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    Wirtschaft

    Globalisierung ohne Trump: „Merkel vergaß auf einmal ihre Vorwürfe gegen China“

    Jakub Krechowicz
    Politik
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    Angesichts der Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump verbessern sich plötzlich die Beziehungen zwischen Berlin und Peking. Nicht auszuschließen ist eine Globalisierung nach chinesischer Art, wie die russische Onlinezeitung vz.ru in einem Kommentar feststellt.

    Im Hinblick auf den geplanten Deutschland-Besuch des chinesischen Regierungschefs Li Keqiang schreibt vz.ru, die beiden Länder hätten noch im Herbst am Rande eines Handelskrieges gestanden: „Die Probleme zwischen China und Deutschland begannen, als die deutsche Führung versucht hatte, die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka durch das chinesische Unternehmen Midea zu bremsen. Berlin wollte einen europäischen Käufer finden, schaffte es aber nicht. Letztendlich wurde Kuka doch von den Chinesen gekauft. Als ein chinesischer Investmentfonds aber den Chiphersteller Aixtron SE kaufen wollte, zogen die deutschen Behörden ihre Zustimmung für den Deal zurück – unter dem Vorwand, dass dieser die Sicherheit Deutschlands gefährde.“

    „Nun haben die USA wider Erwarten China und Deutschland versöhnt: Die größten Exporteure der Welt (China rangiert auf Platz eins, Deutschland auf Platz drei) spürten eine Bedrohung durch die protektionistischen Pläne von Donald Trump“, postuliert die russische Onlinezeitung.

    Sie erläutert: „Der neue US-Präsident beschloss bereits einen Ausstieg seines Landes aus der Transpazifischen Partnerschaft TPP. Nun ist eine Revision des trilateralen Freihandelsabkommens NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko an der Reihe. Manche Experten (meistens aus Mexiko und Kanada) prophezeien sogar einen WTO-Austritt der USA. Dieser Trend involviert unvermeidlich immer neue Länder, die gezwungen sind, sich voneinander mit Zoll- und Tarifschranken abzuschotten. Für die deutsche Wirtschaft könnten sich Exportprobleme als sehr ernsthaft erweisen, für die chinesische Wirtschaft als katastrophal.“

    Es sei also kein Wunder, dass Deutschland und China nun trotz ihrer bisherigen Differenzen auf Annäherungskurs seien. Ein Tauwetter habe beim jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos begonnen: „Der dortige Auftritt des chinesischen Parteichefs war ein richtiges Preislied für die Globalisierung. Die konkreten Maßnahmen, die Xi Jinping westlichen Geschäftspartnern versprach, beinhalteten insbesondere mildere Bedingungen für ausländische Investitionen in China und einen Verzicht auf die Yuan-Abwertung. Die Rede wurde mit Beifall begrüßt, der nicht weniger stürmisch war als bei einem Plenum des Zentralkomitees der chinesischen Kommunisten-Partei. Die Idee einer Globalisierung nach chinesischer Art wurde von Angela Merkel extra gelobt.“

    Gruß aus China: „Deutschland ist ein Opfer der US-Strategie“

    „Eine Globalisierung ohne Trump, die China derzeit durchsetzen will, wäre der einzige Weg, um die überhitzte chinesische Wirtschaft zu retten. Einerseits braucht China den Weltmarkt, um seine Waren abzusetzen – das sind längst nicht nur billige Fabrik-, sondern auch qualitätsreiche High-Tech-Waren. Ebenso stark brauchen die Chinesen auch die Möglichkeit, uneingeschränkte Investitionen zu machen. In den letzten Jahren kaufen Geschäftsleute aus China massiv in der ganzen Welt Immobilien, Großunternehmen, Handels- und Hotelketten, Filmstudios, Luxusartikel, Kunstgegenstände, Start-ups, Antiquitäten und sogar ganze Inseln. Das Gesamtvolumen solcher Deals ist riesig. Alleine in Deutschland kauften Chinesen im Jahr 2016 ein Unternehmen pro Woche – trotz des Widerstands Berlins“, so der Kommentar. 

    China habe keinen anderen Ausweg – seine Geldmenge wachse unaufhaltsam und erreiche inzwischen knapp 23 Billionen US-Dollar: „Wenn man dieses Geld nicht investiert, wird die entstandene ‚Seifenblase‘ so laut platzen, dass nicht nur die chinesische, sondern auch die Weltwirtschaft dadurch ruiniert werden könnte.“

    „Die Regierung in Peking verspricht, dass die chinesische Globalisierung nicht so aggressiv sein wird wie die US-amerikanische, wobei eine ‚soziale Harmonie‘ gesichert werden soll. Vorerst sind internationale Business-Eliten froh, mit chinesischen Oligarchen zu kooperieren. Nun vergaß auch Angela Merkel auf einmal ihre traditionellen Vorwürfe gegen China wegen Menschenrechtsverletzungen, indem sie begann, eine Zusammenarbeit zwischen Berlin und Peking durchzusetzen“, schreibt vz.ru.

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    Tags:
    WTO, Donald Trump, USA, China, Deutschland