23:54 07 Dezember 2019
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    Martin Schulz und Angela Merkel

    Chancen für Schulz: „Merkel wird zur Bürde für atlantische Eliten“

    © AFP 2019 / Alain Jocard
    Politik
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    Als ausgesprochener EU-Optimist wäre Martin Schulz eine passende Figur für jene atlantischen Kreise, die Deutschland daran hindern wollen, dem Beispiel von Donald Trump zu folgen, wie die russische Onlinezeitung vz.ru angesichts der im Herbst bevorstehenden Bundestagswahl schreibt.

    Im Hinblick auf die steigenden Zustimmungswerte der SPD schreibt vz.ru, die Partei bekomme reale Chancen, die Situation zu ihren Gunsten zu ändern und bei den Koalitionsgesprächen nach der Bundestagswahl ihre Regeln zu diktieren.

    Von Angela Merkel seien auch manche CDU-Leute mittlerweile müde, „zumal die Einwanderungspolitik der Kanzlerin in den letzten paar Jahren auch unter ihren Parteifreunden für starke Unzufriedenheit gesorgt hat.“

    Vorerst sehe es danach aus, dass Martin Schulz tatsächlich Chancen im Kampf gegen Merkel hätte: „Auf ihn setzen offensichtlich sowohl ein Teil der deutschen Eliten als auch atlantische Kreise und nationsübergreifende Eliten, für die es kritisch wichtig wäre, Deutschland daran zu hindern, den falschen Weg von Donald Trump einzuschlagen.“

    „Zwar gibt es derzeit keine Voraussetzungen für einen Sieg angenommener ‚Nationalisten‘ und ‚Isolationisten‘ in Deutschland, doch selbst eine 20-prozentige Leistung der AfD wäre sehr viel für einen Staat, wo die Political Correctness mit aller Kraft eingeschliffen wurde“, so der Kommentar.

    „Merkel wird allmählich zu einer Bürde – nicht nur für ihre eigene Partei, sondern auch für die atlantischen Eliten im Allgemeinen. Es ist Zeit, sie durch einen frischen Streiter abzulösen“, schreibt vz.ru.

    „Schulz zählt zu den durchaus EU-orientierten Deutschen. Seine politische Karriere hängt mit dem Europäischen Parlament zusammen, wo er 22 Jahre verbracht hatte. Es gibt keinen größeren EU-Optimisten und Atlantisten. Vor dem Hintergrund der neuen geopolitischen Realität wird er sowohl mit Trump als auch mit Putin ringen – oder zumindest so tun, als ob er ringe“, heißt es im Kommentar weiter.

    „In Wirklichkeit sind sich die deutschen Eliten vorerst nicht darüber im Klaren, wie sie ihre europäische Führung mit der zunehmenden Popularität der EU-Skeptiker in Deutschland und in ganz Europa vereinbaren könnten. Wie lässt sich die atlantische Solidarität mit einem Anti-EU-gestimmten US-Präsidenten vereinbaren? Und die Sanktionen gegen Russland mit dem Wunsch, den Handel mit ihm auszubauen?“, so vz.ru.

    Es stehe Schulz allerdings noch bevor, seine derzeitige Popularität während des Wahlkampfs zu behalten. Es habe ja schon genug Überraschungen bei den jüngsten Abstimmungen im Westen gegeben. Nichts dürfe also im Voraus als sicher gelten, hieß es.

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    Tags:
    Chancen, Kanzleramt, SPD, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland