäherung mit Moskau instrumentalisieren.“

    „Die Amerikaner werden also sowohl von der Einführung als auch von der Aufhebung der Sanktionen geopolitisch profitieren, während die EU alle Verluste tragen soll“, so der Kommentar.

    „Um das zu verhindern, müssen die Europäer dem US-Präsidenten zuvorkommen, damit er nicht auf ihre Kosten mit Moskau feilschen kann. Davon redet Prodi im Klartext, auch Fillon sagt faktisch dasselbe. Wenn die EU ihre Beziehungen mit Russland wiederaufbaut, bekommt sie nicht nur mehr geopolitische Stabilität, sondern auch bessere Positionen bei der Neugestaltung ihrer Beziehungen mit den USA. Man muss aber schnell handeln, um Trump zu überholen“, schreibt vz.ru.

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    Tags:
    Sanktionen, EU, François Fillon, Donald Trump, USA, Russland
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