13:52 23 August 2017
SNA Radio
    Bild von Donald Trump in Russland

    Rätsel für Trump: „Keine Vorstellung, was er mit Russland anfangen soll“

    © REUTERS/ Ilya Naymushin
    Politik
    Zum Kurzlink
    144966898

    Donald Trump scheint vorerst keinen klaren Aktionsplan für seine Beziehungen mit Russland zu haben, behauptet der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

    In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ schreibt Lukjanow: „Die Frage nach den Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten unter Donald Trump landet nun endlich real auf der Agenda. Und, wie sich herausstellt, ist diese Frage absolut offen.“

    „Vor einigen Tagen besprachen alle Trumps Äußerung im Interview mit europäischen Journalisten, wobei er eine mögliche Aufhebung der Sanktionen mit Aussichten der Atomabrüstung in Zusammenhang gebracht hatte. Mich verstimmte jene Aussage enorm – aus zwei Gründen“, so Lukjanow.

    Er erläutert: „Erstens zeugt die Äußerung des neuen US-Staatschefs davon, dass er wirklich absolut keine Ahnung hat, wie die internationalen Beziehungen funktionieren. Es wäre ja dumm zu glauben, dass eine grundlegende Frage der Weltordnung ist, wie sich die strategische Stabilität und die Interaktion der beiden Atom-Supermächte mit jenen durchaus konjunkturellen Sanktionen in Zusammenhang bringen ließen, die Russland nach Ansicht von Trump ungeheuerlich loswerden will.“

    „Zweitens demonstriert die Aussage von Donald Trump, dass er überhaupt keine Vorstellung davon hat, was er mit Russland anfangen soll. Das nukleare Thema tauchte offensichtlich nur deshalb auf, weil er auf die Frage nach Sanktionen etwas antworten musste. Eine Meinung dazu hatte er nicht – und klammerte sich an das Erste, was ihm einfiel. Was haben wir denn immer mit den Russen? Ach ja, Atomabrüstung. Na bitte!“, so Lukjanow ironisch.

    Zwar werde diese Äußerung kaum eine Fortsetzung haben, doch sie mache deutlich, dass es den USA an einem Aktionsprogramm mangle. Dies sei ein ernsthaftes Problem, bedauert der russische Experte.

    „Der neue Präsident hat mehrmals seine Fähigkeit betont, Deals mit jedem zu schließen. Die Frage besteht aber darin, welche Deals angeboten werden könnten. Was soll ihr Gegenstand sein? Die Spinnereien von einem Tausch Syriens gegen die Ukraine und weiteres, was im öffentlichen Raum periodisch auftaucht, gehen auf eine sehr karikierte Vorstellung von den internationalen Vorgängen zurück“, so der Kommentar. 

    „Den sogenannten Deals liegt eine Hierarchie von Interessen zugrunde. Ein Gesprächspartner kann in einer für ihn zweitrangigen Frage einlenken, um einen Kompromiss in einer vorrangigen Frage als Gegenleistung zu bekommen. Alle Spekulationen über ‚Deals‘ sind also sinnlos, solange es nicht klar ist, wie das Prioritätensystem der Gesprächspartner aussieht“, erläutert Lukjanow weiter.

    „Trumps Unberechenbarkeit, mit der wir zu tun haben werden, ist weder gut noch schlecht. Einerseits verspricht ein neuer Blick auf die Weltprobleme, den alle von Trumps Administration erwarten, gewisse Möglichkeiten. Der bisherige Ansatz hatte die Beziehungen ja sowieso in eine tiefe Sackgasse gebracht. Andererseits ist Trump wirklich ein Neophyt, obwohl er durchaus gesunde und von der ideologischen Spreu der letzten 25 Jahre befreite allgemeine Vorstellungen von US-Interessen haben kann. Dabei glaubt er, dass der Unterschied zwischen Politik und Business gering ist. Deshalb hängt vieles nun von seinem (vorerst sehr bunt zusammengewürfelten) Team ab, aber auch davon, ob Trump überhaupt auf jemanden hören wird“, prognostiziert Lukjanow.

    Zum Thema:

    Neuer Russland-Trumpf der USA: „Doppelt so erniedrigend für die EU“
    „Trumps Friedensdividende“ – Experte: „Russland auf Augenhöhe behandeln“
    Was passierte zwischen Trump und Russland? – aktueller Medien-„Ermittlungsstand“
    Trumps Russland-Pläne: „Herausforderung für Grundpfeiler der US-Politik“
    Tags:
    Fjodor Lukjanow, Donald Trump, USA, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren