01:55 19 August 2017
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    Britisches U-Boot Vigilant mit Raketen Trident 2 D5 an Bord

    Warum USA auf Vertuschung des missglückten britischen Raketentests beharrten

    © Flickr/ Defence Images
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    Washington hat London ausdrücklich empfohlen, den gescheiterten Start einer ballistischen Interkontinentalrakete Trident II D5 geheim zu halten – eventuell, damit keine weiteren Probleme bei Raketen ans Licht kommen, wie die britische Zeitung „The Times“ am Dienstag berichtet.

    „Die Obama-Administration hat die Regierung von David Cameron gebeten, den misslungenen Start nicht zu kommentieren. Die US-Administration hat sich wohl Sorgen darüber gemacht, dass auch  andere Raketen derartige Probleme aufweisen könnten“, zitiert das Blatt eine Quelle aus der britischen Armee.

    Laut dem Informanten soll ein britisches Atom-U-Boot die Rakete gebracht und erfolgreich abgefeuert haben. „Jener Teil, der schief gegangen ist, ist doch eine US-Technologie“, betont er.

    Die Rakete habe sich wahrscheinlich selbst vernichtet, was auf technische Störungen im Lenksystem Trident zurückzuführen sei. Sowohl die Raketen selbst als auch deren Steuergeräte würden vom US-Unternehmen Lockheed Martin im US-Bundesstaat Maryland produziert.

    Zuvor hatte die Zeitung „The Sunday Times“ mitgeteilt, die britische Regierung habe mehrere Monate lang den gescheiterten Start einer ballistischen Interkontinentalrakete Trident II D5 verschwiegen.

    In einem Interview mit dem TV-Sender BBC gab die britische Premierministerin Theresa May am Sonntag zu, dass es beim Test der Rakete zu einer Störung  gekommen sein könnte, indem sie sagte, dass solche Tests jedenfalls vorkämen.

    Der Start der Rakete fand im Juni 2016 vom „HMS Vengeance" aus, einem der vier britischen Atom-U-Boote, in der Nähe der Küste Floridas statt. Anstatt ein etwa 9.000 Kilometer von der westafrikanischen Küste entferntes Ziel zu treffen, kam der Flugkörper, der keinen Atomsprengstoff trug, von seinem Kurs ab und flog in Richtung Amerika. Dies war der erste Start einer Rakete von diesem Typ seit vier Jahren, was die Zuverlässigkeit der Waffe in Frage stellt.

    Der gescheiterte Test fand kurz vor der Amtseinführung der heutigen Premierministerin Theresa May statt. Diese erwähnte ihn allerdings mit keinem Wort, als sie das Parlament überzeugte, 40 Milliarden Pfund (rund 46 Milliarden Euro) für vier neue U-Boote mit ballistischen Raketen auszugeben.

    Die Tests der ballistischen Trident-Interkontinentalraketen waren angesichts ihrer Kostspieligkeit seit 2000 lediglich fünfmal durchgeführt. Der Preis eines Trident-Flugkörpers beträgt 17 Millionen Pfund (etwa 19,7 Millionen Euro).

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    Tags:
    Interkontinental-Rakete Typ Trident II D5, US-Unternehmen Lockheed Martin, The Sunday Times, The Times, Theresa May, USA, Großbritannien