07:54 24 November 2020
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    Europas Flüchtlingsdeals (141)
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    Der italienische Premierminister Paolo Gentiloni und sein libyscher Amtskollege Fayiz Sarradsch haben vereinbart, dass Libyen Flüchtlingslager auf eigenem Boden baut und Italien den Bau finanziert. Das entsprechende Abkommen haben die beiden Regierungschefs jüngst unterzeichnet, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet.

    Afrikanische Flüchtlinge sollen sich solange in den Lagern aufhalten, „bis sie abgeschoben werden oder freiwillig in ihr Herkunftsland zurückkehren“, heißt es im bilateralen Abkommen laut der Agentur. Europäische Staats- und Regierungschefs begrüßen die Vereinbarung: Sie könnte helfen, den Flüchtlingszustrom übers Mittelmeer aufzuhalten, schreibt „Reuters“.

    Neben der Finanzierung werde Italien auch Ausbilder, Ausrüstung und Medikamente bereitstellen, um das Lagerpersonal und die Anti-Schlepper-Einheiten auf ihren Einsatz entsprechend vorzubereiten. Zudem habe Italien der Regierung Sarradsch Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesagt.

    Das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen soll das Abkommen indes kritisiert haben, wie die Agentur berichtet. Nach Ansicht seiner Vertreter bedeutet die gewaltsame Festsetzung von Migranten, dass sie schlechten Lebensbedingungen und Schikanen ausgesetzt sein würden. Aus bereits existierenden Lagern würden Fälle von Zwangsarbeit, Folter und Missbrauch gemeldet, mahnen die UN-Vertreter laut „Reuters“.

    Im Jahr 2015 hatte der Flüchtlingszustrom nach Europa eine Krise in der Europäischen Union ausgelöst. Seit die sogenannte Balkan-Route über die Länder Südosteuropas infolge eines Abkommens mit der Türkei geschlossen ist, kommen die meisten Flüchtlingen über Libyen nach Europa. Es handelt sich dabei größtenteils um Menschen aus Westafrika, die versuchen, nach Italien zu gelangen.

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    Migranten, Nordafrika, Italien, Libyen