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17:11 17 Oktober 2019
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    Der russische Präsident Wladimir Putin in der ungarischen Hauptstadt Budapest eingetroffen

    Was Putins Ungarn-Besuch für Budapest und Moskau bedeutet

    © Sputnik / Alexey Druzhinin
    Politik
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    Der Pragmatismus des ungarischen Premiers Viktor Orban, der oft mit Wladimir Putin verglichen wird, versetzt Brüssel in Sorgen. Ungarn entwickelt sich zu einem der wichtigsten Partner Russlands in der EU. Angesichts dessen erläutern Experten im Sputnik-Interview, was der heutige Besuch des russischen Präsidenten in Ungarn für beide Länder bedeutet.

    Putins Besuch in Ungarn, bereits der siebte seit 2009, findet zu Beginn des außenpolitischen Jahres statt. Die Beziehungen beider Länder bleiben freundschaftlich, obwohl Budapest den Sanktionen gegen Russland folgen muss, wegen denen Ungarn in den vergangenen drei Jahren Schätzungen zufolge rund 6,5 Milliarden Euro finanzielle Verluste erleiden musste. Es ist zwar EU- und Nato-Mitglied, doch zwischen Budapest und Moskau entstanden in den letzten Jahren besondere Beziehungen. Russland will sie vertiefen und verbessern.

    Premier Viktor Orban sprach mehrmals von der Notwendigkeit, die antirussischen Sanktionen aufzuheben und die handelswirtschaftlichen Beziehungen zu Russland auszubauen. Für Ungarn sei es jetzt wichtig, seine Positionen im Gasbereich zu festigen, betonte in diesem Zusammenhang Ljubow Schischelina, Expertin des Europa-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, im Sputnik-Interview.

    „Eines der wichtigsten Kooperationsthemen mit Russland ist die Teilnahme Ungarns an den Gasleitungen, mit deren Bau Russland beginnt – Turkish Stream und Nord Stream 2. Ungarn hatte schon vor Langem seine Beteiligung an der South-Stream-Gasleitung geplant – als Endpunkt bei der Verteilung in andere mitteleuropäische Länder. Doch der Bau der Pipeline stieß auf heftigen Widerstand Brüssels. Jetzt erhielt Ungarn die Möglichkeit, seine Nische bei der künftigen Gasverteilung durch zwei neue Stränge zu finden. Die ungarische Opposition sieht zwar andere Gasquellen für Ungarn, doch besser ein Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach“, sagte Schischelina.

    Zudem unterscheidet sich Ungarns Haltung zur Nato von der Polens und der der baltischen Länder. Orban kritisierte mehrmals die Hysterie über den Mythos der „russischen Bedrohung“, die zum Anlass für die erhöhte Nato-Präsenz nahe den Grenzen zu Russland wurde.

    „Jetzt begann die Stationierung von US-Einheiten in Europa, doch in Ungarn, in der Slowakei und in Tschechien gibt es sie nicht, weil sie die Einrichtung zusätzlicher Kräfte auf ihrem Territorium ablehnten. Man kann damit rechnen, dass Ungarn auch weiter an diesen Kurs gegenüber der Nato festhalten wird. Seine proatlantische Haltung tauschte Orban gegen enge Freundschaft mit Russland aus. Es liegt auf der Hand, dass er aus eigenen Erfahrungen gelernt hat, wer tatsächlich die nationalen Interessen Ungarns bedroht“, so Schischelina.

    Laut Oleg Luschnikow, Experte des Russischen Instituts für strategische Studien, ist Ungarn ein Land, das den Versuchen der EU, ernsthafte Änderungen in den politischen und handelswirtschaftlichen Verbindungen zu vollziehen, großen Widerstand leistet.

    „Meines Erachtens wird Putins Besuch ein sehr ernsthafter Durchbruch bei den Versuchen, Russland wirtschaftlich und politisch zu blockieren. Die Ungarn haben vor Kurzem beschlossen, den Bau des Kernkraftwerks Paks fortzusetzen, mit dem der russische AKW-Hersteller Rosatom beauftragt worden war. Die Ungarn lehnten eine Kooperation mit US-Firma Westinghouse Electric Company ab. Das ist verständlich, weil die ersten Bauabschnitte des Atommeilers von russischen Fachleuten mit ihren Technologien und Sicherheitsgarantien gebaut wurden. Das US-Unternehmen konnte damit nicht dienen. Das eindeutige wirtschaftliche und strategische Interesse liegt hier auf der Seite Russlands“, so Luschnikow gegenüber Sputnik.

    Die Bedeutung von Putins Besuchs in Ungarn bestehe darin, dass unter neuen politischen Bedingungen – nach der US-Präsidentschaftswahl und kurz vor den Wahlen in Deutschland und Frankreich – jene Politiker unterstützt würden, die für ein pragmatisches Herangehen in den internationalen Beziehungen eintreten, so der Experte.

     

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    Tags:
    Beziehungen, Treffen, Turkish Stream, NATO, Viktor Orban, Wladimir Putin, Budapest, Ungarn, Russland