07:28 24 April 2017
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    Kaliningrad von Russland trennen? Experten zu litauischer Gebiets-Initiative

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    Politik
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    Kaliningrad, ehemalig Königsberg, soll von Russland losgelöst werden – das schlägt jedenfalls der litauische Abgeordnete Linas Balsys vor. Der Außenpolitiker Wladimir Dschabarow, erster Vizechef des Auswärtigen Ausschusses des russischen Oberhauses, schlug daraufhin am Montag vor, dass Litauen in dem Falle die Region Vilnius zurückgeben solle.

    Auf dem Diskussionsforum „Die Welt im Jahr 2017. Blick aus Vilnius“  hatte Balsys geäußert, dass „die für Kaliningrad die Zeit abgelaufen“ sei, und vorgeschlagen, das Gebiet Russland wegzunehmen. Moskau hätte ja „die Regel der Unverletzlichkeit der Grenzen“ mit der Rückkehr der Krim gebrochen, wie das Online-Portal Baltnews.lt schrieb. Nach Vorstellung von Balsys sollte sich mit der Lostrennung des Gebiets Kaliningrad von Russland entweder Litauen oder gar EU-Leitung beschäftigen.

    In diesem Zusammenhang erinnerte Dschabarow daran, dass die Region um die litauische Hauptstadt Vilnius nie Litauen gehört habe. Bis 1917 war es ein Teil des Russischen Reiches, in den Jahren 1920 bis 1939 von Polen. Diese Fläche wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Litauischen Sowjetrepublik. Dschabarow zufolge sollte Litauen zuerst einmal das zurückzugeben, was es „von der sowjetischen Macht erhalten“ habe. Er betrachte den Vorschlag des litauischen Abgeordneten als den einfachen Wunsch, „Aufmerksamkeit auf sich zu lenken“. 

    Der Präsident des russischen Verbandes für Internationales Recht, Anatoly Kapustin, meint, dass die Aussagen über die „Rückkehr" von Kaliningrad nach Europa rechtlich unbegründet und inkompetent seien.

    „Diese Situation zu kommentieren, ist ziemlich schwierig. Dieser Mensch ist inkompetent und mit seinen Aussagen will er politische oder sonst welche Punkte bei seinen ausländischen Protektoren sammeln. In diesen Aussagen gibt es nichts Vernünftiges, Verständliches und rechtlich Begründetes", so Kapustin.

    Der Experte erklärte, dass „das Gebiet Kaliningrad und die Fläche der Kurilen-Inseln nicht an Russland übertragen wurden, weil sich die Sowjetunion oder die anderen Länder das bloß so wünschten. Dies war, grob genannt, der ‚Preis‘, ein gewisses Maß an Verantwortung für die Verbrechen, die Nazi-Deutschland und Japan begangen hatten“.

    Für einen professionellen und sachkundigen Menschen sei doch klar, dass die Frage über die Abnahme dieser Verantwortung nur auf Grund eines gleichwertigen Vertrags unter Beteiligung aller interessierten Parteien gelöst werden könnte, so der Experte.

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Anatoly Kapustin, Linas Balsys, Wladimir Dschabarow, Vilnius, Europäische Union, Kaliningrad, Kurilen, Litauen, Polen, Krim, Russland