11:59 17 August 2017
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    Sigmar Gabriel und Angela Merkel

    Gabriel dankt überraschend ab: Parteienforscher nennt mögliche Gründe

    © AP Photo/ Markus Schreiber
    Politik
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    Für Sigmar Gabriels überraschende Entscheidung, nicht als SPD-Kanzlerkandidat anzutreten und auch den Parteivorsitz niederzulegen, gibt es laut dem Experten Prof. Dr. Nils Diederich zwei Gründe: Der Vize-Kanzler sieht für sich keine Chancen, den Wahlkampf gegen Merkel erfolgreich zu bestreiten, oder er fühlt sich gesundheitlich überfordert.

    Dem „Stern“ gegenüber hatte Gabriel seine Entscheidung, nicht gegen Merkels CDU/CSU anzutreten, so begründet: „Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern und mit mir die SPD.“

    Auch Parteien-Experte Diederich hält es für „wenig glaubwürdig“, dass Gabriel „als Vize-Kanzler, als Angehöriger der Regierung und Führer des kleineren Koalitionspartners im Wahlkampf als Herausforderer der CSU/CDU antritt“. Insofern sei dessen Gefühl, „dass er den Wahlkampf nicht erfolgreich bestreiten könnte, schon richtig“.

    „Aber es gibt noch eine andere Vermutung“, sagte Diederich in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa. „Möglicherweise fühlt er (Gabriel — Red.) sich auch gesundheitlich überfordert, diesen schweren Wahlkampf und was danach kommt durchzustehen.“

    Das könnte auch der Grund sein, warum Gabriel „das ungeliebte Ressort Wirtschaft“ aufgäbe und ins Außenministerium strebe. „Erfahrungsgemäß stehen die Außenminister sehr viel weniger im Meinungsstreit der Parteien, weil sie die ganze Republik nach außen vertreten.“ Das Auswärtige Amt sei also eine „ruhigere Position“, und das habe sich Gabriel wohl ausgerechnet.

    Dass Gabriel seine Entscheidung schon bekannt gegeben hat, noch bevor die SPD ihren Kanzlerkandidaten präsentierte, führt der Experte darauf zurück, dass der Vize-Kanzler sich möglicherweise „vor einer Situation bewahren wollte, wo die Partei darauf beharrt hätte, dass er die Position als Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat doch ausfüllen solle“.

    Martin Schulz, den Gabriel als Kanzlerkandidaten der SPD vorgeschlagen hat, hat dem Parteienforscher zufolge sogar bessere Chancen, Merkel herauszufordern und die SPD als eindeutige Alternative zur CDU/CSU mit Führungsanspruch zu präsentierten.

    „Martin Schulz hat einen großen Vorteil, weil er nicht in das Regierungsgeschäft verwickelt ist“, so der Experte. Deshalb könne Schulz — anders als Gabriel — nicht vorgeworfen werden, als Herausforderer anzutreten, nachdem er mehrere Jahre die Koalition mitgestaltet hatte.

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    Tags:
    CDU/CSU, SPD, Martin Schulz, Sigmar Gabriel, Angela Merkel, Deutschland
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