18:05 26 November 2020
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    Die italienische Verteidigungsministerin plädiert für eine Art Schengen-Raum im Verteidigungsbereich, doch Experten aus Russland sind skeptisch und erläutern, was mit dieser Idee nicht stimmt.

    Der russische Militärexperte Viktor Murachowski sagte der Onlinezeitung vz.ru, die Aufstellung europäischer Militäreinheiten werde ab und zu seit der Zeit von Charles de Gaulle thematisiert, die Umsetzung dieser Ideen floppe jedoch immer wieder.

    „Solange die Nato besteht und die USA in dieser Allianz vorherrschen, wird keine mehr oder weniger selbständige und erst recht keine alternative europäische Militärkoalition entstehen. Alle Äußerungen europäischer Politiker über einen ‚militärischen Schengen-Raum‘, über vereinte Streitkräfte und über eine Europa-Armee sind nur heiße Luft“, so Murachowski.

    Für mehr Militärkooperation in Europa hatte jetzt die italienische Verteidigungsministerin Roberta Pinotti plädiert. Vz.ru zitiert aus ihrem Interview mit der Zeitung „Il Messaggero“: „Die europäische Verteidigung soll durch einen einheitlichen Block vertreten sein – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Nato (…) Nötig wäre ein ‚Verteidigungs-Schengen‘ mit einer stärkeren Zusammenarbeit von Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien.“

    Murachowski kommentierte weiter: „Es gibt keine Bedrohung, um derzeit Allianzen von dieser Art zu gründen. Zwar wird Hysterie um eine russische Bedrohung periodisch in Medien geschürt – zur Bekämpfung dieser Bedrohung stationierte man drei Bataillone in den baltischen Ländern und eine Rotations-Brigade der US-Armee in Polen, dem Baltikum und Rumänien. Doch wenn man eine reale Aggression vermutet, werden andere Maßnahmen getroffen.“

    Mehr zum Thema: Washington wird Bildung einer Europaarmee nicht zulassen

    Etwa während des Kalten Krieges seien Divisionen aus Nato-Ländern in Deutschland massiv stationiert gewesen. Doch jetzt fänden europäische Staatschefs eine militärische Bedrohung für Europa durch Russland oder durch sonst jemanden kaum realistisch und hätten deshalb nicht vor, Geld für die Aufstellung neuer Allianzen bereitzustellen, so Murachowski.

    EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte noch 2015 der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Eine europäische Armee hat man nicht, um sie sofort einzusetzen. Aber eine gemeinsame Armee der Europäer würde Russland den Eindruck vermitteln, dass wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europäischen Union.“

    Igor Pschenitschnikow, Experte des Russischen Instituts für strategische Studien, schrieb nun in einem Kommentar für die Agentur Ria Novosti: „Donald Trump hat diese ‚Werte‘ inzwischen entwertet, indem er von den Europäern fordert, für ihre Sicherheit selbstständig zu bezahlen. Für die europäischen Hauptstädte, die 70 Jahre lang Washington-hörig waren, klingt das beleidigend und beängstigend, denn sie hatten sich selbst eine ‚russische Bedrohung‘ eingeredet. Deshalb ist es zu erwarten, dass Junckers Ideen wieder auftauchen werden, wenn eine Kürzung der US-Finanzierung für die Nato Realität wird.“

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    Tags:
    EU-Armee, NATO, Donald Trump, Igor Pschenitschnikow, Jean-Claude Juncker, Viktor Murachowski, USA, Europäische Union