14:37 20 Oktober 2017
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    Untergang der US-Mainstream-Medien? Trump holt Breitbart-Mitarbeiter ins Weiße Haus

    © AFP 2017/ ZACH GIBSON / AFP
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    US-Präsident Donald Trump (2017) (279)
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    Der Redakteur der von einigen deutschen Medien als „rechtsextrem“ gebrandmarkten US- Nachrichten- und Meinungswebsite Breitbart, Sebastian Gorka, soll demnächst in Donald Trumps Administration kommen, schreibt „Business Insider“. Damit würde er der dritte Breitbart-Mitarbeiter im Weißen Haus werden.

    Gorka, der als Experte in Fragen von Islamismus und der Terrorgruppierung „Islamischer Staat“ gilt, schreibt als der für „nationale Sicherheit“ zuständige  Redakteur seit 2014 für Breitbart und war auch bei Fox-News tätig. Voraussichtlich wird er nun den Recherchen von „Business Insider“ zufolge beim National Security Council arbeiten. Während des Präsidentschaftsrennens soll er auch ein Berater Trumps gewesen sein.

    Sollte Gorka tatsächlich in die neue Administration kommen, wäre er somit der dritte Breitbart-Mitarbeiter  im Weißen Haus: Zuvor war berichtet worden, dass Trumps Chef-Stratege Steve Bannon, Ex-Chef von "Breitbart.com", die Kolumnistin Julia Hahn (ebenfalls bei Breitbart tätig) als Assistentin des Präsidenten angestellt haben soll.

    Woher kommt aber diese Sympathie Trumps zu einem Portal, von dem sich jeder andere Politiker distanzieren würde? Zum einen liegt es daran, dass Breitbart eines der wenigen Medien war, die Donald Trump im Wahlkampf unterstützen. Zum anderen liegt das offenbar an der Fake-News-Hysterie der letzten Wochen.

    „Wer die Beziehung zwischen Trump und den Qualitätsmedien bereits vor der Wahl hat eskalieren sehen, kann nun feststellen: Eine Eskalation der Eskalation findet statt. Wir erleben einen offenen Schlagabtausch zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und der Presse“, schreibt dazu Telepolis.

    Zuvor hatte Trump tatsächlich einen solchen „Schlagabtausch“: Mehrmals hatte er Medienberichte, wonach die russischen Geheimdienste angeblich kompromittierendes Material gegen ihn gesammelt hätten, zurückgewiesen. „Fake News – das ist eine totale politische Hexenjagd“, schrieb Trump in seinem Twitter-Account. „BuzzFeed veröffentlicht ungeprüfte Behauptungen über Trump und Russland“, fügte der US-Staatschef später hinzu.

    Bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl am 11. Januar legte Trump sich dann auch mit den Journalisten an. Die Online-Plattform BuzzFeed bezeichnete er als „einen versagenden Haufen Müll“. Dem CNN-Reporter Jim Acosta attestierte Trump: „Du bist Fake-News.“

    Kein Wunder also, dass der neue Präsident den US-Mainstream-Medien nun andere, solche wie Breitbart und Infowars, bevorzugen könnte. Denn im Kampf um die „Fake-News“-Nomination haben diese trotz teilweise sehr überdramatisierter und nicht allzu objektiver Berichterstattung sicherlich nicht die ersten Plätze gewonnen. 

    Beim Pressebriefing im Weißen Haus am Montag hatte Trumps Pressesprecher Sean Spicer die ersten Fragen an Donald Trump seit seiner Amtszeit entgegengenommen. Die ersten Medien, die ihre Fragen stellen durften, waren überraschenderweise statt CNN oder Asossiated Press solche eher wenig bekannte wie die Boulevardzeitung New York Post und der christliche Fernsehsender Christian Broadcasting Network.

    Spicer betonte, dass künftig „noch mehr unterschiedliche Medien“ Zugang zum Weißen Haus bekommen würden. Nun sehen wir am Beispiel von Breitbart, dass das wohl tatsächlich stimmt.

    „Der exklusive Zugang zu den Mächtigen des Landes war bisher in aller Regel nicht dem einfachen Journalisten, der für ein Dorfblatt schreibt, gestattet. Nur diejenigen, die an der Spitze des Mediensystems standen, konnten mit den Mächtigen in Kontakt treten und sie interviewen“, so Telepolis.

    Breitbart wird oft teils mit Recht von Zuspitzungen im Netz beschuldigt. So hatte das Portal Anfang Januar einen regelrechten Shitstorm in den deutschen Medien ausgelöst, als es über islamistische Unruhen in der Dortmunder Silvesternacht  „auf Grundlage falscher Darstellungen“ (FAZ) berichtet hatte. So hätten angeblich rund 1000 junger Muslime „Allahu Akbar“ skandiert, Feuerwerkskörper in die Menschenmenge geworfen, Raketen auf die Polizei gerichtet und die Dortmunder Reinoldikirche angezündet. Schließlich wurde jedoch bekannt, dass alles außer der Brandstiftung tatsächlich gestimmt hatte, jedoch entscheidende Details entstellt wurden  – so musste die Feuerwehr „lediglich“ ein brennendes Bauzaun-Fangnetz an der Kirche löschen.

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    Breitbart, Sebastian Gorka, Steve Bannon, Donald Trump, USA
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